Köln - Es ist wie vernagelt. Nach dem 0:0-Unentschieden gegen den 1. FSV Mainz 05 wartet der 1. FC Köln nun schon seit 350 Minuten auf ein Heimtor. Trotzdem überwog bei den Domstädtern die Zufriedenheit. Denn der FC hat nun nach 13 Spieltagen bereits so viele Punkte auf dem Konto wie im Vorjahr zu Weihnachten.

"Die Leistung war in Ordnung, ein Zähler ist okay. Wir sind mit 19 Punkten auf Kurs", zog FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke nach dem Remis gegen Mainz kurz und knapp sein Fazit. In einem Spiel auf überschaubarem Niveau waren die Kölner die aktivere Mannschaft, Einsatz und Spielanlage stimmten, nur die Durchschlagskraft ist der Abteilung Attacke in den letzten Heimspielen abhanden gekommen.

Ein Punkt ist besser als keiner

Seit nun schon fast sechs Stunden wartet die Geißbockelf auf einen Treffer vor eigenem Publikum. Gegen Mainz vergaben Philipp Hosiner und Anthony Modeste die beiden besten Kölner Torchancen. Abwehrchef Dominic Maroh ahnte schon früh, dass es vorne kein Durchkommen geben würde. "Und wenn man kein Tor schießt, muss man den Punkt mitnehmen und darf nicht ins offene Messer zu laufen", meinte der Derbyheld von Leverkusen pragmatisch.

Ein Punkt ist schließlich besser als keiner, das hatte der FC schon in der vergangenen Saison verinnerlicht und das ist auch in dieser Spielzeit Programm. Die Kölner haben sich im gehobenen Mittelfeld der Bundesliga etabliert. Das ist im zweiten Jahr nach dem Aufstieg bereits eine beachtliche Leistung. Die Mannschaft hat spielerische Fortschritte gemacht, auch wenn er nun im vierten Heimspiel in Folge gegen einen Gegner ähnlicher Güteklasse kein Dreier gelingen wollte. Überhaupt hat der FC in sieben Heimspielen nur fünfmal geknipst, auswärts dagegen bereits zehnmal.

"In der Entwicklung auf richtig gutem Weg"

"Ich kann der Mannschaft aber keinen Vorwurf machen, außer dass wir vorne einfach die Dinger machen müssen", meinte Innenverteidiger Dominique Heintz nach der Nullnummer gegen Mainz. "Uns fehlt die letzte Konsequenz, vorne das Ding mit aller Wucht reinzuknallen." Anthony Modeste wartet seit fünf Spielen auf ein Erfolgserlebnis, sein Sturmpartner Philipp Hosiner konnte sich zuletzt nicht nachdrücklich für weitere Einsätze in der Startformation empfehlen. Er vertrat den inzwischen wiedergenesenen Simon Zoller eher glücklos.

Peter Stöger konnte mit der Chancenverwertung seiner Truppe nicht zufrieden sein, wohl aber mit dem großen Ganzen. "Von der Spielanlage und dem Engagement her hat das gestimmt und in vielen Bereichen gut funktioniert", analysierte der Österreicher die 90 Minuten gegen Mainz. "Wenn Gegner wie Mainz und Hoffenheim hier mit einem Punkt zufrieden sind, zeigt das, dass wir in unserer Entwicklung auf dem richtigen Weg sind."

Kommenden Freitag gegen Darmstadt

Die Kölner haben sich in der oberen Tabellehälfte etabliert, sie stehen auf Platz 8 und haben 19 Punkte auf dem Konto (zur Tabelle). "Das ist absolut okay", findet FC-Keeper Timo Horn. "Wir spielen bisher eine sehr gute Saison und hatten hier und da ein bisschen Pech. Wir haben aber auch Gegner wie Leverkusen oder Schalke geschlagen, was uns auch keiner zughetraut hätte."

Gegen die Topmannschaften, die selbst agieren und den Weg zum Tor suchen, tut sich der Effzeh leichter als gegen defensiv eingestellte Gegner. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Gegen Wolfsburg, Mönchengladbach, Schalke und Leverkusen holten die Domstädter zehn ihrer 19 Punkte. Insofern wird die nächste Aufgabe beim Aufsteiger SV Darmstadt 98 am kommenden Freitag durchaus eine größere Herausforderung. Denn die Lilien sind nicht dafür bekannt, den offenen Schlagabtausch zu suchen.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski