Hamburg - Die Fans und Kritiker des Hamburger SV waren vor dem Saisonstart skeptisch. Ist die Mannschaft nach dem durchwachsenen Auftritt im Pokal schon in Bundesliga-Form, greift das neue System von Armin Veh und wie passen sich vor allem die Stürmer diesem an?

Nach dem 2:1 gegen den Titel-Favoriten FC Schalke 04 steht vorläufig fest: Der HSV kann ein gewichtiges Wörtchen im Kampf um die Spitzenplätze mitreden.

Trotz der starken Leistung verfällt Trainer Armin nicht in Euphorie: "Wir haben nun ein Spiel absolviert. Abgerechnet wird aber immer nach 34 Spieltagen. Die Spitze in der Bundesliga ist ziemlich breit. Dabei wird es oft nur um Nuancen gehen. Diese muss man für sich entscheiden, so wie wir es gegen Schalke gemacht haben", erklärte der Nachfolger von Bruno Labbadia.

Van Nistelrooy eine Klasse für sich

Den Unterschied gegen die "Königsblauen" machte vor allem Ruud van Nistelrooy aus. Der niederländische Stürmer unterstrich mit seinen zwei Treffern eindrucksvoll seine Extraklasse.

Aber auch "Ruuuuuud", wie die Anhänger ihren Star im Stadion rufen, möchte den "Dreier" am 1. Spieltag noch nicht zu hoch bewerten. Er sieht den Erfolg aber als gute Basis: "Das gibt sehr viel Selbstvertrauen. Auf so einem Spiel kann man aufbauen. Wir haben mit unserer Einstellung den Fans ein Signal gegeben."

Petric in neuer Position

Dass van Nistelrooy gegen Schalke glänzen konnte, lag zum großen Teil am neuen taktischen System von Veh. Beharrte sein Vorgänger noch auf der klassischen 4-4-2-Aufstellung, bevorzugt der Schwabe die 4-2-3-1-Variante mit nur einer Spitze. Da van Nistelrooy im Sturm gesetzt ist, blieb für Mladen Petric und Paolo Guerrero somit nur ein Platz in der "zweiten Reihe".

Guerrero nahm gegen Schalke Grippe geschwächt erst einmal auf der Bank Platz. Petric agierte zentral im offensiven Mittelfeld, eher als hängende Spitze, obwohl der Kroate in der Vorbereitung fast ausnahmslos rechts im Mittelfeld auflief. "Ich war selbst ein bisschen überrascht. Aber der Trainer hat immer wieder eine neue Idee. Und gegen Schalke ist sie aufgegangen", erklärte Petric.

Starke Außen

Auf den Außenpositionen wirbelten Eljero Elia und Jonathan Pitroipa nach Belieben. Pitroipa liebäugelte vor der Saison schon mit einem Wechsel, bekommt aber von Veh das Vertrauen geschenkt. Und dieses Vertrauen zahlt der wieselflinke Flügelflitzer in Taten und Worten zurück.

"Veh hat mir von Anfang an vertraut. Deshalb bin ich immer noch hier. Es ist, als könnte jetzt das kommen, was ich schon von Anfang an gehofft habe. Ein Titel mit dem HSV", so Pitroipa.

Schrauben stellen in der Abwehr

Die "Rothosen" vergaßen bei allem Lob aber auch nicht, den Finger in die kleinen Wunden zu legen. "Nach vorne sah das schon sehr ordentlich aus, wir haben uns etliche gute Torchancen erspielt, da müssen wir weitermachen. In der Defensive müssen wir aber noch an ein paar Schrauben stellen", sagte Marcell Jansen, der rechtzeitig zum Anpfiff fit wurde und so den verletzten Dennis Aogo ersetzen konnte.

Und Veh analysierte den Auftritt seiner Kicker wie folgt: "Wir haben eine ordentliche Mannschaft, das ist allen bewusst. Gegen Schalke 04 haben wir viele Sachen sehr gut umgesetzt. Insgesamt war es ein verdienter Sieg. Allerdings haben wir auch einige Szenen gesehen, die wir noch verbessern können."

Dennoch: Mit dem HSV ist in dieser Saison auf jeden Fall zu rechnen. Auch wenn der neue Kapitän Heiko Westermann auf die Euphoriebremse tritt. "Wir werden jetzt jedoch nicht den Fehler machen und über irgendwelche Ziele sprechen, sondern von Spiel zu Spiel denken - und das nächste ist bekanntlich in Frankfurt."

Michael Reis