Bremen - Das Flugzeug steht auf dem Rollfeld in Antalya. Abflugbereit wartet die Crew darauf, den SV Werder Bremen zurück an die Weser zu fliegen, als Davie Selke und Theodor Gebre Selassie sich etwas über die Sitzbänke hinweg zurufen. Es geht um die Platzverteilung und wie immer feixen die beiden, lachen lauthals. Doch zur Verwunderung der mitgereisten Fans sprechen sie Tschechisch und nicht Deutsch. "Ich verstehe alles, aber ich kann nur Bruchstücke selbst sprechen", klärt Selke nach der Rückkehr im Interview mit WERDER.TV auf.

Die Väter der beiden kommen aus Äthiopien, mütterlicherseits sind sie tschechischer Abstammung. Eine Gemeinsamkeit, die sie ungemein verbindet. "Theo ist mein Lehrer, er versucht immer wieder mir Tschechisch beizubringen und gibt einfach nicht auf", scherzt der gebürtige Stuttgarter Selke. Im Interview ist der 19-Jährige gut gelaunt, doch er wirkt auch reflektiert. Selke hat in der Winterpause Zeit gefunden, seine ersten Schritte als Profi Revue passieren zu lassen.

Europameister und Hoffnungsträger

Seit ziemlich genau zwei Jahren trägt er inzwischen das Trikot des SV Werder. Für die grün-weiße U 19 und U 23 geholt, stieg er schnell zum Hoffnungsträger auf. In der Hinrunde gelang ihm dann der Durchbruch ins Profi-Team. Viermal knipste Selke in der Liga, einmal im Pokal. 16 Pflichtspieleinsätze stehen 2014/15 bereits zu Buche. "Damit hätte ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Das weiß ich sehr zu schätzen", sagt Selke beinahe demütig.

Im Sommer räumte er mit der deutschen U 19 den Europameistertitel ab, erzielte die meisten Treffer des Cups und war für viele die Entdeckung des Turniers. In der Folge rückte der mittlerweile 19-Jährige in den Fokus der Medien. "Es ist nicht einfach, damit klarzukommen, plötzlich Profi zu sein und seinen Wunschberuf auszuüben, seinen Traum zu leben", blickt Selke auf eine rasante Entwicklung seit dem Wechsel an die Weser zurück. Man müsse als junger Spieler erst lernen, "das einzuordnen, wenn man im Weser-Stadion vor 40.000 Leuten aufläuft. Das ist etwas ganz Großes. Es braucht seine Zeit, diese ersten Eindrücke zu sortieren und zu lernen, damit umzugehen."

"Das Positive am Job überwiegt"

Doch dem groß-gewachsenen Stürmer mit dem ausgeprägten Torriecher gefällt die Rolle, die er beim SVW einnimmt. "Ich bin sehr, sehr glücklich und genieße jeden Tag", so Selke. Da lässt sich gerade jetzt während der intensiven Rückrundenvorbereitung auch die ein oder andere knallharte Konditionseinheit mit Leichtigkeit überstehen. "Das Positive am Job überwiegt", schmunzelt er und erklärt: "Man darf immer wieder vor dieser atemberaubenden Kulisse spielen und das machen, was man schon immer wollte. Das lässt einen über die harten Tage gut hinwegkommen."