Leverkusen - Drei Monate lang war Stefan Kießling verletzt. Jetzt feierte der Stürmer von Bayer Leverkusen sein Comeback. Beim 1:1-Unentschieden der "Werkself" im abschließenden Europa League-Spiel gegen Atletico Madrid wurde der 26-Jährige nach dem Seitenwechsel eingewechselt und belebte auf Anhieb das Leverkusener Angriffsspiel des ungeschlagenen Gruppensiegers. Danach war er ein gefragter Gesprächspartner.

Frage: Stefan Kießling, nach drei Monaten Verletzungspause haben Sie wieder zum ersten Mal auf dem Platz gestanden. Wie war das Gefühl

Stefan Kießling: Es hat mir schon in den letzten Tagen gut getan, wieder mit der Mannschaft zu trainieren. Als der Trainer in der Halbzeit gesagt hat, dass ich mich warmlaufen soll, war das eine kleine Befreiung. Dann habe ich mich riesig gefreut, dass ich wieder auf dem Platz stehen konnte, auch wenn die äußeren Bedingungen schwierig waren.

Frage: Mit Ihnen kam auch direkt ein bisschen Leben auf den Platz.

Kießling: Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Gas gebe. Ich muss erst wieder reinkommen, muss wieder Vertrauen in meinen Fuß aufbauen. Das ist klar. Fürs erste Spiel war es ganz gut. Ich kann zufrieden sein, ich habe ja sogar einen Assist geschafft. Das ist gut, dass ich direkt ein Zeichen setzen konnte. Wir sind dann verdient 1:0 in Führung gegangen. Leider haben wir noch den Ausgleich bekommen. Das Spiel war insgesamt in Ordnung.

Frage: Wie viel Prozent fehlen Ihnen noch zur alten Leistungsstärke?

Kießling: Das ist schwer zu sagen. Ich weiß gar nicht, wie viel ich vorher gehabt habe. Ich bin froh, wieder dabei sein zu können. Der Fuß braucht sicher noch einige Wochen und Monate. Das wird von Spiel zu Spiel kommen. Es wird noch Hochs und Tiefs in der Rückrunde geben. Ich werde alles versuchen, um so schnell wie möglich wieder auf mein Level zu kommen.

Frage: Sie haben sich schneller wieder ins Mannschaftstraining zurückgekämpft als zunächst angenommen. Wie haben Sie das geschafft?

Kießling: Nach der Verletzung war die Rechnerei groß. Das Ziel war, am 14. Januar wieder auf dem Platz zu stehen. Das war eine schwierige Aufgabe. Ich habe zusammen mit dem Fitnesstrainer und den Physios gut gearbeitet. Deshalb hatte die Chance, etwas früher bei der Mannschaft zu trainieren und zu spielen. Das ist wichtig, weil ich jetzt die Vorbereitung hundertprozentig mitmachen kann.

Frage: Was sagt der Fuß?

Kießling: Er ist müde und kalt. Abends spüre die Reaktion ein bisschen, er wird ein bisschen dicker. Am nächsten Tag ist es aber wieder weg.

Frage: Werden Sie zwischen den Jahren noch Sonderschichten schieben, um noch fitter zu werden?

Kießling: Ich mache nichts mehr. Es war vor der Saison wegen der WM eine lange Zeit. Da hatte ich wenig Urlaub. Da habe ich schon früher angefangen. Die Woche Urlaub jetzt in Winter wird mir gut tun.

Frage: Bayer hat in letzter Zeit häufiger mit nur einer Spitze agiert, gegen Madrid wieder mit zwei Stürmern. Ist das 4-4-2-System eine Option?

Kießling: Wir haben gezeigt, dass wir beide Optionen spielen können. Es liegt am Trainer, was er vorhat. Es ist schön, dass wir auch im Sturm Alternativen haben. Jeder Stürmer hat seine Stärken, die er ausnutzen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Bilanz von Bayer in der Europa League?

Kießling: Wir haben uns das hart erarbeitet, dass wir ungeschlagen weitergekommen sind. Das ist stark.

Frage: Was rechnen Sie sich für das Sonntagsspiel gegen den SC Freiburg aus?

Kießling: Ich werde wohl auf der Bank sitzen.

Frage: In der Bundesliga ist Borussia Dortmund der Konkurrenz weit enteilt. Die Borussia stellt sich zum Rückrundenauftakt in Leverkusen vor. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Bayer noch Druck auf Dortmund ausüben kann?

Kießling: Die Wahrscheinlichkeit ist groß. Wir haben die Möglichkeit, gleich am 1. Rückrundenspieltag ein paar Punkte gut zu machen. Dortmund muss dann aufpassen, dass es nicht in ein Tief fällt. Diese Chance müssen wir ausnutzen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski