Mit dem Titel "Helden 2008" lieferten Revolverheld eine der großen Hymnen des vergangenen Jahres. Der offizielle DFB-Fansong zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz kletterte bis auf Platz 2 der deutschen Singlecharts - und somit ebenso hoch wie die deutsche Nationalelf bei der EURO.

In dieser Zeit ist die Band wie "der 'Kaiser' von A nach B gejettet", erinnert sich Sänger Johannes Strate. Fußball spielt schon seit Kindheitstagen eine große Rolle beim 28-Jährigen. An der Weser aufgewachsen, schlägt sein Herz grün-weiß. Im Gespräch mit bundesliga.de erinnert sich Johannes an seine ersten Momente als Fußballfan, er spricht über die Höhe- und Tiefpunkte der Hinrunde und seine Begegnung mit "Doktor" Clemens Fritz.

bundesliga.de: Für welchen Verein schlägt Dein Herz und wie ist es dazu gekommen?

Johannes Strate, Sänger Revolverheld: Ich bin ganz großer Fan von Werder Bremen - und das schon mein ganzes Leben lang. Ich bin in der Nähe von Bremen aufgewachsen, da gab es keinen anderen Verein, der in Frage kam. Zudem war auch mein Vater großer Werder-Fan. Ich kann mich gut an die frühen Jahre meiner Liebe für den Verein erinnern. In den 80ern hat Bremen mal richtig guten und dann wieder weniger guten Fußball gespielt. Es war ein Auf und Ab. Es machte schon immer Spaß, Fan von Bremen zu sein, weil die Jungs schon immer guten Offensivfußball gespielt haben. Zudem war es damals geil, mit Otto Rehhagel solch eine Legende auf dem Trainerstuhl gehabt zu haben. Es haben auch sensationelle Spieler in Bremen gekickt. Rune Bratseth und Wynton Rufer zum Beispiel, das waren einfach tolle Jungs.

bundesliga.de: Was ist Deiner Meinung nach das Besondere an der Bundesliga?

Johannes: Grundsätzlich finde ich, Fußball ist ein toller Sport. Ich liebe die Emotionen, die der Fußball mit sich bringt. Wir treffen uns regelmäßig bei mir und schauen Fußball. An der Bundesliga fasziniert mich, dass es immer wieder Überraschungen gibt. Hoffenheim ist das perfekte Beispiel eines "Kleinen", der einfach die Konkurrenz ärgert und schönen Fußball spielt. So etwas gibt es doch zum Beispiel in Italien gar nicht. Da wird ein 1:0 mit Mauertaktik verwaltet und am Ende gewinnen eh immer die mächtigen Vereine.

bundesliga.de: Bleibt Euch denn auch Zeit, selbst gegen den Ball zu treten?

Johannes: Da ich mir im Sommer ja leider die Bänder gerissen habe, durfte ich in diesem Jahr nicht mehr spielen. Dazu fällt mir eine nette Geschichte ein. Kurz nach meinem Bänderriss habe ich Clemens Fritz getroffen. Der meinte nur: "Bänderriss, da kannst du ja in zwei Wochen wieder Sport machen". Er konnte gar nicht verstehen, dass die Heilung längere Zeit in Anspruch nehmen sollte. Aber Profisportler sind ja auch 24 Stunden in der Reha, wenn sie sich verletzen. Aber dieses Jahr werde ich wieder angreifen!

bundesliga.de: Was hat Dir an der Hinrunde am besten gefallen?

Johannes: Es ist natürlich sensationell zu sehen, dass so ein "kleiner Verein" wie Hoffenheim aufsteigt und die Bundesliga durcheinander wirbelt. Hoffenheim spielt den erfrischenden Fußball, den Werder vor einigen Jahren gezeigt hat. Immer nach vorn, vielleicht auch mal ein Spiel knapp verlieren, aber dennoch ein großer Gewinn für den Fußball sein. Es stört mich auch gar nicht, dass der Verein mit Dietmar Hopp einen großen Gönner hat. Der Mann hat sein Geld sehr sinnvoll investiert. Er ist ja nicht losgerannt und hat wie wild teure Spieler eingekauft, sondern man setzt auf junge, hungrige Akteure und baut auf die Zukunft. Ich finde das sehr sympathisch.

bundesliga.de: Wie fällt Dein Hinrundenfazit bezüglich Werder Bremen aus?

Johannes: Für Werder-Fans, die aufgrund der vergangenen Jahre ein wenig erfolgsverwöhnt sind, war die Hinrunde wirklich hart. Die Abwehrprobleme gab es ja auch schon in der Vergangenheit - wenngleich nicht so eklatant wie in dieser Hinrunde. Aber das Defensivproblem konnte mit der entsprechenden Offensive kompensiert werden. Das hat ja den Bremer Fußball so attraktiv gemacht, dass mit offenem Visier gespielt wurde. In dieser Saison läuft es jedoch nicht rund. Vorne klemmt's und manchmal spielt die Mannschaft sehr unkreativ. Ich habe manchmal das Gefühl, die Jungs sind nach den guten vergangenen Jahren etwas satt. Hoffentlich hat diese Hinrunde die Mannschaft wachgerüttelt. Bremen ist ja meist sehr vorsichtig in Sachen Einkaufspolitik. Doch so langsam sollte der Verein mal einen guten Mann für die Abwehr holen, der das Heft da hinten in die Hand nimmt. Naldo und Per Mertesacker spielen leider keine gute Saison.

bundesliga.de: Nun gab es vergangenes Jahr ja auch noch ein ganz besonderes Highlight: die EURO. Ihr habt mit Eurem Song "Helden 2008" den offiziellen DFB-Fansong geschrieben und seid während der EURO in Deutschland und Österreich unterwegs gewesen, sogar bei Spielen dabei. Ist das einer der Höhepunkt in Deiner Musikerlaufbahn gewesen?

Johannes: Auf jeden Fall. Wenn du als Fußballfan solch einen Song schreiben darfst, so nah an der Nationalmannschaft bist und ständig hin und her fliegst, das ist schon etwas ganz besonderes. Ich kam mir selbst schon vor wie der "Kaiser", als er 2006 von A nach B gejettet ist. Immer bei den Spielen und auf den Fanmeilen zu sein, war für einen Fan wie mich großartig. Ich war so nah dran an den Emotionen! Wir haben einige der Spieler gut kennengelernt und überall lief unser Song. Das war nicht nur ein Highlight meiner musikalischen Laufbahn. Das war ein Highlight meines Lebens!

bundesliga.de: Apropos Highlights: Was erwartest Du von der Rückrunde?

Johannes: Ich hoffe, dass Hoffenheim Meister wird. Ich hoffe, dass Werder es noch ins internationale Geschäft schafft. Auch wenn Werder ja grundsätzlich nicht gut in die Rückrunde startet, glaube ich fest daran, dass sie das Ruder noch rumreißen werden. Bis zur Champions League ist der Weg sicher ein bisschen weit. Da müssten auch noch viele andere Mannschaften patzen. Aber zumindest der UEFA-Cup sollte möglich sein. Dann wäre die Saison doch gerettet und Werder würde nächste Saison einfach mal den UEFA-Pokal gewinnen müssen...

bundesliga.de: Was die Fußballfans von Werder Bremen erwarten können, bleibt abzuwarten. Aber was kann man denn 2009 von Revolverheld erwarten?

Johannes: Nach der EURO brauchten wir alle ein wenig Pause. Doch jetzt sind wir wieder frisch und haben jede Menge neue Ideen. Unsere Rückrunde sieht daher so aus, dass wir momentan sehr viel schreiben und neue Songs in unserem kalten Proberaum aufnehmen, in dem der Radiator leider nicht so will wie wir. Dann werden wir im April oder Mai ins Studio gehen und ein neues Album aufnehmen. Ende des Jahres sind wir dann wieder live unterwegs.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz