Mit breiter Brust fährt der BVB am Samstag zum "B1-Derby" nach Bochum. Mit Sebastian Kehl ist das Selbstvertrauen zurückgekehrt - davon will auch Lucas Barrios profitieren.

Sie nennen ihn "La Pantera", den "Panther". Elf Tore hat die Raubkatze bereits erzielt und sich damit in die Herzen der BVB-Fans geschossen. Doch zurzeit ist Barrios ein Mann mit zwei Gesichtern. Seit vier Spielen wartet der "Panther" auf ein Tor, musste eine Gelbsperre absitzen, wurde sogar zwei Mal ausgewechselt.

Eine Szene aus der letzten Partie gegen Borussia Mönchengladbach steht sinnbildlich für die Torkrise des Stürmers, der sich 2008 in Chile den Titel des Welttorjägers gesichert hat. In aussichtsreicher Position bekam Barrios den Ball - und war förmlich sichtbar, dass er überlegte, statt intuitiv das Richtige zu tun. Wo vor Wochen noch regelmäßig der Killerinstinkt aufblitzte, war die Verunsicherung spürbar.

Barrios glänzt als Vorbereiter

Doch das ist nur die eine Seite. Denn gerade dieses Spiel zeigte auch den anderen Barrios, der sich den Respekt von Mitspielern und Trainer erarbeitet. Als der Argentinier den Ball verlor, winkte er nicht ab, sondern setzte konsequent nach, bis er ihn zurückerobert hatte.

Und der 25-Jährige stellte einmal mehr unter Beweis, dass er nicht nur als Vollstrecker eine Bereicherung für den BVB ist. Mit elf Treffern und fünf Vorlagen ist Barrios so häufig an Toren beteiligt wie kein anderer Borussen-Profi. Beide Zidan-Tore gegen Gladbach bereite der "Panther" mustergültig vor.

Vor allem sein "No-Look-Pass" vor dem letzten Treffer zählte zur Kategorie "ganz feiner Fußball". Diesen Ball spielt keiner, der unter mangelndem Selbstvertrauen leidet. "Ich bin zufrieden", sagte Barrios nach der Partie, und dabei ließ er keinen Zweifel auch ohne eigenen Treffer mit sich im Reinen zu sein.

Sonderlob für Kehl

Es ist kein Zufall, dass auch Jürgen Klopp in diesen Tagen ein Extrakompliment an seine Nummer 18 verteilte. Dass Barrios in seinem persönlichen Treffer-Tief trotzdem für die Mannschaft kämpft, arbeitet und läuft, nimmt auch der Trainer wohlwollend zur Kenntnis. Und Lucas beißt sich durch, weil man "mit Kraft und Arbeit alles erreichen kann".

Da tut es auch gut, wieder jemanden an seiner Seite zu wissen, der genau das vorlebt: Stete Arbeit, vollen Einsatz und einen großen Willen. Sebastian Kehl gilt nach seinem Comeback gegen Gladbach als Synonym für diese Tugenden. Erstmals in der Startelf, forderte Kehl die Bälle, ging kompromisslos in jeden Zweikampf, lief viel und dirigierte die Mitspieler.

"Er war sehr, sehr präsent und hat die Mannschaft so geführt, wie wir das von ihm erhoffen und erwarten. Das nach so langer Pause hinzubekommen, war wirklich klasse", lobte Sportdirektor Michael Zorc den Kapitän. Und auch Klopp ist froh, dass Kehl wieder an Bord ist: "Er sorgt zu 100 Prozent für Ordnung auf dem Platz!"

Weidenfeller: Fahren selbstbewusst nach Bochum

Ein Kapitän, der aufräumt, ein Torjäger als perfekter Teamplayer, dazu ein souveräner Santana als Hummels-Ersatz und ein Zidan in Gala-Form - es hat beim BVB schon schlechtere Voraussetzungen für einen Derbysieg in Bochum gegeben. "Wir fahren dort selbstbewusst hin", bestätigt Roman Weidenfeller: "Wir wissen, dass die Bochumer eine gute Mannschaft haben. Aber wir wollen gewinnen, um oben dran zu bleiben."

Eine Ansage, die Sebastian Kehl unterstreicht: "Beim VfL haben wir schon so manchen Punkt geholt." Die Bochumer dürfen also gewarnt sein - nicht nur vor dem "Panther".


Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte