Darmstadt - Mit einem Sieg des Underdogs hat am Samstag eigentlich keiner gerechnet - der FC Bayern München reiste als klarer Favorit ans Böllenfalltor. Der SV Darmstadt 98 aber zeigt sich kämpferisch und feierten am Ende eine Partie, die sie nicht vergessen werden.

Irgendwie fühlte sich diese erste Niederlage in der Bundesliga nicht so schlimm an für die meisten, die mit Darmstadt 98 zittern. Gerade hatten die "Lilien" ziemlich klar ihre Grenzen aufgezeigt bekommen und 0:3 gegen großen FC Bayern München verloren. Und dennoch feierten die Lilien-Fans ihre Elf  und sich selbst nach dem Abpfiff frenetisch. "So etwas gegen eine so starke Mannschaft einmal durchzumachen, ist einfach eine geile Sache. Wir freuen uns, dass wir überhaupt gegen die Bayern antreten durften", sagte Darmstädter Präsident Klaus-Rüdiger Fritsch. Vor knapp sieben Jahren retteten die Bayern den damaligen Viertligisten Darmstadt 98 noch mit einem Benefizkick im alten Stadion am "Bölle" vor der Insolvenz. Dieses Pflichtspiel am Samstag in der ersten Liga gegen den großen Klub aus München war nun die Belohnung für den wundersamen Aufstieg der Darmstädter. Mehr war einfach nicht drin für die Lilien. 

 Darmstadt gestattete kaum Chancen

"Eigentlich", gab 98-Präsdient Fritsch zu, "lief es schon genau so, wie wir uns das vorgestellt haben." Und es lief so: In der ersten Halbzeit verbarrikadierten sich die Darmstädter ziemlich effizient mit zwei Viererketten vor ihrem Strafraum und gestatteten den Bayern kaum Chancen. Die Führung durch Arturo Vidal (22.) entsprang einem Fernschuss. Nachdem aber Kingsley Coman und Sebastian Rode (60., 61.) innerhalb von einer Minute zwei Mal für die Bayern trafen, war der Widerstand der tapfer aber vergeblich den ballbesitzenden Favoriten hinterherlaufenden Aufsteiger gebrochen. Am Ende gewannen die Bayern, die viele ihrer Stars vor dem Liga-Spitzenkampf am Dienstag gegen Wolfsburg geschont hatten, im Schongang.

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Ja, es ist so gelaufen, wie man das erwarten konnte, wenn eine der besten Mannschaften der Welt auf einen Aufsteiger trifft, der zwar bislang in der Bundesliga überraschte, aber dennoch im Vergleich zum FC Bayern mehr als ein Underdog bleibt. "Das Normalste der Welt ist passiert", erklärte auch "Lilien"-Trainer Dirk Schuster: "Die Bayern haben in Darmstadt gewonnen."

Auch Weltstars sind Fußballromantiker

An diesem Samstag prallten zwei komplett verschiedene Welten in einer Liga zusammen, hier die Bayern, da die Darmstädter mit ihrem alten Stadion am Böllenfalltor. Doch die Bayern ließen sich nicht von dieser Volksfeststimmung im "Bölle" und den kleinen Kabinen stören. Im Gegenteil, auch Weltstars sind Fußballromantiker und werden durch diese authentische Stimmung eher beflügelt.

Zumal die Darmstädter Spieler nicht jene Nervensägen gaben in diesen 90 Minuten wie in den Spielen zuvor. Geärgert wurde eher der Underdog, weil die Bayern die Lilien-Profis laufen ließen, ohne dass sie an den Ball oder gar in den Zweikampf kamen. "Jeder Bayern-Spieler hat die Ruhe im Arsch", staunte 98-Mittelfeldspieler Jerome Gondorf fast ehrfürchtig. Irgendwie, und das wird Trainer Schuster dann vielleicht doch bemängeln, fehlte seiner Mannschaft die schon gezeigte Griffigkeit und jene bedingungslos aggressive Zweikampfführung, mit denen sie bislang das Erstliga-Establishment geärgert hatte. Aber das wollte Schuster nach diesem Schaulaufen der Weltstars seinen Spielern nicht vorwerfen. Es wollte das Positive herausstreichen und seine Profis aufbauend auf die Partie gegen den SV Werder Bremen am kommenden Dienstag einstimmen. Bis zum dem entscheidenden Doppelschlag nach einer Stunde habe seine Mannschaft ganz gut mitgehalten, fand Schuster, das könne man für die nächste Begegnung mitnehmen. Schuster wusste, die Partie gegen die Bayern "richtig einzuordnen", diesmal war der Gegner einfach zu gut.

Von Tobias Schächter