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Liverpool – Die 2500 mitgereisten Fans der TSG Hoffenheim wollten sich die Laune trotz der 2:4-Niederlage beim FC Liverpool nicht vermiesen lassen. "Europapokal, Europapokal" sangen sie nach dem Abpfiff minutenlang wie nach einem Sieg. Der Champions-League-Traum der Hoffenheimer ist Mittwochnacht zwar geplatzt, aber für die TSG und ihren Anhang geht es ja trotzdem weiter mit den Reisen in Europa. Am Freitag in Monaco werden die Gruppen für die Europa-League gezogen, an der der Tabellen-Vierte der letzten Bundesligasaison nach dem Aus in den Champions-League-Playoffs gegen Liverpool nun teilnehmen wird.

Und obwohl die Niederlage und das Aus sehr weh taten, erinnerte Mittelstürmer Sandro Wagner wie zum Trost sich und seine Kollegen noch einmal daran, welch großer Erfolg die Europapokalteilnahme der TSG doch ist: "Jetzt spielen wir Europa League, wenn uns das vor einem Jahr einer gesagt hätte, hätten wir das blind unterschrieben", sagte Wagner, der aber auch zugab: "Wir waren heute im Kollektiv einfach sch..! In der ersten Halbzeit haben wir uns gar nicht an den Plan gehalten."

Schon nach 21 Minuten war die angedachte Aufholjagd nach dem 1:2 im Hinspiel Makulatur: Es stand 0:3 und die Hoffenheimer waren gegen einen energischen Gegner überfordert und schienen einem Debakel entgegen zu taumeln. Dass das nicht eingetreten ist, lobte dann auch Liverpools Deutscher Trainer Jürgen Klopp, er sagte: "Respekt vor Hoffenheim, die nie aufgegeben haben, was bei einem 0:3 in Liverpool absolut verständlich gewesen wäre."

Liverpool eine Nummer zu groß für die TSG

TSG-Trainer Jürgen Nagelsmann reagierte nach dem frühen Rückstand mutig mit der Einwechslung des vierten Stürmers Mark Uth für Verteidiger Havard Nordtveit. Uth erzielte das 1:3 (28.) und Sandro Wagner noch das 2:4 (79.). Torwart Oliver Baumann war Hoffenheims bester Spieler und verhinderte mit mehreren Paraden ein höheres Ergebnis, er analysierte: "Wir waren vom Kopf her einen Tick zu langsam und haben zu wenig Zweikämpfe gewonnen. Dann war es schwierig bei dieser Kulisse und dieser Kontermannschaft zurückzukommen."

Zur Ehrenrettung der Hoffenheimer muss allerdings bemerkt werden: Gegen diese überragende Offensive der Reds mit den Hochgeschwindigkeitsstürmern Roberto Firmino, Sadio Mane und Mohamed Salah werden künftig noch viele andere Mannschaften überfordert sein. Das weiß auch TSG-Trainer Julian Nagelsmann, der die letzten 25 Minuten auf der Ersatzbank verbrachte, er erklärte: Irgendwann müsse man eben einsehen, dass der Gegner besser sei und ein Spiel entschieden. Rumfuchteln bringe dann nichts mehr, das entspräche auch nicht seinem Naturell.

Nagelsmann: "Das sollte Ansporn sein"

Aber Nagelsmann war dann ganz bei sich, als er sich und seinen Spielern nach dem Ausflug in die große Fußballwelt empfahl: "Das heute sollte Ansporn sein, sich zu entwickeln und irgendwann mit diesen Weltklassespielern mithalten zu können." Die Chance dazu haben sie nun in der Europa-League. Vielleicht, so Nagelsmann, sei es ja nicht schlecht, nun auf kleinerer Ebene "international reifen zu können", und auf Mannschaften zu treffen, die "gut zu uns passen".

An diesem Mittwoch an der berühmten Anfield Road aber war seine Mannschaft von allem nur beeindruckt: dem Stadion, dem Gegner, der Aufgabe. Es bleibt also dabei: In Liverpool hat noch nie eine deutsche Mannschaft gewonnen. Zerknirscht attestierte Nagelsmann seinen Spielern "Überemotionalität" und ein "total kopfloses Anrennen" mit "Stückwerk offensiv wie defensiv".

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Die großartige Atmosphäre im legendären Stadion wirkte offensichtlich einschüchternd auf seine Spieler, für den Trainer aber waren andere Dinge entscheidend, er meinte: "Wenn wir so auf dem Platz des FC Zuzenhausen gespielt hätten, hätten wir auch 4:2 verloren." In Zuzenhausen steht das Trainingszentrum der TSG, in das der Hoffenheimer Tross am Donnerstag nach der Lehrstunde in Liverpool zurückkehrt, um sich auf die Bundesligapartie am Samstag in Leverkusen vorzubereiten.

Aus Liverpool berichtet Tobias Schächter