Wolfsburg - Ausgerechnet am Freitag, den 13. vermeldete der VfL Wolfsburg seinen Neuzugang Nummer acht. Doch als schlechtes Omen dürfte der Unglückstag diesmal nicht herhalten. Denn Neuzugang Nummer acht ist der Königstransfer und soll in Wolfsburg möglichst schnell einschlagen.

Sein Name: Ricardo Rodriguez. Er kommt vom FC Zürich und soll die linke Abwehrseite bei den "Wölfen" übernehmen. Die Anlagen dazu hat der 19-Jährige, der schon sein Länderspieldebüt für die Schweiz gab, allemal. "Er hat einen guten Eindruck hinterlassen. Er ist ein junger Spieler. Man sieht, dass er hochmotiviert ist", kommentierte Wolfsburgs Routinier Hasan Salihamidzic gleich das erste Training mit seinem neuen Mannschaftskameraden in Dubai.

"In überraschend guter Kondition"

Auch Felix Magath hat der Neuankömmlig gleich beeindruckt. "Ich habe ihn am Morgen getestet, und es hat sich gezeigt, dass er in gutem Zustand ist", sagte der VfL-Cheftrainer einen Tag nach Rodriguez' Ankunft im Trainingslager am persischen Golf: "Er ist wirklich in einer überraschend guten Kondition." Dabei schien der Sohn eines Spaniers und einer Chilenin, die sich in der Schweiz kennengelernt hatten, im Kindesalter gar nicht für den Leistungssport prädestiniert. Er kam als Zwölfjähriger zum FC Zürich und wirkte "nicht ganz austrainiert", wie sich Ernst Graf, Leiter der dortigen Akademie, erinnerte. Er hätte auch pummelig sagen können.

Doch Graf, der schon unzählige Nachwuchsspieler durch das Ausbildungsprogramm des FC Zürich geschleust hat, lernte den Neuankömmling alsbald von einer anderen Seite kennen. "Einen Spieler wie ihn habe ich noch nie gesehen", sagt der Trainer. Es sind die technischen Anlagen und die Gelassenheit des Ricarco Rodriguez, die Graf so schwärmen lassen.

Mit Lobeshymnen überschüttet

Die "Neue Zürcher Zeitung" charakterisiert den Youngster als "einen Jungen, der schon wie ein Mann spielt, immer als Verteidiger. Nie war er etwas anderes, und nie wollte er etwas anderes sein." Das Boulevardblatt "Blick" ist sich sicher: "Rodriguez packts! Der Junge ist so unbekümmert, frech, talentiert, professionell, mental stark und ein derart brillanter Schütze von stehenden Bällen, dass er sich im Wolfsrudel einen Stammplatz ergattern wird." Und auch Ancillo Canepa, Vereinspräsident des FC Zürich stimmt in die Lobeshymnen ein: "Er begeht fast nie Fehler."

Die Abgeklärtheit ist das große Markenzeichen des Youngsters. Dany Ryser, seines Zeichens Rodriguez' Trainer im U-17-Nationalteam, kennzeichnet den ehemaligen Schützling als "unerschütterlich". "Nichts brachte ihn aus der Ruhe, keine grosse Kulisse, kein Gegner."

Die Vorschusslorbeeren hat sich Rodriguez nicht erst seit seinem beherzten Auftritt in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Bayern verdient. Beim 0:1 im Rückspiel (Hinspiel 0:2) war der 19-Jährige nach Ansicht der meisten Kommentatoren bester Spieler seiner Mannschaft, stand hinten sicher und startete einige gefährliche Aktionen über die linke Seite.

Magnin aus der Stammelf verdrängt

Seinen Stammlatz in Zürich hatte sich Rordriguez gegen den ehemaligen "Bundesligarecken" Ludovic Magnin erkämpft. "Mit ihm habe ich auch einen starken Konkurrenten auf der Position des linken Verteidigers gehabt", verrät Rodriguez auf der VfL-Website. "Ludovic war Stammspieler, ich musste trainieren und mich bei den Freundschaftsspielen zeigen. Ludovic hat mir damals auch viel geholfen. Aber letzten Endes musste ich mir selbst helfen: durch Leistung. Ich habe immer in jedem Training probiert, alles zu geben. So habe ich meine Chance bekommen. Diese habe ich dann ausgenutzt und seitdem immer gespielt."

Jetzt will Rodriguez mit dem Wechsel von der vergleichsweise beschaulichen Schweizer Super League in die Bundesliga die nächste Gelegenheit am Schopfe packen. Dass er sein Glück bei den "Wölfen" sucht, liegt vermutlich an Magaths Beharrlichkeit. "Bei Wolfsburg hatte ich das Gefühl, dass man mich unbedingt will. Vielleicht mehr als andere Vereine. Zudem war die Bundesliga ein Traum von mir. Die Bundesliga ist geil", sagte Rodriguez in der "Blick". Daran dürfte bei Neuzugang Nummer acht auch ein vermeintlicher Unglückstag nichts ändern.

Johannes Fischer