Lissabon - Die Vorzeichen für den FC Schalke 04 für einen Gruppensieg in der Champions League standen eher schlecht: Im Gegensatz zu Olympique Lyon mussten die "Königsblauen" am letzten Spieltag auswärts antreten - und das auch noch beim als äußerst heimstark geltenden Traditionsclub Benfica Lissabon.

Als wäre das nicht schon genug, besiegelte das Maskottchen der Portugiesen schon vor dem Anpfiff scheinbar die Niederlage des Bundesligisten im Estadio da Luz. Denn der Adler Vitoria fliegt bei jedem Heimspiel Benficas von hoch oben unter dem Stadiondach hinunter zu einem aufgestellten Vereinswappen. Dreht er dabei mindestens zwei Runden über den Platz und landet dazu auch noch auf dem Emblem, dann ist ein Sieg der Hausherren der Legende nach eigentlich so gut wie perfekt. Vitoria flog sogar dreieinhalb Runden und landete traumwandlerisch sicher.

Glanzvolles Ende nach unglücklichem Start

Dass es an diesem Abend aber bei einer Legende bleiben sollte, dafür sorgten die äußert konzentriert auftretenden Schalker. "Wir haben von Beginn an eine gute Leistung gezeigt und uns immer wieder Torchancen erarbeitet. Zum Glück haben wir gleich die erste gute Möglichkeit genutzt", sagte Jose Manuel Jurado, Torschütze zum wichtigen 1:0, im bundesliga.de-Interview nach dem 2:1-Sieg.

Trainer Felix Magath war über den Erfolg seiner Kicker ebenfalls sehr erfreut. "Dass es in Lissabon nicht einfach wird, war uns bewusst. Nachdem wir in Lyon mit einer Niederlage und einem Platzverweis gestartet sind, wollten wir beweisen, dass wir international mithalten können. Das ist uns gelungen", meinte Magath.

Kein Wunschgegner

Nach dem Minimalziel, dem Erreichen der K.o.-Runde, haben die Schalker als Gruppensieger nun gute Voraussetzungen auf den Einzug ins Viertelfinale. Die ganz dicken Brocken aus Manchester, Barcelona oder Madrid können im Achtelfinale nicht zugelost werden. Zudem hat S04 im Rückspiel das Heimrecht.

Ein Wunschlos für die nächste Runde ließ sich den Spielern aber nicht entlocken. "Wer unser Gegner wird, ist zweitrangig. Wir können die Auslosung nicht beeinflussen und haben zudem bewiesen, dass wir mit den stärksten Teams Europas mithalten können", erklärte Kapitän Manuel Neuer.

Jurado sieht das ähnlich. "Ich habe keinen Wunschverein. Jeder Gegner wird in der K.o.-Runde ein schwieriger Gegner sein. Egal, gegen wen wir spielen müssen: Wir werden mit viel Selbstbewusstsein und Einsatzwillen um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen", so Jurado. Magath ging sogar noch einen Schritt weiter: "Nun brauchen wir ein bisschen Losglück. Ich denke, das Viertelfinale ist drin."

Schwung mitnehmen

Bis die Schalker ihren Worten Taten folgen lassen können, ist es aber noch ein wenig hin. Zuvor heißt es, die aufsteigende Tendenz der vergangenen Wochen in der Bundesliga zu bestätigen.

"Der Sieg bei Benfica sollte meiner Mannschaft für die anstehenden Partien weiter Sicherheit geben", hofft Magath. Jurado setzt sich und seine Kollegen sogar unter Druck: "Wir können sicherlich noch mehr. Das haben wir in den letzten Spielen gezeigt. Wir haben eine gewisse Stabilität in unser Spiel gebracht und wir werden alles daran setzen, dass das auch so bleibt."

Am kommenden Spieltag reisen die Schalker zum 1. FSV Mainz 05. "Wir müssen den positiven Schwung aus der Champions League mitnehmen. Es war in dieser Saison für die Gegner nicht einfach, in Mainz zu bestehen", blickte Neuer voraus, fügte aber mit einem Lächeln hinzu: "Das war es in Lissabon auch nicht."

Aus Lissabon berichtet Michael Reis