München - Der Herr im weißen Trainingsanzug reckte den Arm nach oben und ließ sich das Mikrophon geben. "Mario, in welcher Minute werden Sie ein Tor machen?", fragte er den Bayern-Stürmer Gomez, der bei der offiziellen Uefa-Pressekonferenz auf der Bühne Platz genommen hatte, um die Fragen der Journalisten zu beantworten.

Die Frage sorgte in dem nur spärlich gefüllten Raum in der Allianz Arena für große Heiterkeit - denn die Stimme klang verräterisch nach Louis van Gaal. Bayerns Cheftrainer, der eigentlich erst nach Gomez den Medienvertretern Auskunft über das Rückspiel gegen Inter Mailand (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) geben sollte, hatte sich auf die andere Seite geschlichen und zunächst interessiert den Ausführungen seines Top-Stürmers zugehört.

"In welcher Minute wünschen Sie"

"Trainer, in welcher Minute wünschen Sie?", antwortete Gomez mit einem breiten Grinsen. Der kurze Dialog spiegelt die gelöste Stimmung der Münchner vor dem zweiten Teil der "Revanche" gegen den letztjährigen Champions-League-Sieger, der den FCB im Finale von Madrid geschlagen hatte, ziemlich genau wider. Dass der Rekordmeister die drei Niederlagen gegen Dortmund, Schalke und Hannover verdaut hatte, war bereits beim Torfestival am Samstag gegen den Hamburger SV zu betrachten.

"Ich glaube, dass durch den hohen Sieg gegen den HSV das Vertrauen zurückgekommen ist", mutmaßte der "doppelte van Gaal", nachdem er auf seinen ursprünglich angedachten Stuhl Platz genommen hatte. Gerade noch rechtzeitig vor dem Saisonendspurt scheint das lähmende Entsetzen an der Säbener Straße nun wieder der clubüblichen Zuversicht gewichen zu sein.

Statistik spricht für die Bayern

Daran ändert auch der beschlossene Abgang van Gaals nichts - wie der Coach klar machte. "Wenn wir gewinnen, dann habe ich meine Arbeit gut gemacht. Dann sind die Fans froh, der Verein ist froh, und die Bayern gehen mit dem nächsten Trainer weiter."

Eine frohe Nachricht bekam van Gaal bereits vor der Pressekonferenz serviert: "Ein Delegierter der Uefa hat mir gesagt, dass es in der Champions League erst eine Mannschaft geschafft hat, in der K.o.-Runde eine 0:1-Hinspielniederlage auswärts zu drehen. Statistisch sind wir also Favoriten", sagte der Niederländer.

Van Gaal auf alles gefasst

Von den "Nerazzurri" erwartet der Übungsleiter taktisch gesehen keinerlei Überraschungen: "Ich glaube nicht, dass sie anders spielen werden als im Hinspiel. Inter kann zwischen einem 4-4-2 mit Raute und einem 4-3-3 wählen - das spielen sie auch in der Serie A. Wir sind auf beide Systeme vorbereitet."

Dass den Bayern dennoch ein ganz hartes Stück Arbeit bevorsteht, weiß van Gaal am besten: "Es ist nicht so einfach, den amtierenden Titelträger auszuschalten", sagte der Erfolgscoach - zumal Inter Mailand in seiner Europapokal-Historie noch nie München verloren hat. Mario Gomez hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Raum verlassen. Sonst hätte er seinen Trainer vielleicht gefragt, ob es nicht Zeit wird, diese Serie zu beenden.

Aus der Allianz Arena berichtet Johannes Fischer