Eigentlich begann die Geschichte des Leonardo de Deus Santos wie fast alle Geschichten von brasilianischen Fußballtalenten. Doch mittlerweile sind im Leben des hierzulande nur als Dede bekannten Kickers vom Zuckerhut einige überraschende Kapitel hinzugekommen.

Aufgewachsen ist Dede als zweiter von sechs Brüdern in einer Favela, einem der vielen Armenviertel, in der brasilianischen Metropole Belo Horizonte auf. Auch ihm gehorchte der Fußball schon von klein an. Mit vier Jahre begann Dede auf den Straßen zu zaubern.

Ab ins Ausland

Als er acht Jahre alt war, wurde der Club Atletico Mineiro auf ihn aufmerksam. Bis 1998 spielte Dede für den Verein, trainierte als Jugendlicher aber auch bei bis zu vier Clubs gleichzeitig. Unzählige Trainingseinheiten oder gar mehrere Spiele für verschiedene Mannschaften an einem Tag waren nichts Ungewöhnliches.

Wie alle talentierten Spieler seines Heimatlandes hatte auch Dede den Traum, eines Tages in Europa sein Geld zu verdienen. Dieser Tag kam im Sommer 1998. Der damals 20-Jährige unterschrieb bei Borussia Dortmund, dem gerade frisch gebackenen Weltpokalsieger.

Eine Liebesbeziehung

"Am Anfang war es sehr schwer für mich. Ein neues Land, weit weg von zu Hause", erinnerte sich Dede in einem Interview. "Als ich dann das erste Mal im Westfalenstadion aufgelaufen bin, habe ich sofort gespürt, dass das hier etwas Besonderes ist."

Der Außenverteidiger verliebte sich in den Verein, in die Stadt und die Region. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit und. "So wie die Zuschauer sich mit dem Verein identifizieren, so habe ich mich vom ersten Moment an auch mit Borussia Dortmund und den Fans identifiziert. Dieses Gefühl wurde mit jedem Spiel und jeder Saison stärker, es gab eigentlich nur Positives in Dortmund. Ich freue mich einfach, heute noch hier zu spielen."

So gar nicht brasilianisch

Dies ist für wahr etwas Besonderes. Aber Dede ist es eben auch. Er paart die typisch brasilianische Spielweise - technische Beschlagenheit, Ballgefühl und Eleganz - mit den Tugenden, die allgemein hin gern als "typisch deutsche" bezeichnet werden: Kampfgeist und Disziplin.

"Dadurch, dass ich mich angepasst habe und viel disziplinierter spiele, bin ich einfach ein besserer Spieler geworden", erklärte er. "Ich war auch in Brasilien bereits kein typisch brasilianischer Kicker. Taktisch habe ich in Deutschland natürlich noch viel gelernt und mich entwickelt."

Kein Heimweh

Seiner aggressiven Spielweise musste er schon oft Tribut zollen. Mehrfach warfen Verletzungen den Defensivspezialisten zurück. Doch immer wieder hat sich Dede zurückgekämpft. Er will einfach noch so lange wie möglich für den BVB spielen.

Dass er dabei mit großer Wahrscheinlichkeit den Rekord für die meisten Bundesliga-Spiele eines Ausländers brechen wird, interessiert den Mann, der das Team ganz klar vor das Ich stellt, wenig. Und wer weiß, vielleicht bleibt er den Borussen auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere treu. Denn "nach Brasilien will ich eigentlich gar nicht mehr zurück. Vielleicht später, wenn ich mal alt bin".

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