Wolfsburg - Diego hat seine Kritiker auf eindrucksvolle Weise Lügen gestraft. Ist der Mittelfeldzauberer der Richtige für den Abstiegskampf? Kann der Ballartist beim Überlebenskampf im Tabellenkeller überhaupt helfen? Diese Fragen hatten die Sportgazetten landauf, landab vor dem 24. Spieltag provokant gestellt.

Beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach antwortete der 26-Jährige auf seine Weise: spektakulär und unwiderstehlich. Mit zwei Toren schoss der Brasilianer die "Wölfe" zum 2:1-Erfolg gegen die "Fohlen". Und das, obwohl er gleich in der Anfangsphase der Partie erneut vom Elfmeterpunkt gescheitert war.

Im bundesliga.de-Interview spricht er über turbulente 90 Minuten gegen Gladbach, einen Top-Neuzugang der Wolfsburger und seine persönliche Entwicklung.

bundesliga.de: Diego, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg gegen Gladbach. Haben Sie so ein Auf und Ab in einem Spiel schon einmal erlebt?

Diego: Es gab sicherlich Spiele, die vom Verlauf her aufregender waren, aber für mich persönlich war es das extremste Spiel. Der verschossene Elfmeter war so bitter, nicht weil es für mich schlecht aussah, sondern weil die Mannschaft dadurch eine große Chance verpasst hatte, in Führung zu gehen. Umso glücklicher bin ich, dass ich doch noch meinen Teil zum Sieg beitragen konnte.

bundesliga.de: Sie gaben die meisten Torschüsse ab, legten die meisten Torschüsse auf und hatten die meisten Ballkontakte. Wieso läuft's bei Ihnen persönlich aktuell so rund?

Diego: Ich denke, das ganze Team spielt mittlerweile besser als am Anfang der Saison. Dadurch profitiere ich auch. Der Trainer schenkt mir viel Vertrauen, das ist sehr wichtig für mich. Außerdem gibt mir die Geburt meines Sohnes Davi enorme Kraft.

bundesliga.de: Sie waren beim HSV-Spiel suspendiert. War das mitentscheidend für Ihren Aufschwung?

Diego: Ich hatte dadurch natürlich viel Zeit, zu trainieren, aber ich denke nicht, dass die Suspendierung einen entscheidenden Teil für meine verbesserte Form darstellt. Die gesamte Mannschaft und der Trainer unterstützen mich. Das ist entscheidend für mich.

bundesliga.de: Sind Sie jetzt endgültig beim VfL angekommen?

Diego: Meine Leistung auf dem Platz hat lange Zeit nicht so gestimmt, wie ich und auch andere sich das vorgestellt haben. Mittlerweile läuft es wieder gut, aber von Anfang an habe ich mich sehr wohl im Verein gefühlt.

bundesliga.de: Schon in Freiburg war ein deutlicher Aufwärtstrend beim VfL zu sehen. Wo liegen die Gründe dafür?

Diego: Die Mannschaft ist noch enger zusammen gerückt. Alle ziehen an einem Strang, damit wir uns so schnell wie möglich von den Abstiegsplätzen distanzieren können.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt Pierre Littbarski, Sie haben ihn nach der Partie gegen Gladbach besonders gelobt?

Diego: Man spürt, dass er uns allen vertraut und nur das Beste für Wolfsburg möchte. Er ist ein sehr guter Trainer und ich bin froh, dass er unsere Mannschaft trainiert.

bundesliga.de: In der Winterpause kamen gleich sechs neue Spieler zum VfL. Wie läuft es mit deren Integration?

Diego: Es geht jeden Tag besser. Wir alle versuchen, auf und neben dem Platz so viel möglich zu helfen, damit sie sich gut zurecht finden und der Mannschaft schnell helfen können. Das hat bisher sehr gut geklappt.

bundesliga.de: Ist Ihnen ein Neuzugang im Training bisher besonders positiv aufgefallen?

Diego: Patrick Helmes ist ein außergewöhnlicher Stürmer und ein toller Nachfolger für Edin Dzeko. Er ist immer in der Lage, ein Tor zu schießen - egal ob in der 1. oder in der 90. Minute. Patrick wird uns noch viel Freude bereiten. Aber auch die anderen bringen eine enorme Qualität mit in die Mannschaft.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag geht's nach Leverkusen. Was ist für den VfL beim Tabellenzweiten drin?

Diego: Leverkusen ist eine sehr starke Mannschaft, aber im Spiel gegen Bremen hat man gesehen, dass sie auch verwundbar sind. Wir müssen defensiv gut stehen, damit wir eine Chance haben. Ich denke, dass ein Punktgewinn auf jeden Fall drin ist.

bundesliga.de: Das Hinspiel gab der VfL nach einer 2:0-Führung noch aus der Hand und ging am Ende mit einer 2:3-Niederlage vom Platz. Inwiefern spornt das noch zusätzlich an?

Diego: Wir wollen uns für diese bittere Niederlage revanchieren. Eine Niederlage ist immer schlimm, aber wenn man eine Führung aus der Hand gibt, ist es noch bitterer.

bundesliga.de: Sie stehen aktuell auf dem 14. Tabellenplatz. Was ist in dieser Saison noch drin? Ein einstelliger Tabellenplatz, oder zählt nur noch der Klassenerhalt?

Diego: Im Moment zählt nur der Klassenerhalt. Wir müssen jetzt einfach genügend Punkte sammeln, damit wir frühzeitig aus der Gefahrenzone weg sind. Danach kann man sich vielleicht über neue Ziele unterhalten, aber das ist im Moment nur Zukunftsmusik.

bundesliga.de: Eine abschließende Frage: Gegen Gladbach war Ihr Sohn Daví mit Ihrer Frau Bruna Leticia erstmals im Stadion. Kommt er jetzt auch mit nach Leverkusen?

Diego: Obwohl Davi mir gegen Gladbach Glück gebracht hat, denke ich, dass er nicht mitkommen wird. Für ein so kleines Kind ist eine längere Fahrt immer eine Strapaze. Aber auch aus der Ferne gibt er mir natürlich Kraft.

Die Fragen stellte Sven Becker