Manager Uli Hoeneß hatte vor dem "Spiel der Spiele für den FC Bayern in der Hinrunde" einen "Befreiungsschlag" gefordert. Gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen wollte der Rekordmeister den Abstand auf drei Punkte verkürzen. Heraus kam ein insgesamt gerechtes 1:1-Unentschieden. Die Führung durch FCB-Stürmer Mario Gomez (8. Minute) glich der Torschützenkönig Stefan Kießling mit seinem neunten Saisontreffer nur sechs Zeigerumdrehungen später aus.

Nach der Partie stand Philipp Lahm, der vor zwei Wochen in einem Zeitungsinterview die Spielweise der Münchener kritisierte, den Journalisten Rede und Antwort. Der Rechtsverteidiger führt vor allem das mangelnde Selbstbewusstsein als Grund dafür an, dass der FC Bayern derzeit nur Platz 7 in der Tabelle einnimmt.

Frage: Herr Lahm, wie lautet Ihr Fazit nach dem Unentschieden gegen den Tabellenführer?

Philipp Lahm: Wir hatten uns vorgenommen zu gewinnen, um den Abstand auf die Tabellenspitze zu verkleinern. Das ist uns nicht gelungen.

Frage: Wie bewerten Sie die spielerische Leistung des FC Bayern?

Lahm: Wir haben gut angefangen und dann auch früh das 1:0 gemacht. Im Anschluss hatten wir sogar noch die Chance auf das 2:0, haben es aber versäumt, noch klarer in Führung zu gehen. Dann kassieren wir postwendend den Ausgleich, danach hat man gemerkt, dass die Mannschaft sehr, sehr verunsichert war und viele Fehler gemacht hat.

Frage: Wie erklären Sie sich diese Verunsicherung?

Lahm: Das kommt daher, dass wir bisher noch keine richtige Siegesserie hingelegt haben. Dadurch ist das Selbstvertrauen weg, das hat man heute ganz klar gesehen. Wir haben Probleme im Spiel nach vorne.

Frage: Warum gelingt es nicht, den Schalter umzulegen? Das hat den FC Bayern früher ausgezeichnet.

Lahm: Das liegt, wie schon angedeutet, an der Verunsicherung. Wir hatten keine Serie in der Vergangenheit. Nur durch Siege kommt das Selbstbewusstsein zurück. Wenn man mit dem FC Bayern nur auf Platz 8 liegt, ist das Selbstbewusstsein natürlich angeknackst.

Frage: Eine andere Lösung gibt es nicht?

Lahm: In erster Linie zählen nur Siege. Nur sie geben den einzelnen Spielern und der Mannschaft Sicherheit. Im Moment ist diese Sicherheit einfach nicht da.

Frage: Wie wichtig wäre ein "Dreier" gegen Leverkusen gewesen, um wieder ein bisschen mehr Ruhe im Verein zu haben, auch im Hinblick auf das Champions-League-Spiel gegen Maccabi Haifa?

Lahm: Sehr wichtig, denn Ruhe gibt es nur durch Siege. Wir haben gegen Leverkusen die Chance dazu verpasst. Aber an der Ausgangsposition für Mittwoch hätte sich nichts geändert. Wir müssen die Situation so schnell wie möglich in den Griff bekommen und bis Weihnachten, wenn möglich, alle Spiele gewinnen.

Frage: Wie wurde Ihre Entschuldigung vor versammelter Mannschaft angenommen für die Kritik, die Sie in einem Zeitungsinterview geäußert haben?

Lahm: Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es mit Sicherheit nicht meine Absicht war, jemanden aus dem Team anzugreifen. Manche Spieler haben sich angegriffen gefühlt, deshalb habe ich das klar gestellt.


Aufgezeichnet von Denis Huber