Christoph Daum verlässt überraschend den 1. FC Köln. Damit verliert die Bundesliga eine ihrer schillernsten Trainerfiguren. bundesliga.de blickt auf Daums Karriere beim FC zurück.

Daum ist ein Coach, an dem sich die Geister scheiden. Kaum jemand versteht es, derart zu polarisieren.

Daums ganz spezielle Art

Unvergessen sein verbaler Schlagabtausch mit Uli Hoeneß im "Aktuellen Sportstudio" kurz vor dem Titelfinale der Saison 1988/89, nachdem Daum Bayern-Trainer Juppy Heynckes zuvor auf seine ganz eigene Art ungefragt ein "Persönlichkeitsprofil" erstellt hatte.

Heynckes könne auch Werbung für Schlaftabletten machen, zudem sei die Wetterkarte interessanter als ein Gespräch mit Heynckes.

Hoeneß las Daum all seine Verunglimpfungen vor, worauf der Kölner Trainer dem Bayern-Manager vorwarf, er wolle ihn im Meisterschaftsrennen nur "von meinem Weg abbringen. Aber das schaffst auch du nicht!" Hoeneß konterte umgehend: "Das muss ich auch gar nicht erst versuchen, denn am nächsten Donnerstag ist dein Weg zu Ende!" Die Bayern wurden am Ende Meister, vor Köln.

Daum kam, sah, sprach - und sagte nichts

Die Wege des Christoph Daum sind seit jeher so manches Mal schwer ergründlich gewesen. Verwundert blickte man im November 2006 nach Köln ins St. Elisabeth-Krankenhaus, wo der wohl prominenteste Patient mit "Kieferklemmen, Atemstörungen und Schluckbeschwerden" zur spontan initiierten Pressekonferenz geladen hatte.

Über 100 Journalisten und bis zu 20 Kameras erwarteten im Foyer des Krankenhauses nun ein Liebesbekenntnis zum 1. FC Köln, der "Messias" sollte den FC wieder aus der Zweitklassigkeit ins "Oberhaus" führen, wo er nach Kölner Selbstverständnis verflixt noch mal ja auch hingehört.

Und dann? Daum erklärte, halb verborgen hinter einem hübschen Strauß aus lila-gelb-schwarz-blauen Mikrofonen, dass er...naja...eben nicht Trainer des 1. FC Köln werden würde. Eine Pressekonferenz, um zu erklären, dass es nichts Neues zu erklären gab - Daum ging also wieder mal seinen ganz individuellen Weg, zumal er sich wenige Tage später dann natürlich doch umentschied und sich bei den "Geißböcken" auf den Trainerstuhl setzte.

Berger hat's geahnt

Dass er nun urplötzlich auf seiner Route wieder scharf abbiegt, kommt allerdings nicht für alle Experten unerwartet. Über Daums Verbleib beim 1. FC Köln wurde bereits nach dem Aufstieg 2008 orakelt - damals hielt er dem FC aber die Treue.

Doch bereits im Mai 2008 hatte Jörg Berger zu den Spekulationen erklärt: "Er hat oft Entscheidungen getroffen, die man nicht voraussehen konnte. Er ist mit dem Herzen Kölner, er hat seine Familie dort. Ich glaube aber, dass er seinen Blick noch Richtung Türkei hat."

Bergers Vermutung von damals scheint urplötzlich aktueller denn je zu sein.

Michael Wollny


Die Eckdaten zu Daums Zeit beim 1. FC Köln:

  • Erstmals war Daum von 1986 bis 1990 beim FC als Trainer tätig.

  • Nach dem 14. Spieltag der Saison 06/07 trat Daum das Kölner Traineramt zum zweiten Mal an. Daum übernahm die Kölner in der 2. Bundesliga 2006 auf Platz 8 stehend, nachdem nach elf Spieltagen Hanspeter Latour entlassen wurde (auf Platz 7 stehend, 4 S/ 3 U/ 4 N) und übergangsweise Holger Gehrke das Team drei Partien betreute (1 S/ 1 U/1 N).

  • Daum verlor seine ersten zwei Spiele und musste gar vier Spieltage auf seinen ersten Sieg warten. Unter Daum holte der FC in jener Saison noch sieben Siege, sechs Unentschieden und kassierte sieben Niederlagen.

  • Am Ende stand ein enttäuschender 9. Platz. In der Saison 07/08 führte Daum die Rheinländer dann wieder ins Oberhaus: Am 33. Spieltag wurde die Bundesliga-Rückkehr mit einem 2:0-Heimsieg gegen den Konkurrenten Mainz perfekt gemacht.

  • Nach zwölf Spieltagen standen die Kölner dann auf einem überraschenden 8. Platz und der Klassenerhalt schien in dieser Saison nur noch Formsache. Doch dann kamen vier Niederlagen in Folge und insgesamt zwölf Spieltage ohne Dreier.

  • Doch bedingt durch die Schwäche der anderen Abstiegskandidaten geriet der Kölner Klassenerhalt nie wirklich in Gefahr. Daums Bilanz in der 2. Bundesliga: 24 Siege, 15 Unentschieden und 15 Niederlagen. Die Bilanz seiner zweiten Ära beim FC in der Bundesliga: Elf Siege, sechs Unentschieden und 17 Niederlagen.