14 Jahre hütete die Torwart-Legende das Bayern-Tor, wurde Vize-Weltmeister, Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, Pokalsieger und Welttorhüter des Jahres und erster und einziger Torhüter, der bei einer WM (2002) den goldenen Ball als bester Spieler des Turniers überreicht bekam.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Kahn unter anderem darüber, dass er seit dem Karriere-Ende noch kein Spiel des FC Bayern in München gesehen hat, was mit den Bayern in dieser Saison los ist und über die Reise der deutschen Nationalmannschaft nach Saisonende nach Asien.

bundesliga.de: Oliver Kahn, wenn Sie heutzutage in der Allianz Arena als Zuschauer sind, fehlt Ihnen da was oder sagen Sie: irgendwie doch gut, dass es vorbei ist?

Oliver Kahn: Ich war noch nie Zuschauer (lacht). Seit ich aufgehört habe, habe ich mich ein bisschen zurückgezogen und noch kein Spiel in der Allianz Arena gesehen. Ich möchte ein bisschen Abstand, aber ich glaube es würde mich auch nicht weiter stören, da mir nichts fehlt.

bundesliga.de: Ihr Karriereende im vergangenen Sommer war sehr emotional. Ist das etwas, was das ganze Leben lang vorhält.

Kahn: Ja, das war natürlich ein fantastischer Abgang! Nicht nur das Abschiedsspiel in der Allianz Arena, sondern auch, dass ich die Chance oder die Möglichkeit hatte, nochmal zwei Titel zu gewinnen.

bundesliga.de: Warum lief es in dieser Saison beim FC Bayern Ihrer Meinung nach nicht so gut?

Kahn:Das habe ich mich auch gefragt. Sicherlich spielt am Anfang der Saison die Europameisterschaft eine Rolle. Das ist dann immer schwierig, wenn die Spieler zurückkommen. Aber natürlich war auch der Trainerwechsel von Ottmar Hitzfeld zu Jürgen Klinsmann alles andere als reibungslos. Und so kann es dann schon mal sein, dass selbst so eine Truppe, mit so vielen Top-Spielern, richtige Probleme bekommt.

bundesliga.de: Was hat Sie in dieser Saison insgesamt besonders beeindruckt?

Kahn: Das Niveau war sehr gut, die Mannschaften haben über weite Strecken der Saison attraktiven Fußball gespielt. Die Saison ist sehr spannend, taktisch hat man auch das eine oder andere gesehen, das sich verändert hat. Viele Trainer gehen mehr Risiko, als das früher noch der Fall war. Sie suchen ihr Heil eher in der Offensive, denn in der Defensive.

bundesliga.de: Sie haben zwei Jahre auch mit Felix Magath sehr erfolgreich zusammen gearbeitet. Wie kommt es, dass er Wolfsburg aus dem Nichts heraus zu einem Titelaspiranten gemacht hat?

Kahn: Er hat ein sehr gutes Gespür für Spieler, ein sehr gutes Gespür für eine Mannschaft: Wie muss ich das Team zusammenstellen, damit es erfolgreich ist? Das Wolfsburg jetzt sogar die Chance hat Deutscher Meister zu werden, das hat sicherlich keiner erwartet, Felix glaube ich noch am allerwenigsten. Es wäre eine große, große Überraschung, wenn sie es wirklich packen würden.

bundesliga.de: Die Nationalelf ist nach dem Saisonende in Asien zu Gast. Wie wichtig ist diese Reise Ihrer Meinung nach und was bedeutet sie für den deutschen Fußball und die Menschen vor Ort?

Kahn: Für die Menschen vor Ort ist es sehr, sehr wichtig. Du musst dort sein, du musst präsent sein, die Leute wollen dich sehen. Sie wollen sich ja mit irgendjemandem identifizieren können. Da reicht es nicht, wenn man immer nur im Fernsehen zu sehen ist.

bundesliga.de: Was machen sie selbst in Asien vor Ort?

Kahn: Ich mache eine große Show, die wir jetzt in China produzieren. Da geht es um Talente. Wir wollen zeigen, was man mit Talenten alles machen kann, wie man sie aufbauen kann, wie man sie trainieren kann, wie man sie psychologisch auch schulen kann. Da gibt es ein sehr großes Interesse. Diese Show heißt: "I never give up - The Kahn Principle!" Da geht es zum einen natürlich um sportliche Dinge, aber er geht auch sehr viel um psychologische Dinge, um Philosophien. Und das wollen wir jetzt zuerst in China machen. Ich hoffe, dass das auf so großes Interesse stößt, dass man diese Show dann auch auf ganz Asien ausweiten kann.