In der Bundesliga hat Stefan Kießling derzeit einen Lauf, nur im Aktuellen Sportstudio des ZDF musste sich der Torjäger von Bayer Leverkusen einem sieben Jahre alten Knirps geschlagen geben.

An der Torwand zog der Nationalstürmer mit 1:3 den Kürzeren, nachdem er beim 3:2 (1:0)-Erfolg beim Deutschen Meister VfL Wolfsburg auch im fünften Spiel in Folge erfolgreich war.

So bleibt der Bart, den sich der Ex-Nürnberger aus Aberglaube seit Beginn seiner Torserie hat stehen lassen, weiter dran: "Er soll ruhig weiter wachsen."

"Einer, der Tore gönnt"

Mit einem Treffer in der 58. Minute stellte Kießling das Ergebnis zwischenzeitlich auf 3:0. Bayer-Sportchef Rudi Völler zollte dem Blondschopf großes Lob. "Er ist ein Stürmer, der für die Mannschaft arbeitet, er läuft viel, legt den Mitspielern die Bälle auf. Und er ist einer, der seinem Sturmpartner die Tore gönnt, das ist enorm wichtig."

Dass Kießling trotz seiner starken Vorstellungen in der Bundesliga in den ersten fünf Spielen dennoch von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die Nationalmannschaft berücksichtigt wurde, war zwar ein kleiner Rückschlag, der aber den Bayer-Stürmer nicht umwirft.

Nationalmannschaft lässt auf sich warten

"Jogi Löw hat sicher selbst mit sich gerungen, ob er Kießling nicht doch dazu nimmt. Aber er hat weiter die Chance, auf den Zug aufzuspringen, wenn er so weitermacht", sagte der Ex-DFB-Teamchef im DSF-Doppelpass.

Mit 13 von 15 möglichen Punkten sind die Leverkusener auch dank Kießling glänzend aus den Startlöchern gekommen. Der monatelange Ausfall von Torjäger Patrick Helmes (Kreuzbandriss) konnte bislang glänzend kompensiert werden. Trainer Jupp Heynckes gelang es bislang auch, die mannschaftliche Harmonie bei Bayer zu stärken. Nationaltorwart Rene Adler sprach nach dem Wolfsburg-Spiel von einem "Sieg der Moral".

"Ende der Woche herbeigesehnt"

Trotz Tabellenplatz zwei und punktgleich mit Spitzenreiter Hamburger SV heben die Bayer-Verantwortlichen nicht ab. "Wir gehen sehr realistisch damit um", sagte Völler. Denn Bayern München sei die beste Mannschaft.

Interessant ist jedoch, dass die Trainer der drei Spitzenteams Hamburg (Bruno Labbadia), Leverkusen (Heynckes) und Frankfurt (Michael Skibbe) die letzten Coaches von Bayer waren bzw. sind.

Dem neuen Chefcoach Heynckes war indes nicht entgangen, dass seine Mannschaft nach der 3:0-Führung in Wolfsburg durch den "Doppelpack" von Simon Rolfes (38./51., Foulelfmeter) und durch Kießling noch in Gefahr geriet. "Gerade in der Schlussphase waren die Spieler verständlicherweise sehr müde. Aber sie haben alles aus ihren Körpern herausgeholt", sagte der erfahrene Coach.

Bei Adler war die Erschöpfung nach den Länderspielen gegen Südafrika und Aserbaidschan nach eigener Aussage nicht nur körperlich, sondern auch geistig eine mächtige Herausforderung: "Ich habe das Ende dieser harten Woche förmlich herbeigesehnt."