Augsburg - Weshalb ausgerechnet Ostrzolek? Eine Frage, die im Umfeld immer wieder gestellt wurde, als der FC Augsburg vor wenigen Wochen die Verpflichtung des Bochumer Linksverteidigers bekannt gegeben hatte. Ein 21-Jähriger ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung als Heilsbringer im Abstiegskampf? Nein, das könne nicht sein.

Am Sinn dieser Personalie wurde heftig gezweifelt - bis Sonntag. Das belehrte die Kritiker eines besseren, und Manager Andreas Rettig konstatierte nach dem Abpfiff: "Jetzt wissen die Leute, warum wir Matthias Ostrzolek engagiert haben."

Rettung in höchster Not

Als Vertreter des schon nach acht Minuten verletzt ausgeschiedenen Marcel de Jong hatte der Neuzugang eine ordentliche Premiere gefeiert, den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit erbracht.

"Er hat seine Sache sehr gut gemacht", gab Trainer Jos Luhukay zu Protokoll und anschließend zu bedenken: "Es ist nicht einfach, wenn man so frühzeitig in die Bresche springen muss."

Zufrieden zog auch der Debütant selbst Bilanz. "Ich habe zunächst versucht, sicher zu stehen und keine Fehler zu machen", verriet der U-21-Nationalspieler, der unmittelbar vor dem Abpfiff von der linken auf die rechte Abwehrseite wechselte, um in höchster Not gegen den einschussbereiten Timothy Chandler zu klären.

Ostrzolek soll Lücke schließen

Dass er zum Nutznießer des de Jongschen Missgeschicks wurde, ließ ihn nicht unberührt: "Für Marcel tut es mir natürlich leid."

Bis zur Ostrzolek-Verpflichtung war die Position des linken Außenverteidigers die einzige nicht doppelt besetzte im FCA-Kader. Höchst problematisch, da das Verletzungspech ein ebenso unangenehmer wie hartnäckiger Begleiter de Jongs ist.

Die häufigen Ausfälle des Holländers mit dem kanadischen Pass forderten die Improvisationskünste von Trainer Lukukay. Dessen Dilemma: Schloss er die Lücke, tat sich in der Regel eine neue auf. Unter anderem wurden Rechtsverteidiger Paul Verhaegh und die Mittelfeldspieler Lorenzo Davids und Hajime Hosogai von ihren gewohnten Positionen abgezogen, um de Jong zu ersetzen.

De Jong fällt lange aus

Die Zeit der Notlösungen ist jetzt vorbei. Glücklicherweise, denn: Der kanadische Nationalspieler muss erneut längere Zeit aussetzen. Die Verletzung, die er gegen Nürnberg erlitt, wurde als Abriss des Syndesmosebands im linken Sprunggelenk diagnostiziert. Der unumgängliche chirurgische Eingriff wird eine rund zehnwöchige Pause nach sich ziehen.

Für Matthias Ostrzolek die Gelegenheit, in der Mannschaft Fuß zu fassen. Und damit in der Eliteklasse. "Mein Ehrgeiz war es, Bundesliga zu spielen. Deshalb musste ich nicht lange überlegen, ob ich zum FCA gehe oder nicht", nannte der gebürtige Bochumer den Beweggrund für seinen Wechsel vom VfL zum Aufsteiger.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Der Vertrag mit dem neuen Arbeitgeber ist bis 2015 datiert und an keine bestimmte Klasse gebunden, hat also auch im Fall des Abstiegs Gültigkeit. Doch zählt Ostrzolek zu den Positivdenkern. Nicht nur, weil er überzeugt davon ist, "dass wir die Klasse halten werden" und deshalb "keinen Gedanken an die 2. Bundesliga" verschwendet.

Auch in der Beurteilung des torlosen Unentschiedens gegen den "Club" dokumentierte sich seine optimistische Sichtweise. Während beispielsweise Teamkollege Sebastian Langkamp kritisch anmerkte, "dass ein Punkt in unserer Situation eigentlich zu wenig ist", hob Matthias Ostrzolek den positiven Effekt der Nullnummer hervor: "Wir haben auf unsere Mitkonkurrenten Freiburg, Kaiserslautern und Hertha BSC jeweils einen Zähler gut gemacht."

Aus Augsburg berichtet Reinhart Kruse