Kaiserslautern - Das 2:2 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und 1899 Hoffenheim im Fritz-Walter-Stadion war ein mitreißendes Spiel, das viele Geschichten schrieb: Auch die von Gylfi Sigurdsson, der mit seiner ersten Ballberührung den späten Ausgleich für Hoffenheim erzielte.

"You take the ball!" Frei übersetzt heißt das: "Schieß du!" Nicht mehr und nicht weniger gab Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick Gylfi Sigurdsson auf Englisch vor dessen Einwechslung in der 77. Minute mit auf den Weg. Es stand 2:1 für die Lauterer, ein Freistoß aus halblinker Position stand an, 20 Meter vor dem Tor.

Der Ball liegt perfekt

"Eine optimale Position für einen Rechtsfuß", fand Rangnick. Nur 23 Sekunden später zappelte der Ball im Lauterer Netz. Sigurdsson hatte geschossen, FCK-Torwart Tobias Sippel den Ball auch wegen der vier zusätzlichen Hoffenheimer in der Mauer nicht gesehen. So hatten die Badener in der Pfalz doch noch den Ausgleich geschafft. "Auch wegen seiner Freistöße haben wir ihn ja geholt", erklärte Rangnick hinterher zufrieden.

Erst vor zwei Wochen war der offensive Mittelfeldspieler vom FC Reading nach Hoffenheim gekommen. Der 21 Jahre alte Isländer war schon mit 17 Jahren nach England gewechselt. Bei ihren Beobachtungen überzeugte der schnelle Offensivspieler die Hoffenheimer, mittlerweile absolvierte er auch zwei A-Nationalmannschaftseinsätze für Island.

Guter Tipp von Rangnick junior

Der Hinweis kam übrigens von Rangnicks Sohn Kevin, der als Schüler in England Sigurdsson hat spielen sehen. Der Mann aus Reykjavik debütierte in der Bundesliga beim 2:0-Sieg vor einer Woche gegen Schalke und war nach seiner kuriosen Torpremiere für Hoffenheim in Lautern erstmal "happy". Noch kann er nur ein paar Worte Deutsch, aber er verspricht, die Sprache schnell zu lernen.

Als Freistoßspezialist hat er sich auf der Insel und in den isländischen Auswahlmannschaften aller Alterklassen längst einen Namen gemacht. Im August machte auch die deutsche U-21-Nationalmannschaft beim 1:4 in der EM-Qualifikation gegen Island Bekanntschaft mit dieser Qualität, Sigurdsson war unter den Torschützen. Der Isländer glaubt, im deutschen Fußball seine Stärken noch besser einbringen zu können. Obwohl die dramatische Partie auf dem Betzenberg ein "hartes Spiel vor unglaublichem Publikum" gewesen sei, sei das Spiel in Deutschland "technischer" als in England - das Spiel auf der Insel dagegen vielleicht noch "leidenschaftlicher".

Sigurdsson bleibt bescheiden

Erst wenn er genug Deutsch spreche und er sich auf dem Platz anständig unterhalten könne, könne er vielleicht von Anfang an spielen, meint Sigurdsson bescheiden. In der Offensive kann der Isländer alle Positionen bekleiden, mit seiner Schnelligkeit und seiner fixen Auffassungsgabe passt er zur variablen Spielweise der Hoffenheimer.

"Gylfi ist ein torgefährlicher, offensiver Mittelfeldspieler, bei dem wir noch sehr großes Entwicklungspotenzial sehen", sagt Hoffenheims Manager Ernst Tanner über die Neuerwerbung: "Er ist groß, robust, technisch gut, beidfüßig und hat einen sehr guten Torabschluss." Vier Jahre läuft der Vertrag des Talents in Hoffenheim. Jetzt freut er sich erstmal auf das Spiel gegen Bayern, sagt er. Man darf dem jungen Mann durchaus zutrauen, schon in der ersten Elf zu stehen, bevor er fließend Deutsch spricht.

Tobias Schächter