Wie sehr den Bayern-Spielern die Lieder gefallen, die für sie bei Toren in der Allianz Arena eingespielt werden, ist unklar.

Ob Franck Ribery wirklich "Les Champs-Elysees" von Joe Dassin pfeift, wenn er ein Tor erzielt hat? Oder Arjen Robben sich für einen neuen Geniestreich wirklich "Tulpen aus Amsterdam" von Mieke Telkamp wünschen würde? Thomas Müller jedenfalls wird sehr zufrieden sein mit dem für ihn ausgewählten Song.

Lieblingsspieler von van Gaal

"s Leb'n is wiar a Traum" von der Spider Murphy Gang hallt durch die Münchner Arena, wenn Müller mal wieder zugeschlagen hat. Und treffender könnte man es gar nicht ausdrücken. "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagte Müller, nachdem die Bayern mit einem 3:1 gegen den VfL Bochum quasi die Meisterschaft gesichert haben.

Müller erzielte alle drei Treffer des Tages, nur der Pfosten verhindert ein viertes Tor. Dieser Gala-Auftritt war aber nur der Höhepunkt eines Senkrechtstarts, wie ihn die Bundesliga vielleicht noch nie gesehen hat. Vor einem Jahr kickte Müller noch für Bayern II in der 3. Liga gegen Erzgebirge Aue, nun ist er drauf und dann, mit dem Rekordmeister erstmals das "Triple" zu gewinnen - und das als absoluter Stammspieler.

Kein anderer Bayern-Spieler kam in dieser Saison so häufig zum Einsatz wie der 20-Jährige, der im idyllischen Pähl, nahe des Ammersees, großgeworden ist. 49 von 50 möglichen Pflichtspielen absolvierte Müller in seiner ersten kompletten Profi-Saison, dabei berief in Jugendförderer Louis van Gaal 43 Mal in die Startelf. Nur eine Sperre in der Champions League verhinderte, dass Müller alle Partien in dieser Saison absolvieren konnte.

Vergleiche mit dem "Bomber"

Co-Trainer Hermann Gerland, der den Youngster aus der zweiten Mannschaft kannte, riet van Gaal zum Dauerläufer und Nahtstellenschleicher: "Er hat gesagt, dass Müller sehr viel Talent hat", erinnert sich der Bayern-Trainer.

Wie recht Gerland doch hatte. Als Müller im September zunächst bei Borussia Dortmund und dann auch in der Champions League bei Maccabi Haifa doppelt traf, wurden sofort Vergleiche zu "Bomber" Gerd Müller gezogen. Zwar ist Thomas eher "langes, dünnes" als "kleines, dickes" Müller, doch seine Treffsicherheit in dieser Spielzeit ist beeindruckend.

19 Pflichtspieltore (13 in der Bundesliga) hat er schon gemacht, schon jetzt mehr als Namensvetter Gerd in seiner ersten Bundesligasaison für die Bayern. 25,5 Prozent seiner Schüsse die aufs Tor kommen, landen auch im Netz. Das ist die beste Quote aller Bayern-Spieler. Zudem kann er es sowohl mit links und rechts, als auch per Kopf oder Brust (wie gegen Bochum).

Seit der D-Jugend bei den Bayern

"Den Aufstieg hätte ich mir auch nicht so ausgemalt", sagt Müller und sinniert: "Eigentlich ist es etwas für ein Kinderbuch. Ich denke, erst nach ein, zwei, drei Jahren kann man das alles realisieren." Ein früher Förderer Müllers ist da weniger überrascht. "Es war schon früh klar, dass Thomas irgendwann zu einem größeren Verein gehen würde", sagte Wolfgang Czerweka, Trainer Müllers in der E- und D-Jugend des TSV Pähl, der Münchner "Abendzeitung": "Er hat schon damals Spiele allein entschieden, weil er technisch so stark war und wahnsinnig schnell."

Schon im Jahr 2000 fiel das auch den Bayern auf, die das Talent vom Ammersee in ihre eigene D-Jugend holten. Dort begann der unaufhaltsame Aufstieg vom deutschen Vize-Meister in der A-Jugend (2007, Müller traf im Finale) über den Drittliga-Torjäger (15 Tore in 33 Spielen) hin zum Meister und möglichen Champions-League-Sieger.

Torbeteiligung alle 128 Minuten

Denn Müller ist trotz seines wundersamen Aufstiegs noch lange nicht satt. "Es ist noch mehr möglich. Jetzt müssen wir auch noch die anderen Titel ins Vereinsheim schleppen", sagte er schon am Samstag. Er wird bei der Jagd nach DFB-Pokal und Champions-League-Trophäe eine entscheidende Rolle spielen.

Müller ist nicht nur torgefährlich, sondern reißt immer wieder Lücken für die starken Flügelstürmer Arjen Robben und Franck Ribery oder Sturmpartner Ivica Olic. Zudem glänzt er auch als Vorbereiter (zehn Assists in allen Wettbewerben) und ist alle 128 Minuten direkt an einem Tor beteiligt.

Diesen Schnitt will er halten, was bedeuten würde, dass die Bayern sowohl im Pokalfinale, als auch im Champions-League-Endspiel auf jeden Fall einen Treffer erzielen würden. Und dann wäre die Chance groß, dass alle Bayern zusammen eine Menge Grund zum Singen hätten. Die Musikauswahl: egal.

Matthias Becker


Thomas Müller im bundesliga.de-Interview