Dortmund - Seine Mitspieler haben mit ihm jede Menge Spaß, seine Gegner dagegen sind eher der Verzweiflung nahe. Ousmane Dembele dreht bei Borussia Dortmund gerade wieder so richtig auf, dribbelte und schoss sich gegen Gladbach voll in den Fokus. Ein Sonderlob von Thomas Tuchel verdiente sich der 19-Jährige allerdings aus anderem Grund.

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Wenn man Ousmane Dembele nach dem Abpfiff im Interview erlebt, traut man seinen Augen und Ohren kaum. Da steht ein schüchterner junger Mann vor den Journalisten, fast schon ein bisschen nervös und unsicher, und beantwortet irgendwie ganz brav die Fragen nach seiner Leistung: "Ich bin sehr glücklich über mein Spiel, aber auch über die Leistung der Mannschaft. Nach der Niederlage in Frankfurt wollten wir beweisen, dass wir doch besser spielen können."

In den 90 Minuten zuvor auf dem Platz sah das ganz anders aus. Da erlebten die 81.360 Zuschauer gegen Borussia Mönchengladbach den anderen Dembele. Den selbstbewussten und technisch hoch veranlagten Spieler, der auf dem Rasen explodiert und mit seiner extrovertierten Spielweise den eigenen Fans den Kopf und den Gegnern die Beine verdreht. Der mit hohem Tempo seine Dribblings anzieht und im Idealfall ganz trocken abschließt. So wie in der 64. Minute, als der Franzose an der Strafraumgrenze Mahmoud Dahoud und Andreas Christensen austanzte und flach zum vorentscheidenden 3:1 abschloss.

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Zusammen mit Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus zauberte Dembele manches Sahnestück auf den Rasen und stellte einmal mehr unter Beweis, warum er schon vor dieser Saison von halb Europa gejagt wurde. Beim BVB hat sich der schlaksige Kerl seit dem Sommer auf Anhieb in die Herzen gedribbelt und dabei auch auf dem Weg zum Publikumsliebling den Turbogang eingelegt. Henrikh Mkhitaryan ist weg, Reus war verletzt, Andre Schürrle nicht fit – also beorderte Thomas Tuchel das Talent schon früher als erwartet in die Startelf – und Dembele lieferte ab, sprühte vor Spielwitz.

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Dass der hochtalentierte Kicker zwischenzeitlich aber manches Mal auf der Bank Platz nehmen musste, hatte auch seinen Grund. Denn bei allem Offensivdrang ließen Defensivverhalten und Positionsspiel viel Luft nach oben, boten nachlässiges Verteidigen und Ballverluste aufgrund unnötiger Dribblings Anlass zu Kritik. Aber Dembele ist einer, der an sich arbeiten will und der offen ist für alles, was sein Trainer ihm mit auf den Weg gibt. "Es gab Spiele, in denen ich nicht so gut war. Der Trainer hat mir das auch gesagt und wir haben darüber gesprochen. Ich wollte zeigen, dass ich es viel besser kann", erklärte er jetzt.

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Dass ihm das zu gelingen scheint, zeigten die letzten Spiele. Schon bei der Niederlage in Frankfurt war Dembele nach seiner Einwechslung das belebende Element auf dem Platz. Und gegen Gladbach lieferte er nun auch nach Überzeugung von Thomas Tuchel "eines seiner besten Spiele für den BVB" ab. Interessanter als das Lob selbst aber ist die Begründung des Dortmunder Trainers. Tuchel hob ihn deshalb so positiv hervor, "weil er sehr sorgfältig mit unserem Ballbesitz umgegangen ist und sehr aufmerksam mitverteidigt hat".

Der 19-Jährige scheint verinnerlicht zu haben, welche Art von Defensivarbeit im schwarz-gelben Kollektiv auch von einem Offensivspieler verlangt wird. Und er wirkt reifer, agiert zielgerichteter, geht nicht mehr so ungestüm in seine Tempodribblings. Dafür umso effektiver, wie gegen Gladbach nach 71 Minuten. Da umkurvte Dembele gleich drei Gegner, legte ab auf Reus, der wiederum mit der Hacke Aubemayang bediente – Tor. "Da haben wir uns fast blind verstanden", ließ der Youngster den Treffer nach der Partie Revue passieren. Dazu grinste er breit und ließ erahnen: So schüchtern und brav, wie er nach dem Spiel wirkt, ist dieser Dembele wirklich nicht.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte