Leverkusen - Nach zuletzt drei sieglosen Bundesliga-Spielen hat sich Bayer Leverkusen mit einem mühsam erkämpften Last-Minute-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt wieder zurückgemeldet - für einen Spieler stand die Partie ganz im Zeichen seines Comebacks.

Dank des 2:1-Sieges hat die "Werkself" die Verfolgung der Spitzengruppe in Angriff genommen. Nach einer achtmonatigen Verletzungspause feierte zudem Bayer-Kapitän Simon Rolfes seine Rückkehr auf den Platz. bundesliga.de sprach mit dem 28-Jährigen nach dem Spiel.

bundesliga.de: Glückwunsch zum Sieg und zu Ihrem Comeback. Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Simon Rolfes: Ich freue mich, dass wir gewonnen haben. Es war ein gutes Gefühl. Ich war gut vorbereitet und habe mich auch konditionell sehr gut gefühlt. Und man weiß ja doch nie vorher, ob die Luft für den Wettkampf reicht, auch wenn ich vorher schon ein Spiel bei den Amateuren gemacht habe.

bundesliga.de: Waren Sie, auch wenn Sie ein sehr erfahrener Spieler sind, doch vor Ihrer Einwechslung nervös?

Rolfes: Nein, ich war nicht nervös. Ich war sehr konzentriert. An dem Tag vor dem Spiel war ich eher nervös als jetzt. Auch wenn es acht Monate waren, die ich nicht gespielt habe, habe ich ja schon so viele Spiele gemacht. Ich konnte daher auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

bundesliga.de: Kann dieses Spiel die Wende für Bayer sein, nachdem es in den ersten Wochen der Saison noch nicht so gut gelaufen ist?

Rolfes: Es war wichtig, dass wir immer wieder dran geblieben sind und den Sieg unbedingt wollten. Den Elfmeter haben wir erzwungen. Wir wollten unbedingt das Tor machen. Das sich ausgezahlt, auch wenn es erst in der letzten Minute gelang.

bundesliga.de: War das so ein Spiel, das Bayer einfach einmal brauchte?

Rolfes: Mit Sicherheit. Es war ein schwerer Weg und lief nicht von Anfang an glatt durch. Wir mussten viel in das Spiel investieren und einen großen Willen zeigen. Das war ein Effekt, der uns in den nächsten Wochen noch zugute kommen kann.

bundesliga.de: Bayer Leverkusen ist im Moment ja ziemlich vom Verletzungspech gebeutelt. Viele wichtige Spieler fehlen gerade auch im Kreativbereich. Zudem hat Toni Kroos den Verein verlassen. Wie zufrieden waren Sie da mit der spielerischen Vorstellung von Bayer?

Rolfes: Sicher hapert es noch ein bisschen. Und Toni Kroos war sicher ein guter Spieler bei uns, keine Frage. Aber es zeigt sich in dieser Saison auch, dass viele Mannschaften, die viele WM-Teilnehmer dabei hatten, momentan Probleme haben. Deswegen kann noch nicht alles klappen. Außerdem haben wir viele Verletzte. Aber das macht heute nichts. Wir haben die drei Punkte geholt und sind weiter oben dran.

bundesliga.de: Bei wie vielen Prozent Ihrer Leistungsstärke sind Sie schon?

Rolfes: Keine Ahnung, das ist immer schwer zu sagen. Es kommt auch darauf an, wie sehr man in einem Spiel gefordert wird. Ich denke, ich habe schon ein gutes Niveau erreicht, kann das aber nicht in Prozenten ausdrücken.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass es am kommenden Wochenende schon für einen Einsatz in der Startelf reicht?

Rolfes: So weit blicke ich nicht voraus. Ich bin froh, dass ich gegen Frankfurt 45 Minuten gespielt habe. Alles weitere gehen wir sachte an.

bundesliga.de: Sie haben ja jahrelang in jeder Saison alle 34 Spiele bestritten und waren dann so lange verletzt. Wie schwer war die Zeit für Sie?

Rolfes: Das war eine harte Zeit, keine Frage. Ich war ja auch vorher in der Saison bereits ausgefallen und habe insgesamt fast zwölf Monate gefehlt. Es war hart, wenn man immer zugucken muss. Da hat mir meine Familie sehr geholfen, meine Frau und mein Kind. Ich hatte vom Verein die Rückendeckung, von Trainer Jupp Heynckes. Bei den unzähligen Stunden im Kraftraum hat mir auch Holger Broich sehr geholfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

bundesliga.de: Wie wichtig war für Sie, dass der Trainer auch an Ihnen als Kapitän der Mannschaft festgehalten hat?

Rolfes: Es war gut, dass gar keine Diskussionen aufkamen und der Trainer mir den Rücken gestärkt hat. Das war in der Phase wichtig, in der ich alleine im Kraftraum war und es nur sehr langsam voran ging. Wenn man dann wieder bei der Mannschaft ist, geht es wieder schneller.

bundesliga.de: Am nächsten Samstag tritt Bayer beim VfB Stuttgart an, der vier seiner fünf Bundesliga-Spiele verloren hat. Was erwarten Sie da?

Rolfes: Das ist eine sehr gute Mannschaft, auch wenn sie nicht besonders gut gestartet ist. Vielleicht können wir das am Wochenende ausnutzen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski