Ivica Olic wurde im Sommer lange Zeit als absoluter Außenseiter im Kampf um einen Platz in der Bayern-Startelf gesehen. Nun, knappe fünf Monate später, ist der 30-jährige Angreifer nicht mehr aus dem Team von Chef-Trainer Louis van Gaal wegzudenken. Nach dem Sieg in Turin ist Olic erneut der vielumjubelte Akteur: Der Mann, der den "Büchsenöffner" ansetzte und zur 2:1-Führung der Münchner einnetzte.

Nach der Partie im Stadio Olimpico staunte nicht nur Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge: "Unglaublich, was Olic heute weggelaufen hat." Der 65-malige kroatische Nationalspieler, der bereits vor seinem Wechsel nach Bayern im hohen Norden bei den HSV-Fans auf den Namen "Maschine" hörte, macht auch im Süden der Republik seinem "Kampfnamen" alle Ehre.

"Am Ende war der Duracell-Hase kaputt"

Ist es in einigen Stadien an der Tagesordnung, bei mangelndem Einsatz ihrer Mannschaft "Wir wollen euch kämpfen sehen" anzustimmen, so wird dieser Ruf im Zusammenhang mit Olic wohl nie zu hören sein. Denn er, der immer alles gibt und somit perfekt die Wünsche der Anhänger verkörpert, kämpft in jedem Spiel sprichwörtlich bis zum Umfallen. In den letzten zehn Minuten des "Endspiels" gegen die "Alte Dame" war es dieses Mal soweit. "Am Ende war der Duracell-Hase kaputt", witzelte Olic nach seiner Auswechslung in der 79. Minute.

Nach einer siebenwöchigen Verletzungspause wegen eines Muskelbündelrisses in der Wade kehrte Olic erst vor zweieinhalb Wochen ins Team zurück und zeigt seitdem absolute Top-Leistungen. Mit ihm sind die Bayern in den vergangenen fünf Partien ungeschlagen und haben in der Champions League den Sprung ins Achtelfinale und in der Bundesliga den Anschluss an die Tabellenspitze geschafft.

"Das war sicher mein bestes Spiel für eine Vereinsmannschaft", sprudelte es aus Olic am Dienstagabend hervor. Gegen Juve traf der Kroate erst per Kopf den Pfosten, holte anschließend den Elfmeter zum wichtigen 1:1 heraus, erzielte dann das noch wichtigere 2:1, das die Bayern endgültig auf die Siegerstraße brachte und die Turiner in das "Tal der Tränen" stürzte. Aber die nächsten Ziele hat er bereits vor Augen: "Ich hoffe, dass wir so weiter machen und nächstes Jahr in der Champions League noch mehr Grund zum Feiern haben werden. Die ganze Welt hat dieses Spiel verfolgt und gesehen, dass der FC Bayern noch guten Fußball spielen kann."

Wichtig in der Liga, unverzichtbar in der "Königsklasse"

Auch sein Trainer Louis van Gaal stellte zufrieden fest: "Er gibt immer 100 Prozent." Mit Olic an Bord sind seine Bayern zudem deutlich torgefährlicher - in den elf Bundesliga-Partien mit dem Kroaten schossen die Mannen von der Säbener Straße im Schnitt 1,7 Treffer, ohne ihn waren es nur 1,3 Tore pro Spiel. "Es gibt nicht viele Spieler wie ihn, er kann mit seinem Geist die Mannschaft mitreißen", lobt van Gaal.

In der Champions League war sein Einsatz für die Münchner noch wertvoller als in der Liga: Bezeichnenderweise verloren die Münchner genau die beiden Spiele, jeweils gegen Bordeaux, in denen der Kroate fehlte. In den letztlich entscheidenden Partien gegen Haifa und in Turin war er dann aber wieder zur Stelle und brachte den FCB mit seinen Toren jeweils in Führung. Insgesamt kommt Olic damit bisher auf drei Tore und zwei Assists in der Liga (bei elf Einsätzen) sowie auf zwei Treffer in der "Königsklasse" (in vier Spielen). Im Pokal kam er (bisher) noch nicht zum Einsatz.

Bundesliga-Debüt mit 19 Jahren

Olic hat in seiner bisherigen Karriere allerdings auch schon andere Zeiten erlebt. So kam er bereits vor elf Jahren zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. Der damals 19-Jährige feierte für Hertha BSC am 1. November 1998 im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg seine Premiere. Allerdings kam er unter Hertha-Trainer Jürgen Röber nur zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga und wechselte bereits ein Jahr später wieder nach Kroatien. Voller Enttäuschung.

Zurück in seiner Heimat nahm die Karriere von Olic allerdings richtig Fahrt auf: Zuerst wurde er 2003 mit Dinamo Zagreb kroatischer Meister. Anschließend bestritt Olic 78 Partien für ZSKA Moskau und errang während dieser Zeit drei russische Meistertitel. Zudem holte er mit den Russen 2005 den UEFA-Cup. Im Januar 2007 kehrte Olic nach Deutschland zurück. In Hamburg entwickelte er sich zum Publikumsliebling und wechselte im vergangenen Sommer schließlich ablösefrei nach München.

Viele Beobachter sagten dem Außenseiter, der nicht einen Euro Ablöse gekostet hatte, einen schweren Stand in der von Stars gespickten Offensivabteilung des FCB voraus. Diese "Propheten" hat der nimmermüde "Duracell-Hase" spätestens jetzt widerlegt.

Sebastian Bisch