Hoffenheim - Er ist eine der ganz großen Überraschungen der bisherigen Saison. Obwohl gerade einmal 19 Jahre alt, hat sich Dennis Geiger in wenigen Profi-Einsätzen nahezu unverzichtbar gemacht im Mittelfeld der TSG Hoffenheim.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Geiger über große Glücksgefühle, überraschendes Selbstvertrauen und die zuletzt wechselhaften Leistungen seiner Mannschaft.

bundesliga.de: Herr Geiger, seit Beginn dieser Saison dürfen Sie sich als vollwertiger Bundesliga-Profi verstehen. War dieser Karriereschritt zwangsläufig, oder gab es parallel auch andere Pläne?

Dennis Geiger: Um ehrlich zu sein, wollte ich immer nur Fußballprofi werden. Von klein auf waren es mein Ziel und mein größter Traum, als Profi in der Bundesliga zu spielen. Dieser Traum ist nun in Erfüllung gegangen. Und darüber könnte ich nicht glücklicher sein.

bundesliga.de: Mitte September haben Sie beim Heimsieg gegen den FC Schalke 04 gleich Ihr erstes Bundesliga-Tor erzielt: Was ist in diesem Moment mit Ihnen passiert?

Geiger: In diesem Augenblick habe ich ein riesengroßes Glücksgefühl verspürt. Wirklich reflektieren konnte ich das aber nicht, schließlich waren gerade einmal 13 Minuten gespielt, und ich wollte auf gar keinen Fall meine Konzentration auf meine Aufgabe verlieren. Richtig begriffen habe ich deshalb erst in den Stunden und Tagen nach dem Spiel, was wirklich geschehen ist. Für mich gibt es nicht sehr viele Dinge, die schöner sind als ein Bundesliga-Tor zu schießen, noch dazu, wenn es das erste ist.

"Ich weiß, was ich kann, und bin nicht sonderlich nervös vor einem Spiel"

bundesliga.de: Sie sind einer der zwei, drei notenbesten Spieler Ihres Teams. Woher nimmt einer, der noch nicht einmal ein ganzes Dutzend Bundesliga-Spiele vorweisen kann, dieses enorme Selbstvertrauen?

Geiger: Ich glaube, meine Stärke ist, dass ich einfach nur Fußball spielen will und mir über alles andere, was mit meiner Karriere zusammenhängen könnte, nicht so viele Gedanken mache. Ich weiß, was ich kann, und bin nicht sonderlich nervös vor einem Spiel.

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bundesliga.de: Sagt sich leicht, aber wie verhindert man tatsächlich, dass solche Gedanken aufkommen?

Geiger: Irgendwelche Rituale, wie sie manche Spieler vor einem Spiel pflegen, habe ich nicht. Ich gehe einfach raus auf den Platz und versuche über die 90 Minuten mein Bestes für die Mannschaft zu geben. Dass ich dabei sehr unbeschwert bin, liegt sicher auch am großen Vertrauen, das man mir entgegenbringt.

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bundesliga.de: Sie sind im neunten Jahr in Hoffenheim, so dass Trainer Julian Nagelsmann Sie bereits viele Jahre kennt. Welche Rolle hat er bei Ihrer Entwicklung gespielt?

Geiger: Der Trainer hat großen Anteil an meiner Entwicklung. Ich glaube kaum, dass ich bei jedem Trainer sofort die Chance bekommen hätte, zu spielen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und versuche selbstverständlich dem Vertrauen, das er mir schenkt, mit guten Leistungen gerecht zu werden. Das funktioniert bis dato auch ganz ordentlich. Ich weiß aber, dass ich noch mehr kann und mich noch weiterentwickeln muss.

bundesliga.de: Wo sehen Sie Ihre fußballerischen Stärken?

Geiger: Ich bin ruhig am Ball und versuche, verschiedene Spielsituationen schnell zu lesen. Und läuferisch bin ich wohl auch ganz gut. Aber ich bin noch längst nicht am Ziel angekommen.

bundesliga.de: In welchen Bereichen müssen Sie zulegen?

Geiger: Da ist noch einiges zu tun. Gerade, wenn ich unter Druck den Ball habe, gilt es die eine oder andere Situation besser aufzulösen. Beim Offensivspiel muss der entscheidende Pass besser kommen, und für Defensiv-Aufgaben muss ich körperlich noch zulegen.

bundesliga.de: Nicht nur für einen Jungprofi, der im Mittelfeld zwischen der Sechser- und Achterposition wechselt, sind die zwei Treffer, die Sie in Ihren nur zehn Einsätzen bereits erzielt haben, ebenfalls aller Ehren wert...

Geiger: Mein Abschluss ist ganz in Ordnung. Aber gerade, wenn ich auf der Achterposition spiele, muss ich noch häufiger in die torgefährlichen Räume kommen als es bisher der Fall war. Vielleicht muss ich mir diesbezüglich noch ein wenig mehr zutrauen und den Abschluss selbst suchen, statt unbedingt den tödlichen Pass spielen zu wollen.

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bundesliga.de: So gut es für Sie persönlich läuft, so wechselhaft ist in den vergangenen Wochen die Formkurve der gesamten Mannschaft. Woran liegt das?

Geiger: Das soll keine Ausrede sein, aber unsere Verletzungssorgen waren phasenweise schon extrem. Wir mussten einerseits mit der für uns neuen, zusätzlichen Belastung durch die Europa League zurechtkommen, konnten wegen der vielen Verletzten andererseits aber kaum rotieren. Wir müssen nun einfach wieder fest an unsere Stärken glauben, die wir gerade zu Beginn der Saison ja bereits gezeigt haben.

Im zentralen Mittelfeld wirft sich Geiger in jeden Zweikampf - am Boden und in der Luft
Im zentralen Mittelfeld wirft sich Geiger in jeden Zweikampf - am Boden und in der Luft © gettyimages / Alexander Scheuber

bundesliga.de: Ihr Teamkollege Andrej Kramaric hört "die Alarmglocken läuten", und der Trainer glaubt sogar, "dass nicht jeder Einzelne alles dafür tut, dass man gewinnt!" Hat sich die Mannschaft in den vergangenen Wochen zu sehr auf ihr fußballerisches Können verlassen, Einsatzwillen und Kampf aber vernachlässigt?

Geiger: Für die Mannschaft war die vergangene Saison überragend. Wir wissen also, dass wir guten Fußball spielen können. Bloß müssen wir den wieder auf den Platz bringen. In den vergangenen Spielen ist uns das nicht immer gelungen, so dass wir nur wenig Punkte geholt haben. Das muss sich schnell ändern, wir müssen jetzt unbedingt wieder punkten.

bundesliga.de: Muss man aktuell von einer kleinen Krise sprechen, oder ist Krise der falsche Begriff, wenn man lediglich wegen ein paar weniger geschossenen Toren nicht auf einem Europapokalrang steht?

Geiger: Na ja, wir können kaum darum herumreden, dass wir von den vergangenen zwölf Spielen lediglich zwei gewinnen konnten. Da muss man zumindest von einer Ergebniskrise sprechen. Trotzdem wäre es falsch, jetzt völlig schwarz zu sehen, denn selbst in den vergangenen Wochen war nicht alles schlecht.

"Die Spielminuten, die ich bekomme, will ich nutzen und möglichst viele gute Spiele zeigen"

bundesliga.de: Wie sieht nun Ihre persönliche Zielsetzung für die kommenden Wochen aus?

Geiger: Ich will in jedem Training Gas geben und mich schnell weiterentwickeln. Und die Spielminuten, die ich bekomme, will ich nutzen und möglichst viele gute Spiele zeigen. Viel weiter möchte ich aktuell noch gar nicht denken.

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bundesliga.de: Ist die U21-Nationalmannschaft, bei der Sie Anfang November verletzungsbedingt Ihr mögliches Debüt verpasst haben, kein Thema?

Geiger: Doch, auf jeden Fall! Es ehrt mich sehr, dass ich eingeladen wurde, und ich würde mich riesig freuen, wenn mich Trainer Stefan Kuntz im kommenden März erneut einlädt.

Das Gespräch führte Andreas Kötter