Leverkusen - Was für ein irres Spektakel. Mit seinem Traumtor zum 3:4 brachte Kevin Kampl Bayer 04 Leverkusen wieder zurück ins Spiel. Der Werkself gelang in einer turbulenten Champions-League-Partie sogar noch der Ausgleich zum 4:4-Unentschieden gegen den AS Rom.

Damit bleiben die Rheinländer aussichtsreich im Rennen um einen Platz im Achtelfinale. Nicht nur wegen seines Treffers gehörte Kevin Kampl zu den besten Spielern auf dem Platz. Nach dem Abpfiff stellte sich der 25-Jährige zum Interview.

Frage: Kevin Kampl, fühlen Sie sich nach dem spektakulären 4:4-Unentschieden gegen den AS Rom ein bisschen wie der moralische Sieger?

Kevin Kampl: Ja, das kann man schon sagen. Nach unserer 2:0-Führung haben wir das Spiel aus der Hand gegeben, weil wir drei Gegentore nach Standards bekommen haben. Das darf auf diesem Niveau in der Champions League nicht passieren. Wie wir dann noch einmal nach dem 2:4 zurückgekommen sind, zeigt die Moral der Mannschaft. Wir hatten am Ende sogar noch die Chance auf das 5:4. Und Rom ist nicht irgendeine Mannschaft, sondern eine der besten in Europa. Wir haben gut dagegengehalten. Man muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen, dass sie sich super zurück ins Spiel gekämpft hat. Der Punkt ist extrem wichtig für uns und wird uns für die nächsten schweren Spiele Selbstvertrauen geben.

"Nicht jede Mannschaft kommt so zurück"

Frage: Bayer Leverkusen hat sich zuletzt in der Bundesliga mit dem Toreschießen ein bisschen schwer getan. Diesmal war es ganz anders. Warum?

Kampl: Irgendwann platzt eben auch mal wieder der Knoten und die Bälle gehen wieder rein. Wir haben schöne Tore erzielt, leider aber auch doofe Gegentore durch Standards bekommen. Vor allem die ersten beiden müssen nicht sein. Dadurch haben wir den Gegner wieder zurück ins Spiel gebracht. Das müssen wir besser verteidigen.

Frage: Wieso hat die Mannschaft das Spiel so aus der Hand gegeben?

Kampl: Rom hat sehr viele zweite Bälle gewonnen, die wir nicht geklärt haben. Sie haben besser attackiert. Wir haben versucht dagegenzuhalten, es hat aber vor allem in der ersten Halbzeit immer etwas gefehlt. So haben die Römer ihre Torchancen bekommen und genutzt. Nicht jede Mannschaft kommt aber nach einem 2:4 noch einmal so zurück. In so einem Spiel kann man sich auch noch mehr Tore fangen und dann 2:6 verlieren. Wir sind aber wiedergekommen und hatten am Ende noch eine Riesenchance. Wir nehmen den Punkt gerne an, am Ende war er auch verdient. In der Tabelle stehen wir mit zwei Punkten vor Rom gut da. So müssen wir jetzt weitermachen.

Frage: Was bedeutet das Ergebnis für das Rückspiel in Rom? Reicht dort ein Unentschieden?

Kampl: Wir können mit der Situation sehr zufrieden sein, sollten aber auch nicht so viel auf die Tabelle, sondern auf unsere Leistung schauen. Wenn wir die zu 100 Prozent auf den Platz bringen, dann können wir mit jeder Mannschaft mithalten, so wie wir es über 80 Minuten auch in Barcelona getan haben. Dann können wir auch in Rom punkten oder sogar gewinnen. Wir haben auch dieses Mal über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Wir müssen auf uns gucken und noch ein paar Punkte holen. Unser Ziel ist, dass wir auch nach dem Winter noch in der Champions League spielen.

"Unsere Spielart macht Megaspaß"

Frage: Viele haben nach dem 2:4 nicht mehr an die Werkself geglaubt. Haben Sie mit Ihrem Tor zum 3:4 die Mannschaft auch ein bisschen wiederbelebt?

Kampl: Rom hat sich nach dem 4:2 etwas weiter zurückgezogen. Das haben wir als Mannschaft gemerkt und Mut geschöpft. Nach dem Anschlusstreffer haben wir das 4:4 gemacht. Das war super.

Frage: Ist Ihnen der Schuss so rausgerutscht oder war es ein überlegter Abschluss?

Kampl: Ich bin nicht ausgerutscht. (lacht) Das ist der einzige Schuss, den ich ganz gut kann, nämlich mit der Innenseite in die lange Ecke zu schlenzen. Es gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass der Ball so einschlägt. Aber es war kein Glücksschuss.

Frage: Haben Sie auch das Gefühl, dass Bayer 04 in dieser Saison eine Wundertüte ist? Es war alles dabei, Spektakel, Ladehemmung, es gab eine Gala gegen Lazio, in München oder Dortmund ging nichts. Wie ist das zu erklären?

Kampl: Das ist alles ein Lernprozess. Wir haben viele neue Spieler dazubekommen. Es braucht seine Zeit bis alle diesen Fußball, den wir spielen, verinnerlicht haben. So spielen nicht viele Mannschaften, die Spielart macht Megaspaß. Man muss sie aber auch erst perfekt lernen und dann beherrschen. Wir sind in diesem Lernprozess auf einem guten Weg und müssen jetzt so weitermachen. Dann kommt der Rest von ganz alleine. Dann werden wir die Punkte holen, die Tore schießen und konstant gut Fußball spielen. Aber jetzt haben wir erst einmal das Bundesliga-Spiel gegen Stuttgart vor der Brust. Auch das wird eine schwere Aufgabe.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski