München - Fußball ist eigentlich ein einfaches Spiel. Taktische Konzepte hin, Matchpläne her - um erfolgreich zu sein, sollte die eigene Mannschaft nach 90 Minuten stets mindestens ein Tor mehr auf dem Konto haben als das andere Team. Was sich so leicht sagt, lässt sich auf dem Rasen allerdings nur mit akribischer Detailarbeit und viel Disziplin in die Realität umsetzen.

Paradebeispiel dafür ist Borussia Mönchengladbach, das dank des altbewährten "Mini-Max-Prinzips" von Trainer Lucien Favre als "Fast-Absteiger" der Vorsaison derzeit die Bundesliga aufmischt. 13 Punkte aus sechs Partien bedeuten aktuell Platz zwei - und den besten Saisonstart seit 24 Jahren!

Die Marschroute scheint sich dabei nie ausschließlich am Gegner auszurichten, stattdessen muss die Grundordnung stimmen. Das heißt im Klartext, hinten wird enorm wenig zugelassen und vorne die Kugel eiskalt versenkt.

"Fohlen" siegen wie die "Alte Dame"

Mit dieser effizienzorientierten Spielweise hatte Favre einst schon Hertha BSC in den europäischen Wettbewerb geführt, gleichwohl der Schweizer selbst die Berliner von damals nicht mit den erstarkenden "Fohlen" von heute vergleichen möchte. Dennoch lässt sich eine entscheidende Parallele nicht leugnen - und die scheint der ehemalige Profi selbst zu sein: Denn der 53-Jährige gewann mit diesen Vereinen nicht nur 43 von 93 Spielen, was an sich schon einen Top-Wert darstellt, aber dadurch veredelt wird, dass gleichzeitig 28 dieser 42 Siege mit nur einem Treffer Differenz erzielt wurden - was stolzen 30 Prozent entspricht!

Für den VfL ist dieser "Favre-Faktor" auf alle Fälle Gold wert. Besonders die Abwehr der Borussia hat sich in den sieben Monaten seit seinem Amtsantritt von der "Schießbude" zum Bollwerk gemausert. Bloß drei Gegentreffer wurden kassiert, das kann sich sehen lassen und wird lediglich vom FC Bayern München unterboten.

Defensive als Erfolgsgarant

"Die Basis unseres aktuellen Erfolgs liegt in der guten Defensive, wir sind dadurch in der Lage, das Glück auch einmal zu erzwingen", würdigte Sportdirektor Max Eberl die Arbeit seines Erfolgscoachs.

Die Spieler haben das System des Masterminds aus der Romandie bereits absolut verinnerlicht - und sind begeistert: "Unsere Taktik ist unglaublich. Ich glaube nicht, dass es Spaß macht, gegen uns Fußball zu spielen. Manchmal spürt man richtig, wie dem Gegner nichts einfällt", schwärmte Flügelflitzer Marco Reus in der "Bild". "Wir lassen verdammt wenig zu, sind selbst immer für ein Tor gut - das gibt großes Selbstvertrauen und ist ein phänomenales Gefühl."

Favre, der ewig Unzufriedene

Fußball ist eigentlich ein einfaches Spiel - Favre hat es verstanden. Trotzdem wäre der ewige Tüftler nicht er selbst, wenn er nicht ständig weiteres Verbesserungspotenzial erkennen und am Feintuning seines Teams arbeiten würde.

Den 1:0-Sieg beim Hamburger SV bejubelte der Coach dementsprechend nur kurz, um dann nahtlos in die nüchterne Analyse der Schwachpunkte überzugehen: "In der ersten Hälfte haben wir nicht gut gespielt, wir waren viel zu passiv und hatten zu viele Ballverluste. Zudem hatten wir nur 40 Prozent Ballbesitz, das ist viel zu wenig." Mit anderen Worten: Die Defensive steht, nun soll Dominanz her. Es gibt immer was zu tun.

Stefan Missy