Hamburg - Rafael van der Vaart ist meist der letzte Spieler des Hamburger SV, der nach dem Schlusspfiff in die Kabine darf. Ausdauernd gibt der Kapitän der Rothosen in guten wie in schlechten Zeiten Auskunft über die Geschehnisse auf und abseits des Rasens.

Denn der 31 Jahre alte Niederländer ist immer noch der Top-Star des HSV und thront in der Hierarchie ganz oben im Team der Hanseaten. Doch diese Rolle ist Van der Vaart längst nicht mehr so wichtig. Ohne Führungsspieler geht es zwar auch bei den Hamburgern nicht, persönliche Befindlichkeiten gehören seit der Amtsübernahme von Trainer Joe Zinnbauer insgesamt aber der Vergangenheit an.

Wieder eine Macht in der Imtech Arena

"Wir sind alle Spieler des HSV und ein Team. Aber wir haben natürlich eine Hierarchie. Spieler wie Rafael van der Vaart, Valon Behrami oder Heiko Westermann sind sicher Führungsspieler. Je länger die Saison dauert, desto mehr finden wir uns aber zusammen. Wir ziehen alle komplett an einem Strang und nur das ist wichtig", erklärte Neuzugang Matthias Ostrzolek schon vor wenigen Wochen im Interview auf hsv.de.

Und das neue Wir-Gefühl trägt endlich Früchte. Mit drei Siegen in Serie vor heimischem Publikum ist der HSV, der seit der Bundesliga-Gründung noch nie abgestiegen ist, wieder eine Macht in der Imtech Arena. Mit dem 2:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 könnte zudem nun endgültig die Wende zum Guten eingeläutet worden sein.

"Wir sind auf dem richtigen Weg. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir auch auswärts Ergebnisse holen können, und in Freiburg nachlegen", analysierte Van der Vaart die Situation vor dem kommenden Spieltag.

"Man muss Van der Vaart ein Kompliment machen"

Vieles wird dabei von der Form des Routiniers abhängen, ob beim direkten Kontrahenten im Kampf gegen den Abstieg der Höhenflug anhält. Die Maßnahme Zinnbauers, Van der Vaart nicht mehr als Spielmacher hinter den Spitzen, sondern viel mehr als Verbindungsglied zwischen Abwehr und Angriff einzusetzen, scheint auf jeden zu funktionieren.

"Man muss ihm ein Kompliment machen, wie er die Mannschaft mitzieht und immer wieder Nadelstiche nach vorne reinbringt", lobte Zinnbauer nach dem Mainz-Dreier seinen Kapitän. Nicolai Müller, der aus Mainz an die Alster wechselte, pflichtete seinem Coach bei: "Für uns ist es enorm wichtig, wenn Rafa auf dem Platz steht. Mit seiner Erfahrung und seiner Präsenz hilft er uns immer weiter."

Drei Tore hat Van der Vaart in dieser Saison in neun Einsätzen erzielt und damit ein Drittel aller HSV-Treffer. Beim letzten Auswärtsspiel in Augsburg reichte seine 1:0-Führung jedoch nicht, am Ende stand ein 1:3.

In Freiburg soll die Negativserie von drei Pleiten auf fremden Platz der Vergangenheit angehören. "Mit dem 2:1 gegen Mainz wächst unser Selbstvertrauen und dadurch erspielen wir uns mehr Chancen. Das müssen wir nach Freiburg mitnehmen und die drei Punkte holen", so Van der Vaart.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis