Stuttgart - Das 0:0 gegen die Hertha ist für den VfB Stuttgart die nächste verpasste Chance, sich Luft zu verschaffen (Spielbericht). Auch wenn die Leistung gegen Berlin in Ordnung war, zu wenig war es dennoch. Mal wieder.

Kurz vor Mitternacht hatte Robin Dutt in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena mal wieder alle Hände voll zu tun. Wieder nicht gewonnen, wieder kein Tor, wieder kein Heimsieg. Und das gegen Hertha BSC Berlin, die am Freitagabend alles andere als unschlagbar wirkten. So argumentierte Dutt vehement gegen die von vielen Journalisten erwartete  Entlassung von Trainer Huub Stevens. "Huub und ich werden uns wie immer nach einem Spiel zusammensetzen und die Situation analysieren", so Dutt, der in den vergangenen Wochen primär damit beschäftigt war, die Wogen am Neckar einigermaßen zu glätten.

Eines der besten Saisonspiele der Schwaben

Dass dies aber immer schwerer wird, zeigte sich nach dem bitteren 0:0 gegen die Berliner. Sowohl Dutt als auch Stevens reagierten bei TV-Interviews äußerst dünnhäutig auf Fragen nach personellen Maßnahmen. Der Druck ist immens im Schwabenland – und Rettung scheint nicht in Sicht.

Dabei taten die Spieler des VfB in den 90 Minuten am Freitagabend alles, was in ihrer derzeitigen Macht stand. Sie rannten, kämpften, grätschten – und versuchten das weiterhin erstaunlich solidarische Publikum weiter hinter sich zu bringen. Das zumindest gelang – ein Tor aber wieder nicht. Insgesamt haben die Stuttgarter nun seit neun Heimspielen nicht mehr gewonnen. Sechs Punkte haben sie dabei geholt, kein Team der Bundesliga ist zu Hause schwächer. Von insgesamt 24 Saisonspielen wurden gerade einmal vier gewonnen, seit fünf Partien stehen sie auf dem letzten Tabellenplatz, Stevens gewann von zwölf Spielen lediglich zwei.

Zahlen, die erschrecken und wenig Spielraum für Hoffnung lassen. Allerdings zeigten die verunsicherten Schwaben gegen Hertha auf der anderen Seite eines ihrer besten Saisonspiele. Stevens hatte aus der Kritik der letzten Wochen gelernt und seine Taktik wie schon in Hannover deutlich offensiver ausgerichtet. Mit dem starken Timo Werner, mit Filip Kostic, Ideengeber Alexandru Maxim und Daniel Ginczek standen vier Offensivleute auf dem Feld und das machte sich durchaus positiv bemerkbar. Rein optisch dominierten die Schwaben ihren sehr defensiv eingestellten Gegner, hatten jede Menge Ballbesitz – dafür aber umso weniger Torchancen.

Positive Signale - bärenstarker Serey Dié

So hat es am Ende wieder nicht gereicht, auch wenn Dutt sagte: "Jeder wollte von der ersten Minute an den Bock umstoßen. Es ist sehr enttäuschend, dass sich die Mannschaft nicht belohnt hat." Der drohende Abstieg wird nun immer konkreter, auch wenn noch zehn Spiele zu gehen sind. Stevens selbst hatte in der abgelaufenen Trainingswoche wirklich alles getan, um den Druck von seinem Team zu nehmen. Auffallend gut gelaunt wirkte er, aber auch er weiß um den Ernst der Lage.

"Die Jungs haben alles gegeben, leider hatten wir nicht die Schlagkraft, die notwendig war, um auch ein Tor zu schießen", so ein ernüchterter Stevens. "Es geht nun aber weiter, und es wird immer schwieriger." In der Tat gibt es nicht mehr viel, was Hoffnung macht. Immer wieder senden die Stuttgarter einzelne positive Signale, so etwa der bärenstarke Neuzugang Geoffroy Serey Dié, in der Gesamtheit aber reicht es derzeit nicht.

"Wir haben bis zum Strafraum ein richtig gutes Spiel gemacht. Dann fehlte auch einfach das Quäntchen Glück, das ist schade", erklärte Angreifer Ginczek, auch einer dieser Hoffnungsträger. Kein Glück – das kommt in Stuttgart derzeit auch dazu. Nun geht am kommenden Freitag nach Leverkusen, dem nächsten Abstiegs-Endspiel. Sicher keine leichte Aufgabe, aber klar ist auch, dass sie am Neckar beinahe schon ein kleines Fußball-Wunder brauchen. Warum also nicht in Leverkusen?

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer