Derby gewonnen, Tor erzielt - für BVB-Verteidiger Neven Subotic war der 2:0-Erfolg über den VfL Bochum nahezu ein perfektes Spiel.

Was ihn an der Leistung seiner Mannschaft besonders freut, welche Rolle die Systemumstellung gespielt hat und mit welchen Erwartungen der BVB jetzt zum Tabellenführer nach Leverkusen fährt, darüber hat sich bundesliga.de mit dem 20-Jährigen unterhalten.

bundesliga.de: Glückwunsch zum Sieg - und zum ersten Saisontor. Haben Sie Ihre alte Torgefahr wiederentdeckt?

Neven Subotic: Ganz ehrlich: Ich weiß auch nicht, wo die Abwehrspieler des VfL in dieser Szene waren. Mich hat's selbst gewundert, wie unbedrängt ich war. Aber es war halt keiner bei mir und ich konnte einköpfen - umso schöner für die Mannschaft und für mich! Es war sehr, sehr schön, endlich mal wieder zuhause vor unseren Fans ein Spiel zu gewinnen. Wenn über 70.000 Zuschauer im Stadion sind, ist das immer ein besonderer Ansporn.

bundesliga.de: Zum ersten Mal in dieser Saison konnte der BVB zwei Siege in Serie feiern. Sie dürften sehr erleichtert sein?

Subotic: Es war wichtig zu zeigen, dass wir auch mehr als ein Tor schießen können. Und dass wir hinten weiter die Null halten. Für uns war es ein wichtiges Spiel, das wir überzeugend für uns entschieden haben. Damit haben wir uns weiteres Selbstvertrauen erarbeitet, das wir in den nächsten Partien gut gebrauchen können.

bundesliga.de: Die Mannschaft hatte sich vorgenommen, vor allem kämpferisch zu überzeugen. Letztlich lief es aber auch spielerisch ganz ordentlich...

Subotic: Wir konnten gut Fußball spielen, weil wir viel Ballbesitz hatten. Und wir hatten oft den Ball, weil wir gut gekämpft haben. Bochum konnte kein konstruktives Spiel aufziehen, weil wir in den Zweikämpfen sehr präsent waren. Wir haben die meisten Angriffe gut unterbunden und konnten so selbst Situationen erzwingen, die für den VfL gefährlich waren. Alle Spieler auf dem Platz waren sehr präsent - bis hin zu unseren Stürmern. Auch Nelson Valdez hat trotz seiner Reisestrapazen aufgrund der Länderspiele wieder unglaublich gekämpft und viel gearbeitet.

bundesliga.de: Ist der Mannschaft auch das neue 4-2-3-1-System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern entgegen gekommen?

Subotic: Das war ein sehr guter Schachzug (lacht). Am wichtigsten ist ja immer, dass eine Taktik funktioniert - und wenn wir demnächst mit einem 9-1-System auflaufen. Im Ernst: Wir standen in der Abwehr und auch im Mittelfeld richtig gut. Dazu hatten wir mit Barrios ganz vorne einen Stürmer, der nicht nur getroffen, sondern den Ball auch gut behauptet hat, bis wir entsprechend nachgerückt sind. So haben wir uns einige gefährliche Chancen erspielt. Das passte alles sehr gut zusammen.

bundesliga.de: Also ein gutes System auch für die nächsten Spiele?

Subotic: Wir haben gezeigt, dass wir dieses System spielen können. Wenn der Trainer meint, dass es uns weiterhilft, sind wir in der Lage, es umzusetzen. Aber wir haben durchaus mehrere Optionen.

bundesliga.de: Die nächste Aufgabe am Freitag bei Bayer Leverkusen dürfte ungleich schwieriger werden. Rechnen Sie sich auch beim Tabellenführer etwas aus?

Subotic: Natürlich ist für uns was möglich, sonst müssten wir ja nicht hinfahren. Wir müssen über die Zweikämpfe ins Spiel kommen. Je öfter wir den Ball erobern, desto mehr können wir das Spiel kontrollieren und übernehmen. Fußballerisch hat Bayer natürlich sehr gute Spieler, wir aber auch. Ich denke, wenn wir in Sachen Zweikampfverhalten 100 Prozent geben, ist es auch für Bayer sehr schwer, gegen uns zu spielen (lacht). Da kann Leverkusen noch zehn Renato Augustos im Kader haben.

bundesliga.de: Die Abwehr bekommt es zudem mit dem momentanen Toptorjäger der Liga, Stefan Kießling, zu tun. Flößt er Ihnen Respekt ein?

Subotic: Respekt ja, aber keine Angst. Kießling ist zweifellos ein guter Stürmer. Und das nicht nur, weil er in dieser Saison schon sechs Tore erzielt hat. Aber ich habe Bayer zuletzt gegen den HSV beobachtet. Da ist die Mannschaft auch nicht unbedingt über 90 Minuten wie ein Tabellenführer aufgetreten, sondern hat auch eine Menge Glück gehabt. Vielleicht ist das ja jetzt aufgebraucht…

Das Gespräch führte Dietmar Nolte