Natürlich war es Oliver Kahn, der mal wieder gegen den Strom schwamm und sich nicht an die vorgegebene Tendenz halten wollte, sondern seinen eigenen Weg ging, eigene Spuren hinterlassen wollte.

Tendenziell fällt der Apfel in der Bundesliga nämlich doch recht weit vom Stamm. Die Karrieren der Fußball-Väter überstrahlten in der Vergangenheit die der aufstrebenden Söhne und stellten die Bemühungen des Nachwuchses in den Schatten.

Die nächste Generation startet durch

Zugegeben, Rolf Kahn hinterließ in seiner Bundesliga-Karriere nicht gerade überdimensionale Fußstapfen. Der Vater des späteren Welttorhüters bestritt in der Bundesliga-Gründungssaison überschaubare zehn Spiele für den Karlsruher SC.

Der Name Kahn sorgte im deutschen Fußball dann auch erst mehr als drei Jahrzehnte später für Furore, als Oliver seinen Weg vom Karlsruher SC zu den Münchner Bayern fand und dort eine beispiellose Karriere in die Erfolgsspur gelenkt wurde.

Während Kahn junior im Toreverhindern zur lebenden Legende wurde, kann der Senior lediglich auf einen Bundesligatreffer zurückblicken: Im Mai 1964 traf er per Kopf gegen Eintracht Frankfurt.

Auf Bum-Kun folgt Du-Ri

Einige Jahre später machte sich mit Bum-Kun Cha der erste Bundesliga-Koreaner bei eben dieser Frankfurter Eintracht einen Namen, an dem der Sohn später gemessen werden würde. Der Vater gewann mit den Hessen 1980 den UEFA-Pokal, wiederholte diese Leistung Jahre später mit Bayer Leverkusen. Zudem holte er 1981 mit der Eintracht den DFB-Pokal auf den Römer.

Als Sohnemann Du-Ri 2006 ebenfalls mit der Eintracht im DFB-Pokalfinale gegen die Münchner Bayern stand, wurden selbstredend Erinnerungen wach. "Ich habe meinen Vater dafür bewundert und nun habe ich die Chance, selbst den Cup zu holen", erklärte der Junior damals. Sein Vater tat alles, um den Druck von den Schultern des Filius zu nehmen: "Mein Vater hat mir gesagt, ich soll den Tag genießen und Spaß haben."

Du-Ri sollte der Spaß allerdings schnell vergehen, der Traum vom Pokalsieg zerplatzen. Im Pokalfinale wurde er nicht eingesetzt und dazu holten auch noch die Bayern den Pott nach München.

Der Sohn des "Kaisers"

Beim Rekordmeister hat der männliche Nachwuchs verdienter Väter natürlich einen ganz besonders schweren Stand. Als Sohn einer Lichtgestalt selbst ins Rampenlicht zu treten - ein Himmelfahrtskommando.

Seinen frühen Wechsel vom FCB zum Rivalen TSV 1860 begründete er später mit den Worten: "Ich konnte meinen Vater nicht mehr sehen!" So kam Stefan Beckenbauer bei einem kurzen Karriereversuch lediglich zu zwölf Bundesligaeinsätzen beim FC Saarbrücken.

Dort begann kurz nach dem Millenium auch die Karriere von Dino Toppmöller. "Ich bin stolz auf diesen Namen", hatte der Sohn von Klaus Toppmöller einmal in einem Interview erklärt. "Mein Vater hat viel geleistet. Für mich liegt die Herausforderung darin, ob ich später sagen kann: Ich konnte ihm das Wasser reichen." Konnte er nicht.

Dem Vergleich entfliehen und eigene Wege gehen

Gescheitert ist der Junior allerdings höchstens an den eigenen Ansprüchen. Das neue Jahrtausend brachte zwar keine neue Rivenicher Lichtgestalt hervor. Immerhin aber erzielte Dino in 128 Zweitliga-Einsätzen 20 Tore - neben Saarbrücken auch für Bochum, Frankfurt, Aue, Offenbach und Augsburg.

Die schwere Last eines großen Namens müssen auch in der Zukunft die Söhne namhafter Bundesliga-Veteranen tragen. Ein Du-Ri Cha hat sich mittlerweile freigeschwommen, von der Last befreit. Wie Michael Kadlec in Leverkusen hat er sich einen eigenen Namen gemacht, indem er sich davon löste, den Erfolgen des Vaters nachzustreben.

Du-Ri gilt als fleißiger Spieler. Und in der neuen Saison wird er nach seiner Karrierestation in Koblenz nun wieder mit dem SC Freiburg erstklassigen Fußball spielen können. Die zweite Generation aus namhaftem Elternhaus könnte sich einfach mal 007 als Vorbild nehmen - gemeint: die Betonung der eigenen Persönlichkeit.

Gestatten, Riedle. Alessandro Riedle

Dies wäre auch ein Denkanstoß für Alessandro Riedle. Das 17-jährige Talent kommt von den Grasshoppers Zürich und unterschrieb beim VfB Stuttgart einen Profi-Vertrag. Horst Heldt ist allerdings klug genug, nicht umgehend einen Vergleich zum großen Vater "Kalle" "Air" Riedle herzustellen und mit entsprechenden Erwartungen zu verbinden.

"Ich freue mich, dass er und sein Vater sich für den VfB entschieden haben", erklärte der Sportdirektor ganz sachlich. "Der Junge verfügt über großes Potenzial. Und ich bin sicher, dass er sich bei uns sehr gut entwickeln wird."

Heldt erwartet sich keinen Karl-Heinz-Klon, sondern erhofft sich eine Entwicklung des individuellen Alessandro-Potenzials. Schließlich kennt man auch im Schwabenland das Sprichwort: "Wer in die Fußstapfen anderer tritt hinterlässt keine eigenen Spuren..."

Michael Wollny