Im Premiere-Ligapokal ist es wieder so weit: das Nordderby steht an. bundesliga.de sprach mit beiden Fanbeauftragten.

Als ob sie es heraufbeschworen hätten, die Fans des SV Werder Bremen. Bereits zehn Tage vor der Vorrunden-Partie des HSV gegen Hertha BSC Berlin im Premiere-Ligapokal hatten bei einer Umfrage über 15.000 Anhänger der Grün-Weißen auf der vereinseigenen Homepage für das Nordderby als Halbfinal-Paarung gestimmt - ein Stimmanteil von 80 Prozent!

Verabredung zum Kräftevergleich

Nun ist es also soweit: Gleich zu Beginn der noch so jungen Bundesliga-Saison 2006/2007 haben die beiden norddeutschen Top -Clubs im Weserstadion eine Verabredung zum gemeinsamen Kräftevergleich.

Wer also wird wohl nach Leipzig fahren, wenn dort am kommenden Samstag um 18 Uhr das Finale des Premiere -Ligapokals angepfiffen wird, um den ersten Titel der neuen Saison auszukicken?

So alt wie die Liga selbst

Dieses Traditionsderby der höchsten deutschen Spielklasse ließ in den seltensten Fällen seiner mehr als 40-jährigen Geschichte Spielraum für Prognosen. Seit der Geburtsstunde der Bundesliga im Jahr 1963 trafen beide Gründungsmitglieder 90 Mal aufeinander - 84 Duelle in der Liga, sechs im DFB-Pokal.

Nur einmal war der Derby-"Dinosaurier" der Bundesliga vom Aussterben bedroht. Aber der Abstieg in die Zweitklassigkeit blieb für den SV Werder Bremen in der Saison 1981/82 ein kurzweiliges Gastspiel. Von allen bisherigen 90 Derbys gewann Werder 31, der HSV 28. In der Liga hat Bremen mit 27 Erfolgen sogar nur einen einzigen Sieg Vorsprung.

Der 34. Spieltag der Saison 2005/2006

In Anbetracht dieser Statistik ist es vielleicht etwas optimistisch, wenn Frank Baumann von einer "insgesamt sehr positiven Bilanz gegen Hamburg" spricht. Andererseits ist die selbstbewusste Aussage des Werder-Kapitäns auch Beleg für den charmanten Charakter des Derbys, auch über den 53. Breitengrad hinaus.

Natürlich hatte das Duell seinen letzten Höhepunkt in der vergangenen Saison, als Werder dem HSV mit einem 2:1-Sieg die direkte Champions-League-Qualifikation vor der Nase wegschnappte. Und das am allerletzten Spieltag - im Stadion des Hamburger SV. Dazu sechs Gelbe Karten, ein verschossener Elfmeter - so ist das Nordderby.

"Die Fans sind engagierter, es ist etwas Besonderes!"

Aber man wäre sowohl an Elbe als auch an Weser vom falschen Schlag, würde man als Anhänger das Traditionsduell nur im Kurzzeitgedächtnis verwalten. "Die Fans sind immer engagierter, wenn man gegen den HSV spielt", erklärt Dieter Zeiffer, Fanbeauftragter des SV Werder, gegenüber bundesliga.de. "Beide Teams wollen im Norden die Nummer eins sein. Da lässt man sich auch schon mal bei den Fanchoreografien etwas Besonderes einfallen, um noch mal einen drauf zu setzen."

Sein Hamburger Gegenüber, René Koch, bestätigt im Gespräch mit bundesliga.de ebenfalls, dass man zwar "noch eine Rechnung offen" habe, aber selbst ohne das letztjährige Saisonfinale wäre die Euphorie vor dem Spiel gegen Bremen groß. "Wir haben lange Schlangen vor den Fanshops, in denen die Karten verkauft werden", erzählt der Fansprecher des HSV. "Wir werden mit einer großen Fan-Mannschaft in Bremen auftreten, denn ein Derby ist immer etwas Besonderes."

Lehren aus tragischer Vergangenheit

Tragische Besonderheit hat auch ein Vorfall aus der Derby-Historie, an den sich Dieter Zeiffer erinnert: "Wir hatten bis Anfang der Achtzigerjahre eine Fanfreundschaft mit dem Fanclub 'Rothosen', trafen uns zweimal in der Sommerpause, um gegeneinander Fußball zu spielen. Aber das hat sich nach dem Tod von Adrian Maleika in eine andere Richtung entwickelt."

Adrian Maleika war der erste Fußball-Fan in Deutschland, der in einem Bundesliga-Stadion nach einer Schlägerei zu Tode kam - das war am 16. Oktober 1982. Ein schlimmes Erlebnis für beide Fanlager und den Fußball-Sport allgemein.

Die neue Generation ist sich der Verantwortung bewusst

"Dieses Geschehen ist natürlich immer noch präsent", erzählt René Koch nachdenklich. "Aber es ist heute eine ganz andere Fan-Generation, die den Fall Maleika nur aus Erzählungen kennt. Allerdings setzt sie sich damit auseinander und das muss sie auch." Die heutige Generation liefere fairen Support. Auf den Rängen solle es immer pro eigenen Verein ablaufen - "Das ist das Entscheidende."

Und dies gelingt seit vielen Jahren schon so gut, dass man sich als Fußball-Fan jeglicher Couleur einfach auf die emotionale aber letztlich immer faire und friedliche Atmosphäre eines Nordderbys freuen muss, auch wenn die "Zeit für spektakuläre Fanchoreografien leider einfach zu knapp ist", so Koch.

Der FC Bayern wird Meister, Hamburg und Bremen beide Vize

Selbstredend sehen beide Fanbeauftragten ihre Teams aber bereits im Leipziger Zentralstadion auflaufen. Beide tippen jeweils einen Sieg mit einem Tor Unterschied und wünschen sich für Samstag die Bayern als Finalgegner. "Mit denen haben wir wirklich noch eine Rechnung offen", wie René Koch lachend auf das Herzschlag-Saisonfinale 2001 verweist.

Was das Meisterschaftsrennen betrifft, geben sich beide Fansprecher im Gespräch mit bundesliga.de zurückhaltender, formulieren aber gerade dadurch identische Ziele: "Bayern ist Favorit. In Bremen wissen wir, wie lange eine Serie dauert, gerade, wenn man international spielt. Bremen ist aber die Mannschaft in Deutschland, die den Bayern am meisten Paroli bieten kann und wir wollen Zweiter werden", so Dieter Zeiffer.

"Bayern wird Meister werden", lautet auch die Prognose aus Hamburg. "Einen Platz besser abzuschließen als in der letzten Saison wäre für uns nicht schlecht", hofft René Koch und fügt nach kurzer Pause lachend an "und einen Platz vor Bremen zu stehen ist aus Hamburger Sicht natürlich wichtig!"

Michael Wollny


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