Wenn es ein scheinbar übermächtiger Gegner mit einem vermeintlich schwachen Kontrahenten zu tun bekommt, dann wird häufig vom biblischen Kampf zwischen David, einem Jüngling aus Betlehem, und Goliath, dem Riesen, gesprochen. bundesliga.de analysiert, wie die Davids im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen die fußballerische Konkurrenz bestehen können.

In zwei der vier anstehenden Partien sind die Rollen klar verteilt: Zweitligist Greuther Fürth versucht als erstes Team überhaupt den deutschen Rekordmeister und Rekord-DFB-Pokalsieger FC Bayern in der Münchener Allianz Arena aus dem Wettbewerb zu befördern (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker). Und Drittligist Osnabrück empfängt mit Schalke 04 den Tabellendritten der Bundesliga im Stadion an der Bremer Brücke (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker).

"Club di dilettanti elimina Trapattoni"

Als die Pokalsensation schlechthin ist immer noch das Duell zwischen der TSV Vestenbergsgreuth und Bayern München präsent - beim ersten Pflichtspiel von Trainer Giovanni Trapattoni am 14. August 1994 schlug der krasse Außenseiter die Bayern mit 1:0. Nach der Pokalpleite des italienischen Trainers unkten die Zeitungen, dass "Trap" nun drei deutsche Worte kenne: danke, bitte und Vestenbergsgreuth. Sogar der italienischen "Gazetta dello Sport" war dies eine Meldung auf der Titelseite wert: "Club di dilettanti elimina Trapattoni" ("Amateur-Club schaltet Trapattoni aus").

Aber auch in dieser Saison gab es wieder einige Überraschungen im Pokal zu bestaunen. In der 1. Runde warf beispielsweise der Nord-Regionalligist VfB Lübeck den Bundesliga-Aufsteiger Mainz 05 aus dem Pokal. Nach dem 1:2 nach Verlängerung wurde der Coach der Rheinhessen, Jörn Andersen, prompt durch A-Junioren-Trainer Thomas Tuchel ersetzt.

Norddeutsche Effektivität siegt

Der Underdog aus der Hansestadt ließ sich durch die frühe Führung der Gäste nicht verunsichern - 05-Verteidiger Niko Bungert traf nach 19 gespielten Minuten zum 1:0 - und glich in der 56. Minute durch Nico Schrum aus. Die Sensation perfekt machte schließlich Jakob Sachs, der in der fünften Minute der Verlängerung das umjubelte Siegtor erzielte.

Der Schlüssel zum Erfolg war für die Holsteiner ihre Effektivität. Obwohl das Team von Coach Peter Schubert in den Statistiken teilweise hoffnungslos unterlegen war, reichte es zum Erfolg. Da nutzte es den Gästen aus Rheinhessen wenig, dass sie sieben Ecken mehr hatten und, dass die gespielten Pässe deutlich häufiger beim gewünschten Adressaten ankamen, auch dass die Mainzer in knapp 80 der 120 gespielten Minuten in Ballbesitz waren, half da nicht.

Im Endeffekt zählte, dass von den drei Lübecker Schüssen, die aufs Tor der Mainzer kamen, zwei den Weg ins Netz fanden. In der 2. Runde reiste mit dem VfB Stuttgart erneut ein Bundesligist an die Ostsee, aber dieses Mal behielt der Favorit die Oberhand. Wenn auch nur knapp - die Schwaben setzten sich mit 3:1 nach Verlängerung gegen die Holsteiner durch.

Favoritensterben an der Bremer Brücke

Für Schalke wird die Aufgabe in Osnabrück alles andere als einfach: An der Bremer Brücke stürzten in dieser Saison nämlich schon der Hamburger SV und der Erzrivale der "Königsblauen", Borussia Dortmund. In der 1. Runde wurde zudem der Zweitligist Hansa Rostock mit einem 2:1-Heimsieg aus dem Pokal geworfen.

Bereits in der 2. Runde musste dann der HSV die Segel in der Stadt zwischen Münster und Bremen streichen. Nach 120 Minuten stand es 3:3, im Elfmeterschießen scheiterten schließlich die Hamburger Robert Tesche an VfL-Keeper Tino Berbig und Mladen Petric am Pfosten - alle vier Osnabrücker Schützen verwandelten und die Überraschung war perfekt!

In dieser Partie dominierte ebenfalls der Favorit das Spiel. Der Bundesligist hatte klare Vorteile in der Torschussbilanz (31 zu 16 Schüsse), der Passgenauigkeit (80 Prozent zu 58 Prozent) und im Ballbesitz (69 Prozent zu 31 Prozent). Doch die Niedersachsen hielten die Zweikampfbilanz am Ball ausgeglichen und brachten die Hanseaten durch drei eigene Treffer in Bedrängnis. Dazu kam das gewisse Quäntchen Glück im Elfmeterschießen und fertig war der Erfolg.

Auch Dortmund gibt gegen "David" klein bei

Im Achtelfinale reiste dann schließlich die Dortmunder Borussia an die Bremer Brücke - dieses Mal reichten dem Außenseiter beim 3:2-Sieg 90 Minuten.

Ebenso wie gegen Hamburg zeigte sich in der Partie gegen die "Schwarz-Gelben" das klassische Bild: Der "Goliath" hatte klare Vorteile in der Torschussbilanz (27 zu 7Schüsse), im Eckballverhältnis (9 zu 2 Ecken), in der Passgenauigkeit (82 Prozent zu 57 Prozent) und im Ballbesitz (69 Prozent zu 31 Prozent). Die Effektivität in Form der Chancenverwertung sprach allerdings klar für den "David" (43 Prozent zu 16 Prozent).

"Der Pokal hat seine eigenen Gesetze"

Und dies sind nicht die einzigen Vorzeichen, die dem Schalker Team von Trainer Felix Magath einen schwierigen Auftritt beim VfL prophezeien: Seit drei Jahren hat Osnabrück zuhause unter Flutlicht nicht verloren und von bislang drei Pokalduellen mit Schalke wurden zwei gewonnen. Dies ist auch Tobias Nickenig, einem Abwehrspieler der Niedersachsen, bekannt: "Wir spielen zuhause, wir spielen wieder unter Flutlicht und der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Das werden wir noch einmal beweisen."

In der Bibel gewinnt der Außenseiter David den ungleichen Kampf gegen Goliath dank seiner Steinschleuder. Diese wird wohl weder bei Fürth noch in Osnabrück zum Einsatz kommen, aber vielleicht ist die Zeit ja trotzdem reif für die nächste Pokalsensation und den nächsten Sieg Davids gegen Goliath.

Erschreckend für alle Bayern-Fans: Die Lizenzspielerabteilung von Vestenbergsgreuth trat kurz nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte übrigens zur SpVgg Fürth über. Der heutige Name lautet SpVgg Greuther Fürth...

Sebastian Bisch