München - Andreas Brehme ist nicht nur Weltmeister, Deutscher und Italienischer Meister sowie UEFA-Pokal-Sieger, sondern war auch der letzte Trainer, der mit einer Bundesliga-Mannschaft sieben Siege zum Start schaffte - bis jetzt.

Denn mit dem 4:2 gegen 1899 Hoffenheim hat Mainz mit Thomas Tuchel diesen Rekord eingestellt. Im Interview mit bundesliga.de spricht Brehme über diese Serie, Meisterträume - und die Chancen von Bayern München und Borussia Dortmund.

bundesliga.de: Herr Brehme, der 1. FSV Mainz 05 hat Ihren Startrekord egalisiert. Wie ärgerlich ist es für Sie als FCKler, dass ausgerechnet der Südwestrivale so erfolgreich ist?

Andreas Brehme: Auch als Lauterer muss ich sagen: Die Mainzer spielen einen ganz hervorragenden Fußball und stehen völlig zu Recht auf Platz 1. Da muss ich Trainer Thomas Tuchel und der Mannschaft ein Riesen-Kompliment machen.

bundesliga.de: Wie war das damals bei Ihnen? Wurden schon Meisterträume wach?

Brehme: Als wir 2001/02 mit dem FCK die ersten sieben Spiele gewannen, sind die Spieler auf dem Teppich geblieben, die Fans waren allerdings euphorisch. Wenn man so einen Lauf hat, dann ist das ist in erster Linie Kopfsache. Man hat ein gesundes Selbstvertrauen, mit jedem Sieg wird das noch stärker. In Mainz freuen sich nun auch alle Anhänger, die träumen, na klar. Und träumen darf man. Wann haben die Fans in Mainz so etwas schon mal erlebt? Noch nie!

bundesliga.de: Sie haben 2002 am Ende trotzdem nur den 7. Platz erreicht.

Brehme: Für uns war vor acht Jahren schade, dass wir in der Rückrunde unheimlich viele Verletzungen hatten. Das konnten wir nicht verkraften. Wenn die Mainzer von einer solchen Misere verschont bleiben, dann können sie sich da oben international festsetzen.

bundesliga.de: Warum?

Brehme: Spieler und Trainer bleiben auf dem Boden der Tatsachen. Und die Mainzer spielen sehr attraktiven Fußball nach vorne, setzen den Gegner gleich unter Druck und zwingen ihn zu Fehlern.

bundesliga.de: Insgesamt sieht es nach einem Fünftel der Saison danach aus, als könne es eine verrückte Spielzeit werden.

Brehme: Ich gehe davon aus, dass sich die Tabelle normalisieren wird. Vor allem, wenn man sieht, welche guten Vereine da unten stehen. Stuttgart, Schalke, Bremen, Bayern, auch Wolfsburg, die man hochgejubelt hat, bei denen man dachte, dass die um die Meisterschaft kämpfen.

bundesliga.de: Wie groß schätzen Sie die Chancen der Bayern ein, trotz 13 Punkten Rückstand ganz nach oben zu kommen?

Brehme: Ich muss eindeutig sagen: Der FCB hat in der vergangenen Saison nur eine einzige hervorragende Halbserie gespielt, und weil die Bundesliga zu schlecht war, haben sie es noch geschafft, die Meisterschaft zu holen. Letztes Jahr war keine Mannschaft konstant, deswegen sind die Bayern noch Meister geworden mit diesem Rückstand.

bundesliga.de: Und in dieser Saison?

Brehme: Jetzt müssen sie aufpassen, richtig nachlegen, eine Serie starten. Denn ich glaube nicht, dass die Dortmunder einbrechen. Der BVB kann Meister werden. So, wie sie gegen die Bayern gespielt haben, gerade in der zweiten Halbzeit, ist mit ihnen zu rechnen.

Das Gespräch führte Peter Seiffert