Leverkusen - Mit einem couragierten, mutigen und offensiven Auftritt überraschte der 1. FC Köln beim Rheinderby in Leverkusen. Die Domstädter gewannen das Prestigeduell verdient mit 2:1 und überholten den Rivalen auch in der Tabelle.

Zum Matchwinner avancierte ausgerechnet Innenverteidiger Dominic Maroh, der erst zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf stand und die Werkself mit einem Doppelpack schockte.

Frage: Dominic Maroh, Glückwunsch zum Derbysieg und zu Ihrem Doppelpack. Mit welchen Gefühlen kommen Sie vom Platz?

Dominic Maroh: Der Schlusspfiff war eine Mischung aus Erleichterung, ein bisschen Stolz und purer Freude. Solche Tage hatte ich noch nicht so oft. Es gibt nur wenige Abwehrspieler, die solche Tage erleben. Man wünscht sich als Spieler zumindest einmal in seiner Karriere einen solchen Tag, ein Derby vor so fantastischen Zuschauern entscheiden zu können. In meiner Profikarriere war das, soweit ich mich erinnere, mein erster Doppelpack.

"Das eine oder andere Kölsch wird getrunken"

Frage: Sie waren zu Saisonbeginn verletzt, saßen dann auf der Bank und haben nun die Chance bekommen, wieder in der Startelf zu stehen. Jetzt haben Sie die Chance genutzt.

Maroh: Genau. Nach der Verletzung hat es ein bisschen gedauert, bis ich auch selbst wieder den Rhythmus hatte. Ich bin nicht ungeduldig geworden, weil ich wusste, dass der Tag kommen wird. Jetzt war er da. Dass ich ihn mit zwei Toren so vergolde, ist natürlich für mich persönlich super und macht auch die letzten Wochen ein bisschen vergessen.

Frage: Nach dem Abpfiff hat Anthony Modeste vor der Fankurve eine Mischung aus Breakdance und Capoeira gezeigt. Hätten nicht eigentlich Sie für die Tanzeinlage sorgen müssen?

Maroh: Um Himmels Willen, das will keiner sehen. In der Hinsicht kann ich mich gar nicht bewegen und will es auch gar nicht. Tony macht das schon ganz gut und zwei, drei andere Spezialisten auch. Die sollen das übernehmen.

Frage: Wird der Derbysieg jetzt gefeiert?

Maroh: Die Busfahrt nach Köln ist ja leider nicht so lange. Aber ich nehme an, dass das eine oder andere Kölsch in geselliger Runde noch getrunken wird.

Frage: Welchen Stellenwert hat der Derbysieg für Sie?

Maroh: Man muss nur die Atmosphäre draußen aufsaugen, dann weiß man, welche Bedeutung der Derbysieg hat. Tabellarisch hat es den netten Beigeschmack, dass wir jetzt vor Leverkusen stehen. Das ist auch eine Geschichte. Aber hauptsächlich war es für die Fans, die das Derby zu einem gefühlten Heimspiel gemacht haben, ein unglaubliches Spiel. Wenn man dann nach dem Spiel in die Gesichter schaut, macht einen das schon ein bisschen stolz, für so einen Verein mit diesen tollen Zuschauern spielen zu dürfen.

Frage: Wie bewerten Sie die aktuelle Tabellensituation?

Maroh: Der 7. Platz klingt nach zwölf Spieltagen ganz gut. Wir können jetzt gegen den 1. FSV Mainz 05 mit einem Dreier nachlegen. Dann sieht es bis zur Winterpause ganz gut aus.

Frage: Im letzten Jahr gab es auch vom Leverkusener Trainer Kritik an der Spielweise des FC. Diesmal war die Mannschaft sehr offensiv ausgerichtet. Wie stolz macht Sie die Entwicklung, die der FC genommen hat?

Maroh: Zunächst einmal hat sich bei uns nie jemand für das geschämt, was letztes Jahr war. In diesem Jahr haben wir mutig und frisch und sicher noch nicht ganz perfekt gespielt - vor allem beim letzten Ball nach vorne. Aber wir haben uns schon im Vergleich zur letzten Saison weiterentwickelt.

Frage: Haben Sie gemerkt, dass der Gegner angeschlagen und verwundbar war?

Maroh: Nach der Roten Karte muss man die Situation ausnutzen. Dann konnte Leverkusen nicht mehr so spielen wie mit elf Mann. Wir hätten da den einen oder anderen Angriff konsequenter zu Ende spielen sollen. Aber wir haben schon gemerkt, dass wir das Spiel gewinnen können, wenn wir nicht mehr viele Fehler machen. So war es dann auch.

"Jedes Spiel am Limit spielen"

Frage: Der 1. FC Köln hat gegen den VfL Wolfsburg unentschieden gespielt, Borussia Mönchengladbach geschlagen, auf Schalke und in Leverkusen gewonnen. Was ist für den FC in dieser Saison möglich?

Maroh: Wir müssen versuchen, eine gewisse Balance reinzubekommen. Man denke nur an die Spiele gegen Hoffenheim oder Hannover (die 0:0 bzw. 0:1 endeten, die Red.). Wenn wir als 1. FC Köln in der Bundesliga nicht jedes Spiel am Limit spielen, werden wir sie nicht gewinnen. Wenn wir die anderen Spiele auch noch gewonnen hätten, stünden wir jetzt in ganz anderen Sphären. Das ist nicht realistisch.

Frage: Was ist realistisch?

Maroh: Wenn wir das, was wir jetzt spielen, aufrecht erhalten, ist ein guter Tabellenplatz möglich.

Frage: Was wäre ein guter Tabellenplatz?

Maroh: Jetzt muss ich überlegen, was die Vorgabe des Vereins ist. Ich glaube, Platz 13 bis 15. (lacht) Spaß beiseite. Ich weiß nicht, ob wir am Ende der Saison auf dem jetzigen Tabellenplatz stehen können. Für uns gilt es im zweiten Jahr genauso wie im ersten Jahr, den Klassenerhalt zu schaffen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski