Köln - 19 Tore hat Tobias Werner für den FC Augsburg in der Bundesliga erzielt. Damit ist der Mittelfeldspieler Rekordtorschütze des FCA in der Bundesliga, mit seinem Doppelpack gegen den SC Paderborn hat er Sascha Mölders überflügelt.

Tobias Werner wird der Rekord möglicherweise gar nicht so viel bedeuten. Nach der Partie gegen den SC Paderborn wollte er weder seine zwei Treffer und den Assist zum dritten Tor, noch seine gesamte Leistung zu hoch ansiedeln. "Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass wir gewonnen haben. Ob das eine meiner besten Leistungen war, sollen andere beurteilen", sagt der bescheidene Werner nach seinem ersten Doppelpack in der Bundesliga. Die Zahlen sprechen freilich dafür, dass Werner eines seiner besten Spiele gemacht hat. Erstmals war er an drei Toren beteiligt.

Kopfballungeheuer mit 1,77 Metern

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Insgesamt machte Werner in dieser Spielzeit vier Tore, drei davon per Kopf. "Dass ich schon ab und zu mal ein Kopfballtor gemacht habe, ist bekannt", sagt Werner. "Ich bin für meine Größe schon recht gut mit dem Kopf. Aber wenn die Flanken so gut kommen, ist es für mich als Stürmer auch nicht  mehr so schwer, die Bälle reinzumachen." Auch hier klingt wieder durch, dass Werner immer den Beitrag der gesamten Mannschaft über seinen eigenen stellt.

In einem Interview mit eurosport.com antwortet er auf die Frage nach persönlichen Saisonzielen nur, dass er gerne sein 100. Bundesliga-Spiel machen wolle. "Mir ist es als Führungsspieler des FCA wichtig, dass wir uns weiter entwickeln, dass wir so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben, dann ist es eine gelungene Saison, auch wenn ich nicht an die Quote vom letzten Jahr herankomme", sagt Werner weiter.

Leistungsträger beim FCA

Die Quote des letzten Jahres liegt bei neun Toren und neun Vorlagen. Tobias Werner ist eine der wichtigsten Säulen im Spiel der Augsburger. "Tobias Werner hat das Spiel mit seinen Aktionen entschieden", adelt Trainer Markus Weinzierl seinen Top-Torjäger. "Die Mannschaft lebt von solchen Typen wie Tobi Werner."

Dass er ausgerechnet seinem Freund, SCP-Torhüter Lukas Kruse zwei Tore eingeschenkt hat, ist Werner schon fast unangenehm. "Der Fußball ist kurios und schreibt manchmal solche Geschichten. Fast hundert Spiele habe ich Zeit gehabt, einen Doppelpack zu machen. Und dann kommt der beste Freund um die Ecke, und es gelingt in diesem Spiel", sagt Werner. Nach dem Spiel war Kruse mit seiner Familie Gast bei den Werners. Die Freundschaft bedeutet beiden viel.

Bodenständiger Typ im Bundesliga-Geschäft

Enge Freundschaften über die Rivalität hinaus, Bodenständigkeit, Bescheidenheit, keine Extravaganzen – Tobias Werner ist ein angenehm ruhiger Vertreter seiner Zunft. Die unabsichtliche Schuh-Attacke gegen Wolfsburgs Kevin de Bruyne am 7. Spieltag war ihm sehr unangenehm. Das mediale Interesse danach beinahe noch mehr. Auch die sonst häufig hochgesteckten persönlichen Zukunftspläne sucht man bei Werner vergeblich. "Erst einmal will ich natürlich gesund bleiben, solange wie möglich Fußball spielen", sagt er bei eurosport.com

Bis 2017 läuft der Vertrag zwischen Werner und dem FC Augsburg noch. Danach wird wohl keiner weitere Station mehr folgen. "Ich kann mir nicht vorstellen, noch einmal einen großen Sprung woanders hinzumachen, weil ich dem FCA viel zu verdanken habe und mich hier sehr wohl fühle", sagt Werner. Für die Zeit nach seiner Karriere kann sich der gebürtige Thüringer vorstellen, Grundschullehramt zu studieren. Und er will weitere Kinder in die Welt setzen. Die Familie ist ihm definitiv wichtiger, als Torrekorde.

Sebastian Stenzel