Berlin - Während die angereisten Wolfsburg-Fans ihre Mannschaft frenetisch feierten, herrschte in Berlin in der Ostkurve eisiges Schweigen. Kein Massen-Exodus nach dem Treffer zum endgültigen K.o. durch Patrick Helmes in der 81. Minute, keine Pfiffe... Tief saß der Schock nach der der Saison.

Und das nicht nur bei den Anhängern. Stur geradeaus blickend oder mit gesenkten Köpfen schlichen die Profis in die Kabine. Interview-Wünsche wurden ignoriert, so wie von Änis Ben-Hatira, der mit den Tränen kämpfte. Das sei keine geplante Maßnahme gewesen, stellte Otto Rehhagel klar, konnte seine Spieler aber verstehen: "Manchmal ist es besser, wenn man nichts sagt."

Fortschritte nicht zu übersehen



Nach dem überraschenden wollten die Berliner gegen das auswärtsschwächste Team der Saison einen weiteren Schritt Richtung Klassenerhalt machen, zumal die Niedersachsen gern gesehene Gäste sind in der Hauptstadt. Von 18 Duellen haben die Berliner elf gewonnen. Nur zwei Mal konnten die "Wölfe" mit einem Sieg in der Tasche die Heimreise antreten.

Fortschritte im Spiel der Herthaner seit Amtsantritt von Otto Rehhagel waren nicht zu übersehen. Folgerichtig brachte Levan Kobiashvili die Gastgeber bereits nach 13 Minuten in Führung.

"Die Enttäuschung ist groß"



Im weiteren Spielverlauf mussten die Berliner aber feststellen, dass es im Fußball vieles gibt, aber keine Gerechtigkeit. Ein Eigentor von Christoph Janker zum 1:2 brachte die Gastgeber auf die Verliererstraße und bei fünf Großchancen für die Hertha nach Wiederanpfiff fand der Ball nicht den Weg ins Tor.

Das sollte sich rächen: Mario Mandzukic schloss den ersten Angriff der "Wölfe" in Minute 77 mit seinem elften Saisontreffer zum vorentscheidenden 3:1 ab. "Die Enttäuschung ist groß", resümierte Rehhagel. "Wir werden die nächsten Tage damit verbringen, uns wieder aufzubauen. Dabei werde ich meine Worte sehr sorgfältig wählen müssen."

"Keine Schuldzuweisungen"



"Es darf keine Schuldzuweisungen geben", erklärte der 73-Jährige auf Nachfrage. Denn: "Wir haben wirklich gut gespielt. Wir müssen nur unsere Chancen konsequenter nutzen." Und das macht dem Meistertrainer Mut: "Wir glauben an uns!"

Glaube allein wird den Berlinern in den noch ausstehenden sechs Partien nicht helfen. Am Samstag müssen die Hauptstädter zur Borussia nach Mönchengladbach, die im Zweikampf mit Schalke 04 um die direkte Champions-League-Qualifikation ebenso keine Punkte zu verschenken hat wie drei Tage später der SC Freiburg bei seinem Besuch zum Abstiegskampf im Olympiastadion.

Duell mit dem FCK am 32. Spieltag



In dieser Wellenbewegung geht es weiter: Nach dem Abstiegskonkurrenten aus dem Breisgau geht die Reise zu Bayer Leverkusen, das im Kampf um die Europa League jeden Zähler benötigt. Haben die Berliner Pech, dann haben auch die "Roten Teufel" aus Kaiserslautern am 32. Spieltag noch die Chance auf den Klassenerhalt und werden den Gastgebern das Leben schwer machen.

Am vorletzten Spieltag darf Hertha auf Schalke noch einmal Bundesliga-Höhenluft schnuppern. Für S04 geht es um die direkte Qualifikation für die Champions League. Erst am 34. und letzten Spieltag kommt mit Hoffenheim ein Team aus dem Mittelfeld der Tabelle an die Spree, das voraussichtlich aller Sorgen ledig sein dürfte und die Sache etwas ruhiger angehen lassen kann.

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs