Leverkusen - Trainer Robin Dutt hat bei Bayer Leverkusen einen schweren Stand. Der Nachfolger des beliebten und erfolgreichen Jupp Heynckes wechselt in nahezu jedem Spiel das System und das Personal. Das sorgt für Unruhe. "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wir haben trotz Doppelbelastung durch die Champions League in der Bundesliga nur drei Punkte Rückstand auf Platz zwei", kontert Bayers Sportdirektor Rudi Völler im "Express" die Angriffe auf seinen Coach.

Vor dem schwierigen Spiel in der "Königsklasse" am Mittwoch gegen den FC Valencia (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) räumt Völler aber auch ein, dass beim Vizemeister in dieser Spielzeit noch nicht alles rund läuft, will dies aber noch nicht überbewerten.

"Mit Bayer einen Titel holen"

"Es holpert noch. Aber schauen sie sich Dortmund an: Auch da läuft nicht alles perfekt. Es braucht noch etwas Zeit, bis alles greift", sagt der frühere DFB-Teamchef, der auch die kritischen Stimmen aus der Mannschaft nicht zu hoch hängen will. "Das gab es auch unter Jupp Heynckes. Es wird immer unzufriedene Spieler geben", sagt Völler und stellt dann unmissverständlich klar: "Wir zweifeln keine Sekunde an Robin Dutt. Ich habe selten einen Trainer erlebt, der sich so viele Gedanken macht."

Dutt selbst war darum bemüht, einige Dinge zurechtzurücken. "Wenn eine Mannschaft keinen Bock auf den Trainer hat, dann läuft sie keine 120 Kilometer pro Spiel", sagte der ehemalige Freiburger und bemühte die Statistik, um das intakte Verhältnis zwischen ihm und der Mannschaft zu unterstreichen. Zudem stellte Dutt klar, dass der Verein sich bewusst für ihn entschieden habe. "Der Club wollte eine Veränderung, um einen Titel zu holen. Deshalb ist nicht der Typ Heynckes auf Heynckes gefolgt, sondern der Typ Dutt auf Heynckes", erklärte Dutt und fügte kämpferisch hinzu: "Auch wenn es am Anfang noch nicht so läuft, wie wir uns das erhofft haben, bleibt es mein Ziel, mit Bayer einen Titel zu holen."

Sechs-Punkte-Spiel gegen Valencia

Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft ist völlig in Ordnung", behauptete auch Ömer Toprak, der bereits beim SC Freiburg unter Dutt gearbeitet hat. Gonzalo Castro, der trotz seiner Rot-Sperre in der Bundesliga gegen die Spanier spielen wird, wies darauf hin, dass Dutt in sehr große Fußstapfen getreten sei. "Heynckes hatte zu jedem einzelnen Spieler einen sehr guten Draht und zudem auch sehr großen Erfolg mit dieser Mannschaft. Da ist es logisch, dass es jeder Nachfolger erst einmal nicht ganz leicht hat. Ich bin aber überzeugt, dass wir alle gemeinsam auf einem sehr guten Weg sind und schon bald ähnliche Erfolge feiern können", sagte der Defensivallrounder.

Dass gegen Valencia für den Vizemeister schon eine Menge auf dem Spiel steht, ist aber allen unter dem Bayer-Kreuz bewusst. Denn mit einem Sieg gegen den Tabellen-Vierten der Primera Division könnte Leverkusen den zweiten Platz in der Gruppe E zementieren und somit einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen.

Schlechte Bilanz gegen spanische Teams

"Wir haben die große Chance, uns mit einem Sieg eine richtig gute Ausgangslage zu verschaffen - wir müssen auf Sieg spielen", sagte Andre Schürrle und Lars Bender betonte: "Gegenüber dem Spiel in Gladbach müssen wir jetzt zwei Schippen drauflegen."

Zudem will Bayer im ersten Kräftemessen mit Valencia seine schwarze Serie gegen spanische Clubs beenden. Leverkusen gewann keines seiner vergangenen sieben Duelle gegen ein spanisches Team. Der letzte Sieg datiert aus der Champions-League-Saison 2004/05, als Real Madrid in der Gruppenphase 3:0 bezwungen wurde.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Leverkusen: Leno - Balitsch, Reinartz, Toprak, Kadlec - Rolfes, L. Bender - Castro, Sam - Kießling, Derdiyok

Valencia: Diego Alves - Bruno, Rami, Victor Ruiz, Jordi Alba - Albelda, Topal - Pablo Hernandez, Canales, Mathieu - Soldado

Schiedsrichter: Craig Thomson (Schottland)