Bonn - Früher als die anderen Topvereine hat Bayer Leverkusen unter dem neuen Coach Robin Dutt das Training wieder aufgenommen. Knapp eine Woche nach dem Trainingsauftakt absolvierte die "Werkself" beim Landesligisten Bonner SC das erste Testspiel der Saison.

Nach Toren von jeweils drei Mal Stefan Kießling und Karim Bellarabi sowie von Sidney Sam, Hanno Balitsch und Athanasios Mentizis gewann Bayer 04 standesgemäß mit 9:1. Danach sprach bundesliga.de exklusiv mit Bayers Mittelfeldspieler Lars Bender.

bundesliga.de: Herr Bender, nach einer Woche Training hat Bayer Leverkusen sein erstes Testspiel mit 9:1 beim Bonner SC gewonnen. Wie sehr haben Sie sich gefreut, dass der Ball wieder rollt?

Lars Bender: Jeder brennt darauf, dass es wieder los geht. Wir hatten jetzt Urlaub und sind nun ein noch etwas kleinerer Kader, weil die Nationalspieler erst im Trainingslager dazustoßen. Aber jeder ist froh, dass die Pille jetzt wieder rollt. Wir freuen uns auf die kommende Saison.

bundesliga.de: Wie groß ist der Hunger auf weitere Erfolge?

Bender: Der ist groß. Wir haben uns im letzten Jahr eine tolle Position in der Bundesliga erarbeitet. Wir dürfen in dieser Saison in der Champions League agieren. Dementsprechend glücklich sind wir und freuen uns auf diese Riesenaufgabe.

bundesliga.de: In der ersten Woche standen Leistungstests auf dem Trainingsplan und auch ein Besuch in der Kältekammer. Wie kalt ist denn so eine Kältekammer?

Bender: Die Leistungstests muss jeder machen, um zu schauen, wie der Stand ist. In der Kältekammer waren es minus 110 Grad. Das alles dient ja Regenerationszwecken. Bei Bayer sind die Angebote da sehr breit gestreut. Darüber sind wir froh.

bundesliga.de: Und einen echten Bayern hauen auch minus 110 Grad ohnehin nicht um.

Bender: Nein. Wir haben schon einige kalte Tage überlebt. Auch unsere Südamerikaner sind damit klar gekommen. Jeder kann es nutzen, wie er will. Es ist keine Pflicht. Jeder steuert seine Regeneration auch ein bisschen selbst. Entscheidend ist, dass man etwas macht.

bundesliga.de: Zum Ende der vergangenen Saison haben Sie gesagt, dass Sie mit Ihrem Bruder zusammen ein Fest veranstalten wollen, um das tolle Jahr, das Sie beide gehabt haben, zu feiern. Wie groß ist die Fete denn ausgefallen?

Bender: Wir haben dann doch kein großes Fest gemacht. Es ging einfach darum, einmal wieder zusammen einige Zeit zu verbringen und zu genießen. Das ist ja nicht mehr so alltäglich. Klar haben wir etwas mit der Familie unternommen, Freunde besucht und ein bisschen gefeiert. Nach so einer erfolgreichen Saison kann man schon einmal mit einem Gläschen anstoßen.

bundesliga.de: Nach Ihrer Rückkehr aus dem Urlaub haben Sie bei Bayer 04 einen neuen Trainer vorgefunden. Wie ist Ihr erster Eindruck von Robin Dutt?

Bender: Ich kann nur Positives sagen. Wir haben hart trainiert in dieser ersten Woche. Jeder zieht gut mit. Wir arbeiten gut. Wir haben ja große Ziele und wollen wieder erfolgreich spielen. So werden wir uns vorbereiten. Und Robin Dutt macht uns entsprechend fit.

bundesliga.de: Wie ist seine Ansprache? Er hat ja bei seiner Vorstellung einen sehr selbstbewussten Eindruck hinterlassen und gesagt, er sei nicht nach Leverkusen gekommen, um nach dem 2. Platz im Vorjahr um Platz 4 oder 5 zu spielen. Ist auch der Titel ein Thema?

Bender: Man muss sagen, dass man, um einen Titel zu holen, die ganze Saison konstant spielen und auch in den wichtigen Momenten ein bisschen Glück haben muss. Aber mit der Qualität, die in Leverkusen vorhanden ist, gilt es jedes Jahr, möglichst erfolgreich zu spielen. Wenn wir uns alle in dem Maße verbessern, wie er sich das wünscht, dann werden wir ziemlich weit vorne landen.

bundesliga.de: Der FC Bayern, der im letzten Jahr hinter Leverkusen Dritter wurde, rüstet mächtig auf und hat sich personell enorm verstärkt. Registrieren Sie das oder sind Sie nur fokussiert auf den eigenen Verein?

Bender: Man bekommt natürlich schon mit, was in anderen Vereinen passiert. Aber auch vor der letzten Saison haben viele Experten ganz andere Teams vorne gesehen. Man muss immer erst einmal die Spiele spielen. In der Vorbereitung entscheidet sich noch nichts.

bundesliga.de: Eines der Hauptthemen rund um Bayer 04 in der letzten Woche war der Streit zwischen Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw. Wie sehr nervt das Thema die Mannschaft?

Bender: Das stört uns nicht, weil es nicht unser Ding ist. Michael Ballack ist ein Teamspieler von Bayer Leverkusen. Alles was mit dem DFB zu tun hat, betrifft ihn persönlich. Das klärt er für sich. Das betrifft nicht das Team, da kümmert sich keiner von uns darum.

bundesliga.de: Was haben Sie sich persönlich für die neue Saison vorgenommen? Ist die Nationalmannschaft ein Thema?

Bender: Mein Ziel ist, möglichst viele Spiele zu absolvieren. Ich möchte Stammspieler werden und in meiner Entwicklung entsprechend weiterkommen. Ich bin erst 22 Jahre alt. Da muss noch etwas kommen. Es muss weiter nach vorne gehen. Wenn es irgendwann einmal der Fall sein sollte, dass ich zum Nationalteam stoßen sollte, wäre das natürlich das Traum und eine Riesensache für mich.

bundesliga.de: Nächste Woche geht es nach Österreich ins Trainingslager, Kondition bolzen. Darauf freut sich ein Fußballer immer ganz besonders.

Bender: Das wird sich noch herausstellen. Wir werden sicherlich im konditionellen Bereich weiter arbeiten. Aber auch teamtaktische Dinge werden mit dem neue Trainer im Vordergrund stehen. Da werden wir auch unser Augenmerk darauf legen. Und wenn dann auch die Nationalspieler mit dabei sind, werden wir ein paar Tage für uns haben, um mit der neuen Mannschaft zusammenzuarbeiten.

bundesliga.de: Am 1. Spieltag geht es dann nach Mainz?

Bender: Da wollen wir direkt einen "Dreier" landen und einen guten Saisonstart hinlegen. Und danach wollen wir die Konzentration für die Champions League aufbauen und möglichst erfolgreich mitspielen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski