Die pure Freude: Die Hoffenheimer Vedad Ibisevic, Tobias Weis, Carlos Eduardo und Demba Ba (v.l.)
Die pure Freude: Die Hoffenheimer Vedad Ibisevic, Tobias Weis, Carlos Eduardo und Demba Ba (v.l.)
Bundesliga

Der 1899-Express rollt wieder

Wer nach der dritten Saisonniederlage von 1899 Hoffenheim, dem 0:1 in Berlin, mit einem Einbruch des Bundesliga-Neulings gerechnet hatte, wurde am 13. Spieltag umgehend eines Besseren belehrt.

Mit dem 3:2-Sieg gegen den VfL Wolfsburg meldete sich Hoffenheim unverzüglich zurück und steht weiterhin auf Platz 2 der Tabelle - nach wie vor nur wegen des etwas schlechteren Torverhältnisses gegenüber Tabellführer Bayer Leverkusen.

Das Zusammenspiel klappt

Beeindruckend war wieder einmal vor allem die unbekümmerte Spielweise der Kraichgauer, deren Offensivkraft auch gegen die "Wölfe" den Unterschied machte.

"Wir passen zusammen, kennen unsere Laufwege richtig gut und unterstützen einander", sagt Vedad Ibisevic im Gespräch mit bundesliga.de. Der Bosnier ist in der Hoffenheimer Angriffsformation der nominell wichtigste Faktor und kommt durch sein 1:0 (22.) gegen den VfL auf nun 14 Saisontore.

Regisseur Carlos Eduardo mit einem traumhaften Freistoß zum 2:1 (37.) und Chinedu Obasi (69.) zum 3:2-Endstand erzielten die weiteren Treffer.

"Gewusst, dass wir nachlegen können"

Auch die Rückschläge in Form der Wolfsburger Gegentore durch Grafite (27.) und Edin Dzeko (40.) steckte das Team von Ralf Rangnick locker weg und vertraute auf die eigenen Stärken.

"Eigentlich war ich mir die ganze Zeit sicher, dass wir gewinnen", so Ibisevic. Das gleiche Selbstbewusstsein legt auch sein Kollege Sejad Salihovic gegenüber bundesliga.de an den Tag: "Wir haben verdient gewonnen, weil wir über die gesamten 90 Minuten die bessere Mannschaft waren."

Glaubt man seinem erstmals für die deutsche Nationalmannschaft berufenen Mannschaftskameraden Tobias Weis, kommen den Hoffenheimern trotz knapper Zwischenstände keine Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit. "Zur Halbzeit stand es 2:2, aber wir haben uns gesagt, dass überhaupt nichts passiert ist. Wir haben gewusst, dass wir nachlegen können, das hat man dann auch gesehen", so Weis zu bundesliga.de.

Salihovic mit "positiver Wut"

An diesem "Nachlegen" war wiederum Salihovic mit seiner Vorarbeit für Obasi selbst maßgeblich beteiligt, nachdem er die ersten 66 Minuten in Mannheim auf der Bank verbringen musste.

"Ich hatte natürlich ein bisschen Wut im Bauch, aber das war positive Wut. Ich wollte meine Leistung bringen und alles geben, wenn ich reinkomme. Dass ich die Vorlage gegeben habe, ist nebensächlich", gibt sich der 24-Jährige bescheiden.

Ihm war es viel wichtiger, "dass wir wieder zuhause gewonnen haben und vor eigenem Publikum wieder ein sehr gutes Spiel gezeigt haben". Mit 19 Zählern im "heimischen" Carl-Benz-Stadion - die neue Arena in Sinsheim wird erst zur Rückrunde fertig - steht Hoffenheim in der Heimtabelle sogar auf Rang 1.

Wolsburger Auswärtsschwäche hält an

Die Qualitäten der Gastgeber musste auch Wolfsburgs Trainer Felix Magath eingestehen: "Uns - mit mir als Verantwortlichem - ist es nicht gelungen, Hoffenheim zu stoppen."

Dabei hatte er der gegnerischen Offensive extra eine Fünfer-Abwehrkette entgegengestellt. Auch Zvjezdan Misimovic war mit dieser Absicherung nicht zufrieden. "Wir haben vielleicht doch ein bisschen zu ängstlich gespielt", gab der Spielmacher zu.

Und so wartet Wolfsburg auch nach dem siebten Versuch weiterhin auf ein Erfolgserlebnis in der Fremde.

Im Mauern meisterlich

Auf Hoffenheimer Seite blieben in taktischer Hinsicht keine Fragen offen. Einzig die nach dem Ziel des "1899-Expresses" scheint ungeklärt.

"Wir wollen in den nächsten vier Spielen so viele Punkte wie möglich hamstern. Nur das ist wichtig", erklärt Rangnick. Diese Einstellung haben auch seine Profis verinnerlicht. "Keine Ahnung, wo das hinführt. Die letzten Aufgaben mit Bayern und Schalke werden sehr schwer, wir müssen weiter hart arbeiten", mauert auch Salihovic.

Der "inofizielle Titel" der Herbstmeisterschaft ist nicht das erklärte Ziel seines Trainers, Rangnick kann sich auch mit der aktuellen Position sehr gut anfreunden: "Wenn die Tabelle nach der Hinrunde so wie jetzt aussieht, habe ich kein Problem damit."

Tim Tonner