Hannover/München - Mit 13 Punkten steht Hannover 96 derzeit auf Platz 3 der Tabelle. Dabei waren die Niedersachsen in der vergangenen Saison nur knapp dem Abstieg entgangen. Doch bei den Neuzugängen wie Mohammed Abdellaoue, Emmanuel Pogatetz, Lars Stindl oder Moritz Stoppelkamp hat Sportdirektor Jörg Schmadtke ein gutes Näschen bewiesen.

Bei bundesliga.de spricht er über den erfolgreich eingeleiteten Umbruch in der Mannschaft und die momentane Situation bei Hannover 96. Außerdem erklärt er, warum das Tabellenbild derzeit nicht den gewohnten Erwartungen entspricht und warum er sich einen besseren Zeitpunkt als den 8. Spieltag vorstellen könnte, um bei den schlecht gestarteten Bayern anzutreten.

bundesliga.de: Jörg Schmadtke, im Mai noch Fast-Absteiger, jetzt auf Platz 3: Was ist anders als im letzten Jahr bei Hannover 96?

Jörg Schmadtke: Wir haben mehr Punkte, um es ganz kurz zu formulieren. Aber wir haben auch einen etwas anderen Geist in der Mannschaft. Wir haben gemeinsame Ziele, sind ergebnisorientiert. Und dazu haben wir auch einen etwas ausgewogeneren Kader. Aber für ein Zwischenfazit ist es meiner Meinung nach noch zu früh, das kann man erst nach zehn oder zwölf Spieltagen ziehen. Trotzdem: Die Punkte, die wir jetzt schon gesammelt haben, sehe ich als gute Tendenz.

bundesliga.de: Spielt es auch eine Rolle, dass die Tragödie um Robert Enke aus den Köpfen der Spieler ist?

Schmadtke: Die Verarbeitung des Todes von Robert hat lange gedauert und hätte uns fast den Klassenerhalt gekostet. Heute kann ich sagen: Robert wird immer ein Teil von Hannover 96 bleiben, aber rein sportlich ist die Tragödie kein Problem mehr.

bundesliga.de: Wie hat sich nach den Abgängen von Bruggink, Balitsch oder Stajner die Hierachie verändert?

Schmadtke: Wir haben einen Umbruch hinter uns. Und da verändern sich die Hierarchien automatisch. Momentan wird vieles über die Gruppe insgesamt aufgefangen, da möchte ich gar keinen hervorheben. Das Team macht einen sehr geschlossenen Eindruck. Und natürlich fällt mit den Erfolgen der ersten Spiele einiges auch leichter.

bundesliga.de: Wie ist denn das oft kritisch gesehene Verhältnis zwischen Ihnen und Trainer Mirko Slomka wirklich?

Schmadtke: Wir arbeiten gemeinsam sehr konstruktiv. Dazu gehören viele Diskussionen und Gespräche. Und wir haben ein großes gemeinsames Ziel: Wir wollen Hannover 96 besser machen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie das momentan ungewöhnliche Tabellenbild?

Schmadtke: Mit Mainz, Dortmund und auch mit uns aus Hannover tummeln sich da oben Mannschaften, die man dort so nicht erwartet hatte. Und Stuttgart, Schalke, Bremen und auch der FC Bayern sind bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ein Grund dafür ist sicher die WM in Südafrika. Nach einem solchen Turnier haben die großen Clubs mit ihren vielen Nationalspielern oft Probleme, wenn die Spieler häufig nicht da sind oder in der Vorbereitung fehlen. Aber das allein kann es nicht sein.

bundesliga.de: Welche Faktoren spielen noch eine Rolle?

Schmadtke: Ein Stück weit dokumentiert das auch die Ausgeglichenheit der Bundesliga. Normalerweise aber stehen die großen Mannschaften am Ende dann doch wieder oben. Die Bayern sind im letzten Jahr auch schlecht gestartet und haben in der Rückrunde fast alles gewonnen. Auch Bremen hat diese Qualität. Einige Dinge werden sich normalisieren, auch wenn wie im letzten Jahr mit Hertha BSC ein Extrem-Ausreißer im Negativen dabei sein kann. Als positive Überraschung sehe ich dagegen Mainz 05. Der Club macht auf mich einen sehr stabilen Eindruck. Wenn man sieben Siege in Folge hinbekommt und auch die ganzen Störfaktoren, die solche Erfolge mit sich bringen, so gut verarbeitet, dann spricht das für einen klaren Verstand der Verantwortlichen. Das ist einfach eine Qualität, die einiges erwarten lässt.

bundesliga.de: Welcher Trend lässt sich nach sieben Spieltagen erkennen?

Schmadtke: Man kann deutlich erkennen, dass die Mannschaften besonders in den Heimspielen Probleme haben. Der Ballbesitz allein reicht nicht. Viele Teams beherrschen das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff sehr gut. Insofern kommt dem Führungstreffer eine immer größere Bedeutung zu. Aber dieser Trend war auch in den letzten Jahren schon zu erkennen.

bundesliga.de: Das nächste Spiel bestreiten Sie mit Hannover 96 beim angeschlagenen FC Bayern...

Schmadtke: Die Bayern sind nie angeschlagen. Sicher war der Start nicht gut, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann ihre Qualität zum Tragen kommt. Ich hoffe allerdings, dass der große Durchbruch nicht ausgerechnet gegen uns gelingt. Außerdem haben wir aus dem letzten Jahr noch was gut zu machen. Das 0:7 hat schon sehr weh getan. Allerdings könnte ich mir einen angenehmeren Zeitpunkt vorstellen, auf die Bayern zu treffen.

Das Gespräch führte Thomas Mörs