Man konnte nicht davon sprechen, dass Hans-Jörg Butt mit einem blauen Auge davongekommen war, im wahrsten Sinne des Wortes nicht. Es war ein übler Abend für den FC Bayern, der 8. April 2009.

Schon zur Pause lagen die Münchner im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona mit 0:4 im Camp Nou zurück. "Das, was ich in der ersten Halbzeit gesehen habe, war das Fürchterlichste, war ich jemals beim FC Bayern gesehen habe. Es war ein Vorführung, fast eine Demütigung. Es war Anschauungsunterricht, wie man Fußball spielt", sagte der damalige Bayern-Präsident Franz Beckenbauer in der Pause bei "Sky" .

"Ich habe die Platzwunden gar nicht bemerkt"

Besonders Butt hatte die Wucht des katalanischen Angriffsfußball zu spüren bekommen. Vier Mal den Ball aus dem Netz geholt und dazu noch zwei blutende Risse am rechten Jochbein und unter dem rechten Auge - die Folgen eines bösen Zusammenpralls mit Barca-Stürmer Thierry Henry. Butt blieb trotzdem auf dem Feld - es war sein erster Einsatz für den FC Bayern in der vergangenen Saison. Da will man nicht aufgeben, auch wenn der Schädel noch so sehr brummt.

"Ich habe zwar den Schlag gespürt, aber die Platzwunden habe ich gar nicht bemerkt. Im Spiel steht man so unter Adrenalin und bemerkt solche Dinge nicht immer sofort. Ich habe mir dann mit dem Handschuh ins Gesicht gefasst und Blut gesehen, aber nicht weiter daran gedacht", erklärte Butt einige Tage später im Interview mit bundesliga.de.

Butt verwandelt Elfmeter gegen Juventus Turin

Acht Monate später sieht die Welt des Hans-Jörg Butt ganz, ganz anders aus. Es ist der 8. Dezember. Die Bayern spielen in der "Königsklasse" bei Juventus Turin. Nur ein Sieg verhilft noch zum Einzug ins Achtelfinale. Nach einer halben Stunde gibt es Elfmeter für die Münchner - und es tritt an: Hans-Jörg Butt.

Der Keeper behält die Nerven und trifft souverän, der Anfang eines beeindruckenden Europacup-Auftritts des FC Bayern. Am Ende gewinnen die Gäste mit 4:1 und melden sich in Europa zurück. Auch dank ihres elfmeterschießenden Torhüters. Keine alltägliche Angelegenheit, auch nicht für einen wie Butt, der mit 35 Jahren schon so einiges erlebt und so manches Strafstoßtor erzielt hat. "Das muss ich erst mal nach und nach sacken lassen", bekannte er hinterher.

Das vielleicht Kurioseste an der Elfmetergeschichte von Turin: Butt ist ein echtes Schreckgespenst für Juventus. Er hat gegen den italienischen Rekordmeister nun mit drei Mannschaften Elfmeter verwandelt - mit Bayern, Leverkusen und Hamburg.

Neuer Vertrag für Butt?

Ohne Frage: Es war ein Jahr der Extreme für den Bayern-Torwart. Ende 2009 ist er nun zu einem Fixpunkt beim deutschen Rekordmeister geworden. Den Kampf um die Nummer 1 hat er zu Beginn der Saison für sich entschieden, aber die Sicherheit ist erst mit der Zeit zurückgekommen. Nun hat er seinen Platz sicher.

Und es winkt möglicherweise sogar eine Verlängerung beim FC Bayern. "Er ist eine herausragende Persönlichkeit. Leistung wird beim FC Bayern immer honoriert - und Jörg bringt hervorragende Leistungen", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger kürzlich.

Aber nicht nur ein neuer Vertrag treibt Butt an. Auf die Gratulation Richtung Leverkusen zur Herbstmeisterschaft folgte prompt die Kampfansage: "Im Mai wollen wir oben stehen." Es wäre eine Premiere für Butt. Er hat noch nie einen Titel gewonnen.

Michael Gerhäußer