Mainz - Der 1. FSV Mainz 05 war eine der großen positiven Überraschungen der vergangenen Saison. Mit einer jungen Mannschaft, einem jungen Trainer und schönem Offensivfußball haben die Rheinhessen die beste Bundesliga-Saison ihrer Vereinsgeschichte gespielt und den 5. Platz belegt.

Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de spricht FSV-Manager Christian Heidel über die Teilnahme am internationalen Wettbewerb und sagt, wie der FSV trotz der Abgänge dreier Leistungsträger erfolgreich weiter spielen möchte. Außerdem gibt der 48-Jährige einen kleinen Vorgeschmack auf die Eröffnung des neuen Mainzer Stadions.

bundesliga.de: Sehr geehrter Herr Heidel. Noch einmal herzlichen Glückwunsch zur vergangenen Saison und Platz 5. Was bedeutet die Teilnahme an der Europa League für Sie und den Verein?

Christian Heidel: Wir denken da überhaupt nicht an wirtschaftliche Dinge, sondern für den 1. FSV Mainz 05 ist es etwas Außergewöhnliches, Deutschland in der Europa League zu vertreten. Insbesondere, wenn man sich die Konkurrenz anschaut, die wir vergangene Saison hinter uns gelassen haben. Das ist ein sehr großer sportlicher Erfolg. Aber wir sehen eigentlich die letzten beiden Jahre als Einheit. Dieses Jahr wurden wir Fünfter, das Jahr davor Neunter. Insgesamt sind wir damit, glaube ich, fünftbester deutscher Club. Das ist eine große sportliche Auszeichnung, die aber dazu verpflichtet, genau so weiterzuarbeiten.

bundesliga.de: Wenn es mit den Platzierungen so weiter ginge, müssten Sie kommende Saison ja eigentlich Deutscher Meister werden.

Heidel:(lacht) Wir wollen ja niemandem Angst machen. Nein, uns kommt es weniger auf Tabellenplätze an, sondern wir wollen die Mannschaft allgemein weiterentwickeln. Ich bin ein Gegner davon, rasch nach oben zu schießen, weil man dann schnell tief fallen kann. Ich bin eher dafür, den Verein langsam aber sicher nach oben zu bringen und da sind wir auf einem ganz guten Weg. Aber das hat nichts mit der Meisterschaft zu tun. Ebenso wenig damit, dass wir unbedingt den Europa-League-Platz verteidigen wollen. Sondern es geht einfach darum, den Verein in der Bundesliga zu etablieren. Alles Weitere kommt später.

bundesliga.de: Also wurden weder von Ihnen noch von Thomas Tuchel oder dem Vorstand konkrete Ziele formuliert?

Heidel: Wir haben ein großes Ziel: Mainz 05 soll auch in der Saison 2012/13 in der Bundesliga spielen. Das wäre für den Club und die Stadt eine große Auszeichnung. Wenn man dieses Ziel erreicht hat, kann man weiter nach oben schauen. Mit unseren wirtschaftlichen Voraussetzungen ist das Erreichen dieses Ziels immer hervorragend. Dass es vergangene Saison mehr geworden ist, ist umso schöner.

bundesliga.de: Herausragend waren in der abgelaufenen Runde besonders Andre Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs, die nun allesamt die Mannschaft verlassen haben. Wie wollen Sie diese Abgänge kompensieren?

Heidel: Natürlich werden viele Leute sagen: "Der Andre Schürrle war so gut und spielt in der Nationalmannschaft." Aber da muss man diese Leute daran erinnern, was vor der vergangenen Saison los war. Wir haben inzwischen sieben Neuzugänge und werden in den nächsten Jahren immer ein Verein sein, der junge Spieler ausbildet, besser macht und für viel Geld verkauft, um diesen Verein wirtschaftlich stabil aufzustellen. Wir haben junge, hochtalentierte Spieler mit viel Potenzial verpflichtet, und wir haben einen Trainer, der dazu prädestiniert ist, diese jungen Leuten besser zu machen. Und ich bin mir sicher, dass wir auch im nächsten Jahr wieder einige von ihnen für viel Geld verkaufen, um weiter nach oben zu kommen. Das machen wir schon seit vielen Jahren und so und ich denke, dass man daran erkennt, dass das der richtige Weg ist für den Verein Mainz 05. Sonst hätten wir uns den Stadionneubau nicht leisten können.

bundesliga.de: Sie haben die neuen jungen Spieler wie einen Eric Maxim Choupo-Moting, Nicolai Müller oder Zoltan Stieber schon angesprochen. Haben Sie keine Bedenken, dass die Mannschaft zu jung sein könnte?

Heidel: Nein. Unser Prinzip ist, dass hinten in der Defensive geballte Erfahrung steht. Da ist ein gutes Fundament gelegt. In der vergangenen Spielzeit hatten wir die zweitbeste Defensive. Jetzt haben wir zwar Christian Fuchs verloren, aber dafür haben wir mit Zdenek Pospech einen sehr guten Neuzugang, der sehr erfahren ist und von dem wir uns viel versprechen. In Fabian Schönheim haben wir einen jungen, sehr talentierten Spieler, von dem wir sicher sind, dass er auf Bundesliga-Niveau kommen wird. Vorne haben wir im Endeffekt ein paar junge Spieler gegen andere junge getauscht, für die es etwas Besonderes ist, Bundesliga zu spielen und die hungrig sind. Die werden laufen, bis der Arzt kommt, was sicherlich eines unserer Geheimnisse ist, dass nämlich alle in jedem Spiel bereit sind, bis ans Limit zu gehen.

bundesliga.de: Wenn man Nicolai Müller und Zoltan Stieber rauspickt, beschlagen diese beiden besonders durch ihre Technik. Ist das Teil der Mainzer Philosophie, technisch starke Spieler zu holen?

Heidel: Ich glaube, man erkennt an unserer Spielweise, dass wir versuchen, Fußball zu spielen und zu kombinieren. Dazu braucht man technisch beschlagene Spieler. Ich denke, dass alle unsere Neuzugänge technisch sehr versiert sind. Das ist das, was wir brauchen, um unser Kurzpassspiel durchzudrücken. Damit waren wir vergangene Saison erfolgreich. Nun haben wir ein paar Personen ausgetauscht, sind aber sicher, dass auch die neuen diese Spielweise umsetzen können.

bundesliga.de: Sind denn noch weitere Transfers geplant?

Heidel: Wir reden ungerne über ungelegte Eier. Jeder weiß, dass wir mit sieben Neuzugängen sehr weit sind. So viele hat, wie ich weiß, noch kein anderer Bundesligist. Aber aufgrund des einen oder anderen Wechsels werden wir noch tätig werden. Ob da bis zum Trainingsauftakt alles in trockenen Tüchern sein wird, kann ich aber noch nicht sagen.

bundesliga.de: Auf welcher Position ist wollen Sie sich verstärken?

Heidel: Wir schauen sicherlich noch nach einem Stürmer, weil Adam Szalai aufgrund seiner Kreuzbandverletzung sicherlich den Großteil der Hinrunde ausfallen wird. Und durch den Abgang von Christian Fuchs werden wir auch im Defensiv-Bereich, neben Fabian Schönheim, noch einmal tätig werden.

bundesliga.de: Was auf jeden Fall feststeht ist der Umzug in die neue Coface Arena am 3. Juli. Wie laufen die Vorbereitungen?

Heidel: Ich war am Dienstag gemeinsam mit Jürgen Klopp, der mich besucht hat, im neuen Stadion. Wenn man im Innenraum der Arena steht, könnte man eigentlich sagen, dass es losgehen kann. In den Katakomben, den Businessräumen, den Logen und bei den Zufahrtswegen ist noch ein bisschen was zu tun, aber es wird alles pünktlich zum 3.7. fertig sein und wir werden ein Stadion eröffnen, das für Mainz 05 maßgeschneidert ist. Jeder wird erkennen: Das ist Mainz 05. Das war uns auch sehr wichtig.

bundesliga.de: Ist Jürgen Klopp neidisch geworden?

Heidel: So schlecht ist das Stadion in Dortmund ja auch nicht, aber Jürgen Klopp kennt den Verein halt schon seit 20 Jahren. Wenn man jetzt in dem Stadion steht und weiß, wo dieser Club hergekommen ist - an dieser Entwicklung hatte er ja als Spieler und Trainer großen Anteil - ich glaube, da ist er auch ein bisschen stolz, Teil davon gewesen zu sein. Vor 20 Jahren hätte man uns ja ausgelacht wenn wir gesagt hätten, dass wir heute ein Stadion selbst finanzieren und in drei Wochen eröffnen.

bundesliga.de: Wie viele Karten wurden seit dem 7. Juni bereits verkauft?

Heidel: Ich weiß nur, dass es keine Sitzplatzkarten mehr gibt. Wir haben am ersten Tag ja schon 10.000 Karten verkauft. Es wird voll sein. Auch beim Liga TOTAL! Cup. Der Dauerkartenverkauf brummt. Da steuern wir auf die 25.000-Marke zu. Deswegen kann man davon ausgehen, dass die Mainzer das Stadion schon angenommen haben und wir auch im nächsten Jahr vor ausverkauften Rängen spielen werden.

bundesliga.de: Ihr Präsident, Harald Strutz, hat gesagt, dieser Tag würde einer der bedeutendsten in der Vereinsgeschichte. Worauf dürfen die Fans sich freuen?

Heidel: Ich denke, an diesem Tag wird die Freude im Vordergrund stehen. Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut, den Mainzern ein richtig gutes Programm zu bieten. Aber ich will jetzt nicht zu viel verraten. Es wird natürlich ein Fußballspiel stattfinden, wobei der sportliche Wert da eher gering sein wird. Wir haben uns gedacht, das ist das Stadion der Mainzer, weswegen auch sie da an diesem Tag spielen werden. Alle Stadtteile werden eine Mannschaft zusammenstellen und so wird die ganze Stadt das Stadion einweihen. Enno-Ilka Uhde, der die Champions League oft organisiert hat, hat die Feier konzeptioniert. Es wird ein riesengroßes Spektakel geben.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig