Die Einladung kam etwas unverhofft. Und war auch etwas überraschend. Was macht man in so einer Situation?

"Ich habe erstmal jedem eifrig die Hand geschüttelt", erzählt Edson Braafheid über seine Erlebnisse bei der ersten Nominierung für die Nationalmannschaft der Niederlande im Februar 2009.

"Eine riesige Ehre"

Bald steht erneut eine Handschüttel-Zeremonie für den Abwehrspieler an. Braafheid wechselt von Twente Enschede zum FC Bayern - er ist zwar der Wunschspieler von Trainer Louis van Gaal, aber unter den zahlreichen Zugängen des Rekordmeisters auch der Prototyp in Sachen "Nobody".

Dabei darf der 26-Jährige auf eine bislang ereignisreiche Karriere zurückblicken. Der Höhepunkt der Story war die Unterschrift in München - vorerst. "Für mich geht ein Traum in Erfüllung", sagte Braafheid. In Paramaribo (Surinam) geboren, in jungen Jahren vom FC Utrecht entdeckt worden, Aufstieg im jungen Alter zu den Profis, Länderspiele, Wechsel nach Twente und jetzt zum FCB: "Es ist für mich eine riesige Ehre, für Bayern München zu spielen."

Ein moderner Verteidiger

Dem immer gut aufgelegten jungen Mann nimmt man das ab. Auch weil Braafheid immer den ehrlichen Arbeiter auf dem Platz verkörpert. Für die Bayern - und vor allem für van Gaal - ist die Personalie aber interessant geworden, weil neben Arbeitseifer noch eine gehörige Portion Talent in Braafheid steckt.

"Ich bin ein moderner Verteidiger", sagt er über sich selbst. Für seine Außenverteidiger-Position bedeutet dies: stark in der Defensive, aber auch mit viel Zug nach vorne. Und was noch dazu kommt: Braafheid ist vielseitig, kann auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden. Dies, so verriet er erst kürzlich, aber nicht so gern. Lieber macht er Dampf über links.

Alternativen: Fred Rutten oder zu den Eltern

Deswegen wollten ihn auch die niederländischen Spitzenclubs Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven verpflichten. Für beide Clubs gab es sogar richtig gute Argumente. In Eindhoven arbeitet in der kommenden Saison sein früherer Trainer Fred Rutten. In der Bundesliga bestens bekannt aus Schalker Zeiten.

Und in Amsterdam wohnt seine Familie, die es durchaus begrüßt hätte, dass ihr Edson zu Ajax wechselt. Aber Braafheid wagte den Weg ins Ausland. "Je größer die Herausforderung, desto besser", sagt er über seine Entscheidung, nach München zu gehen. Die Bayern haben sich einen echten Draufgänger geholt.

Van Marwijk glaubt an Braafheid

Kritiker, die den Sprung zum europäischen Spitzenclub mit nationalen und internationalen Titelambitionen als zu groß betrachten, haben einen prominenten Gegner. "Der Schritt ist nicht zu groß, Edson hat gute Chancen sich beim FC Bayern durchzusetzen", sagt Bert van Marwijk. Der frühere Coach von Borussia Dortmund muss es wissen, denn er nominierte ihn im Februar erstmals für die Nationalmannschaft und auch im aktuellen Kader der "Elftal" ist Braafheid wieder mit dabei.

Künftig könnte er unersetzlicher Dauergast werden. Giovanni van Bronckhorst ist mittlerweile 34 und recht verletzungsanfällig und auch Tim der Cler lehrt seinen Konkurrenten auf der Linksverteidiger-Position nicht gerade das Fürchten. Braafheids Aufstieg zum Nationalspieler ist ohnehin eine logische Konsequenz.

Nicht zu Olympia 2008

Braafheid spielte in den Junioren-Auswahlmannschaften der Niederlande, war nicht nur ein Bestandteil des Kaders für die U-21-Europameisterschaft 2006. Auch für Olympia 2008 wurde er nominiert, musste aber dann doch nach Hause weil die Champions-Leauge-Qualifikation mit dem FC Twente anstand.

Doch das dürfte eine der wenigen Enttäuschungen für Braafheid in den letzten Jahren gewesen sein...

Fatih Demireli