Mit Werder Bremen stand er im UEFA-Cup-Finale und bejubelte in Berlin den DFB-Pokal-Sieg. Dennoch war die vergangene Spielzeit für Clemens Fritz eine durchwachsene Angelegenheit. Nun sehnt er den Beginn der neuen Saison herbei, in der alles besser werden soll.

"Der Urlaub kam zum falschen Zeitpunkt, ich hätte gern durchgespielt", sagt Clemens Fritz, bevor sein offenes Lachen sein Gesicht überzieht. Denn natürlich kam auch ihm nach der Marathon-Saison und dem Pokalfinale die Entspannung ganz recht.

Späte Leichtigkeit

Was er aber vermitteln wollte, war Folgendes: Nach einer für ihn persönlich lange unbefriedigenden Saison kam er zum Ende hin immer besser in Tritt. "Die Leichtigkeit war wieder da, ich konnte wieder die Wege machen", beschreibt er. Von der durchwachsenen Phase zuvor spricht er genau so offen.

Muskuläre Probleme hätten ihn behindert, das Vertrauen in den Körper sei abhanden gekommen, in den entscheidenden Momenten sei er dadurch vielleicht etwas gehemmt gewesen: "Damit beschäftigst du dich, das nimmst du mit nach Hause. Eigentlich denke ich nicht negativ, aber wenn es länger nicht gut läuft, macht man sich schon Gedanken…"

Nachwehen der EM

Es waren die Nachwirkungen der EURO 2008, die er einfach nicht los wurde. Die Vorbereitung war mit drei Wochen sehr kurz gewesen. "Dabei brauchst du ja erst mal eine Woche zum Runterkommen, gerade nach der EURO hat das lange gedauert."

Es stellte sich leider heraus, dass diese Zeit insgesamt zu kurz war. In diesem Jahr ist das anders: "Ich bin viel entspannter. In vier Wochen Urlaub kann man sich sehr gut erholen. Am Ende habe ich mich wirklich gefreut, dass es wieder los geht." Den Urlaub hat er mit einer Italien-Rundreise verbracht und damit, auf Ibiza in der Sonne zu liegen.

Grundlagen schaffen auf Norderney

Das ist vorbei, inzwischen warten in der Sonne von Norderney unangenehmere Aufgaben. "Ich bin nicht gern hier, aber die Einheiten sind eben gerade für mich und für meine Position sehr wichtig. Ich bin unheimlich abhängig von meiner Physis", sagt Fritz.

Doch nicht nur das Grundlagentraining mit der Mannschaft hilft ihm, den Körper für eine neue möglichst lange Saison zu stärken. Wegen seiner "Problemzone" Leiste arbeitet er darüber hinaus ständig und auch in der fußballfreien Zeit an der Stabilisierung und Präparierung von Leisten, Adduktoren und Bauchmuskeln.

Ziel: Südafrika

Mit allen Mitteln arbeitet Clemens Fritz also darauf hin, eine bessere Saison zu spielen als letztes Jahr. Denn nicht zuletzt 2010 steht ja auch ein Weltturnier auf dem Plan. "In meinem Kalender noch nicht, aber ich kann es jederzeit eintragen", schmunzelt der Thüringer.

"Natürlich ist die WM ein Ziel für mich, mit guten Leistungen bei Werder will ich mich anbieten." Der Bundestrainer hat im Frühjahr mit ihm gesprochen, ihm Zeit gegeben, wieder richtig fit zu werden, ihm versichert, dass er weiter zur Mannschaft gehöre. Fritz zieht den logischen Schluss: "Wenn ich meine Leistungen bringe wie in der Zeit vor den muskulären Problemen, dann bin ich dabei!"

Zurück zu den Champions

Vorher soll es aber auch mit Werder voran gehen. "Der Anspruch von Werder ist, ganz oben dabei zu sein. Das Ziel ist wieder die Champions League, denn es ist wirklich schade, nach fünf Jahren nicht mehr dabei zu sein."

Dafür muss die Leistung in der Liga aber viel besser werden: "Manchmal hat vielleicht die Frische etwas gefehlt, manchmal wurde der Gegner vielleicht auch etwas unterschätzt. All das sollte uns jedenfalls eine Warnung sein."

Selbst braucht Clemens Fritz keine Warnungen mehr. Er ist sich der Lage der Dinge absolut bewusst. Gefragt nach der Konkurrenzsituation auf seiner Position, sagt er: "Ich mache mir keine Gedanken um andere, sondern mache mir den Druck selbst. Auf meinem Merkzettel für die kommende Saison steht vor allem eines: konstant spielen!"