Stuttgart - Hansi Müller absolvierte zwischen 1976 und 1982 insgesamt 143 Bundesliga-Spiele für den VfB Stuttgart (54 Tore). Auch heute ist er den Schwaben als Mitglied des Aufsichtsrates noch eng verbunden.

Bei bundesliga.de spricht der ehemalige Nationalspieler über die Wahnsinnspartie bei Borussia Dortmund, erinnert sich an seine aktive Zeit und erklärt, warum er dem BVB im Meisterrennen die Daumen drückt.


Auch Sie dürfen sich gerne erinnern: Schicken Sie bis zum 11. April Ihre Antwort auf die Frage "Welche drei Bundesliga-Spiele waren für Sie die besten aller Zeiten?" mit einer jeweils kurzen Begründung an gewinnspiele@bundesliga.de! Wichtig: Im Betreff "Die besten Spiele aller Zeiten" vermerken.
Schon sind Sie bei der Verlosung von 49 original Spielbällen mit dabei.
Wenn Sie Ihrer Erinnerung ein wenig auf die Sprunge helfen wollen, schauen Sie doch einfach in die Rubrik "Historie" hinein. Dort finden Sie alle Spieltage und alle Spielzeiten im Überblick.
Das bundesliga.de-Team wünscht viel Erfolg!



bundesliga.de: Herr Müller, ganz Fußball-Deutschland steht noch unter dem Eindruck des . Wie haben Sie das Spiel verfolgt?

Hansi Müller: Zuhause mit meiner Frau. Bei den Heimspielen des VfB bin ich immer im Stadion, aber die Auswärtsspiele schaue ich mir meistens im Fernsehen an.

bundesliga.de: Wie zuversichtlich waren Sie im Verlauf der Partie, das Stuttgart etwas Zählbares vom Meister mitnehmen kann?

Müller: Zunächst war ich von der enormen Geschwindigkeit des Dortmunder Spiels beeindruckt. Bis zum 1:0 haben die kaum den Fuß vom Gas genommen und Kagawas Treffer war eigentlich längst überfällig. Nach dem 2:0 direkt nach der Pause sah es natürlich nicht so gut aus, aber unsere Mannschaft hatte nichts mehr zu verlieren. Mit diesem Mut der Verzweiflung haben sie dann auch gespielt. Eine Schlüsselszene war für mich ein schlecht ausgespielter Konter des BVB, als sie eigentlich das 3:0 machen mussten. So konnte der VfB zurückkommen. Aber selbst nach dem 3:2 durch Schieber habe ich zu meiner Frau gesagt: "Ich glaube, die Dortmunder drehen das noch!"

bundesliga.de: Glauben Sie, dass beide Mannschaften gestärkt aus dieser Partie hervorgehen?

Müller: Absolut. Beide Teams haben enorme Moral bewiesen und konnten erhobenen Hauptes den Platz verlassen. Die Clubs haben mit ihrem Auftritt die beste Eigenwerbung betrieben. So ein Spiel gibt es nicht allzu oft innerhalb einer Saison. Wie hat Jürgen Klopp nach dem Spiel gesagt: "Jetzt wissen Sie, warum die Fernsehrechte für die Bundesliga so teuer sind." Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Das war Werbung für den Fußball.

bundesliga.de: Haben Sie während der Partie an Ihre eigene Karriere gedacht? Sie verloren mit dem VfB 1978 nach ähnlich turbulenten Spielverlauf mit 3:4 in Dortmund.

Müller: Nicht direkt, nein. Das ist schon so lange her, da erinnert man sich nicht mehr an alle Einzelheiten. Ich habe mich aber immer besonders auf die Spiele in Dortmund gefreut. Auch für die Auswärtsteams kann diese großartige Stimmung im Stadion beflügelnd wirken.

bundesliga.de: Was geht während so einer Partie in einem Spieler vor?

Müller: Für mich als Offensivspieler waren solche Spiele mit offenem Visier die schönsten. Genau wie am Freitag haben damals beide Mannschaften kompromisslos nach vorne gespielt. Da macht es richtig Spaß, auf dem Feld zu stehen, auch wenn wir damals keine Punkte mitnehmen konnten.

bundesliga.de: Der VfB spielt eine starke Rückrunde. Wie beurteilen Sie die Chancen, nächstes Jahr international zu spielen?

Müller: Im Moment sieht es sehr gut aus und ich bin optimistisch, dass es klappt. Der VfB empfängt mit Bremen und Wolfsburg noch zwei direkte Konkurrenten und hat es dementsprechend selbst in der Hand. Aber im Fußball geht es manchmal sehr schnell. Vor einigen Wochen spielte Stuttgart beim HSV, der mit einem Sieg am VfB vorbeigezogen wäre. Stuttgart gewann 4:0 und mischt nun oben mit.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass der BVB den Titel verteidigen kann?

Müller: Ich würde es ihnen gönnen. Ich bin ein großer Fan von Jürgen Klopp, denn er ist nicht nur als Trainer, sondern auch als Typ große Klasse. Dortmund ist das beste Beispiel dafür, dass man einem Trainer Zeit geben sollte, seine Ideen umzusetzen. Außerdem habe ich mit meinem Kollegen aus dem Aufsichtsrat, Dieter Hundt, eine Wette laufen: Er glaubt, dass die Bayern Meister werden, ich habe auf den BVB getippt. Es geht um eine gute Flasche Rotwein. Der FC Bayern kann gerne die Champions League gewinnen.

bundesliga.de: Stichwort Meisterkampf: Wie geht die Partie Dortmund gegen München am nächsten Mittwoch aus?

Müller: Das Spiel endet unentschieden. Die Bayern werden zwar alles versuchen, aber mehr als ein Punkt wird - auch aufgrund ihres Mammutprogramms - nicht herausspringen.

bundesliga.de: Das würde Ihre Chancen auf den Rotwein sicherlich verbessern.

Müller:(lacht) Genau! Und den möchte ich als Schwabe natürlich unbedingt gewinnen.

Das Gespräch führte Florian Reinecke