Wenn Steine sprechen könnten, hätten die Grundfesten des Bremer Weser-Stadions so manche Anekdote von denkwürdigen Europacup-Abenden zu erzählen.

Die Spielstätte, die 42.300 Zuschauern Platz bietet, gehört mit Sicherheit zu den schönsten Stadien im ganzen Land. Packende Europapokalspiele mit begeisternder Atmosphäre schufen den Mythos vom "Wunder von der Weser".

Unvergessen bei den Werder-Fans ist zum Beispiel das Rückspiel in der zweiten Runde des UEFA-Pokals aus der Saison 1987/88. Nach der 1:4-Hinspiel-Niederlage bei Spartak Moskau waren die Hanseaten eigentlich schon ausgeschieden.

Doch mit einer phänomenalen Aufholjagd glich Werder in der regulären Spielzeit mit 4:1 aus und sicherte sich durch das 6:2 nach Verlängerung den Einzug ins Achtelfinale.

Der ganze Stolz der Fans

Nur ein Jahr später erlebten die Bremer Anhänger im damaligen Europapokal der Landesmeister einen neunzigminütigen Sturmlauf der Werderaner im Rückspiel gegen BFC Dynamo Berlin. Ein 0:3 aus dem Hinspiel galt es aufzuholen, nach dem Schlusspfiff prangte ein sensationelles 5:0 auf der Anzeigentafel.

Kaum verwunderlich, dass die Fans daher ihrer Heimstätte auch mit einer Hymne huldigen: "Wo die Weser einen großen Bogen macht, wo das Weser-Stadion strahlt in neuer Pracht, wo man trägt die allerschönsten Spiele aus, da ist Werder Bremen, da sind wir zu Haus."

Lange Geschichte

Der Grundstein für das am Osterdeich gelegene "Wohnzimmer" der Grün-Weißen wurde bereits 1909 gelegt. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Bremen baute der Allgemeine Bremer Turn- und Sportverein den ersten Sportplatz mit Holztribüne.

Nach einem Um- und Neubau rund 17 Jahre später bekam die Sportanlage den Namen "BTS-Kampfbahn" und wurde nicht nur zur Fußball-Spielstätte, sondern auch zum Austragungsort für politische Massenveranstaltungen.

Von 1929 bis 1935 firmierte das Rund unter dem Namen "Weser-Stadion", bevor die Stadt Bremen die Anlage übernahm und in "Bremer Kampfbahn" umbenannte.

Schicke, umweltbewusste Fassade

Erst 1947 erhielt der von den Fans wegen seiner ausgezeichneten kulinarischen Angebote auch als "Fischbrötchen-Palast" bezeichnete Bau die Bezeichnung "Weser-Stadion" zurück und wurde mit der Partie um die Norddeutsche Meisterschaft zwischen dem SV Werder Bremen und dem VfL Osnabrück wiedereröffnet.

Durch die diversen baulichen Veränderungen an allen vier Tribünen entstand Stück für Stück ein wahres "Schmuckkästchen des Nordens". Die Fassade ist rundherum gespickt mit Photovoltaik-Zellen, die primär das Sonnenlicht direkt in Energie umwandelt, optisch aber auch eine Menge hermacht.

Mit der letzten Modernisierung hatte auch die Tartanbahn ausgedient, die als letztes Relikt noch an die Leichtathletik-Vergangenheit des Stadions erinnerte. Das Stadioninnere wurde um mehr als zwei Meter abgesenkt. Die Fans sind seitdem noch näher dran am Geschehen.

Denis Huber