Wo genau in "Brehms Tierleben" er nach Romelu Lukaku vom RSC Anderlecht suchen würde, dessen ist sich Marc Wilmots nicht sicher. Eines ist für den früheren Schalker aber klar: "Er ist ein Tier!"

Wilmots muss es wissen. Zum einen, weil er von den Schalker Fans selbst den Kosenamen "Kampfschwein" verpasst bekam. Vor allem aber, weil er Lukaku als Co-Trainer der belgischen Nationalmannschaft schon aus nächster Nähe begutachten konnte.

"Körperlich stark und trotzdem schnell"

1,92 Meter groß, 95 Kilogramm schwer - und erst 16 Jahre alt. Das sind die Eckdaten zu einem Stürmer, der vielfach schon als der neue Didier Drogba bezeichnet wird. "Lukaku ist körperlich sehr stark und trotzdem ist er sehr schnell in die Tiefe. Zudem hat er einen sehr guten Schuss mit links und ist kopfballstark", schwärmt Marc Wilmots im Gespräch mit bundesliga.de.

Im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League beim Hamburger SV ließ Lukaku seine Wucht und Torgefährlichkeit eine Halbzeit lang aufblitzen, die erfahrenen Joris Mathijsen und David Rozenhal hatten alle Hände voll zu tun, um den Jungspund in den Griff zu bekommen. Im Rückspiel am Donnerstag (ab 20:50 Uhr im Live-Ticker) ruhen die Hoffnungen der Anderlecht-Fans nach dem 1:3 aus dem Hinspiel deshalb vor allem auf Lukaku.

Die Top-Clubs stehen Schlange

Dem wurde das außerordentliche Talent schon vom Vater mitgegeben. Roger Lukaku war ebenfalls Fußballprofi, verdiente in Belgien und der Türkei sein Geld und spielte für die Nationalmannschaft seines Geburtslandes Zaire, das mittlerweile Demokratische Republik Kongo heißt. Einen Hype wie um seinen Sohn gab es um Lukaku senior allerdings nie.

Denn der Filius ist schon jetzt in aller Munde in Fußball-Europa. 17 Pflichtspieltore hat der in 33 Partien in dieser Saison schon erzielt, erst am Wochenende sorgte er beim 2:0-Erfolg des RSC gegen KRC Genk wieder für das wichtige 1:0 kurz nach der Pause.

Kein Wunder, dass die Scouts von Europas Top-Clubs bei Spielen des souveränen Tabellenführers der belgischen Jupiler Liga ganze Sitzreihen einnehmen. Chelsea, Real Madrid, AC und Inter Mailand - kaum ein Großkopferter der Branche soll nicht an Juwel Lukaku interessiert sein.

Lob von höchster Stelle

Der Spieler selbst, dessen Marktwert mittlerweile schon auf zehn Millionen Euro taxiert wird, betont aber, dass er Anderlecht nicht bevor er 20 Jahre alt sei verlassen wolle. "Das ist ein ganz netter Junge, er will lernen und man merkt, dass er immer hundert Prozent gibt. Anderlecht ist im Moment die perfekte Station für ihn", stellt Marc Wimots fest und kennt auch den Grund für die Bodenständigkeit des Supertalents: "Die Familie legt großen Wert darauf, dass er beide Füße auf dem Boden behält."

Das könnte auf Dauer aber etwas schwierig werden, wenn sogar lebende Stürmer-Legenden wie HSV-Star Ruud van Nistelrooy Lukaku in höchsten Tönen loben. "Er ist eines der größten Talente in Europa, vielleicht sogar in der ganzen Welt", sagt van Nistelrooy, der selbst lange Zeit als der weltbeste Stürmer galt.

Schon jetzt ein Vollstrecker

Und eine Fähigkeit, die van Nistelrooy schon immer auszeichnete, ist auch dem noch nicht einmal halb so alten Lukaku gegeben: Die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. "Wenn du ihn im Strafraum an den Ball kommen lässt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er ihn auch reinmacht", berichtet Marc Wilmots schmunzelnd.

Wird Lukaku nur ansatzweise die Karriere hinlegen, die Wilmots und viele andere im prophezeien, muss er den Namen des jungen Helden gar nicht erst in "Brehms Tierleben" suchen - sondern einfach in den Fußball-Geschichtsbüchern.


Matthias Becker