Borussia Mönchengladbach ist denkbar schlecht in die Bundesliga zurückgekehrt. Nach sechs Spieltagen stehen die "Fohlen" auf dem letzten Tabellenplatz.

Und ausgerechnet in dieser Situation steht auch noch das Derby gegen den Erzrivalen aus Köln (Samstag ab 15 Uhr im Live-Ticker) vor der Tür. "Ausgerechnet" oder "Gott sei Dank"?

bundesliga.de hat im Interview mit jemandem gesprochen, der es wissen müsste. Arie van Lent, der ehemalige Torjäger von Borussia Mönchengladbach erklärt, wieso der Aufsteiger so schlecht gestartet ist und was das Besondere an dem traditionsreichen Derby zwischen Mönchengladbach und Köln ist:

bundesliga.de: Herr van Lent, Mönchengladbach steht als Tabellenletzter mit drei Punkten aus sechs Spielen denkbar schlecht da. Wie beurteilen Sie den Start der Borussia?

Arie van Lent: Mönchengladbach ist in der Tat leider schlecht gestartet, doch jetzt sind erst sechs Spiele gespielt und die Saison ist noch lang, da kann sich einiges ändern. Außerdem zählt für die Borussia nur der Klassenerhalt und in solch einer Situation konnte man so einen Start erwarten und damit rechnen, dass nicht alles rund läuft. Allerdings täten sie gut daran, bald mal wieder ein paar Punkte zu sammeln, damit es wieder rund läuft und auch mal wieder ein wenig Ruhe in den Verein kommt.

bundesliga.de: Was sind die Gründe für den schlechten Start?

van Lent: Es wird immer viel spekuliert, aber letztendlich machen es immer noch die Spieler auf dem Platz. Ich denke, dass die individuellen Fehler bei der Borussia momentan brutal hart bestraft werden. Das hat man gegen Hoffenheim gesehen oder auch zuhause gegen Stuttgart. Solche Fehler werden in der Bundesliga einfach schneller bestraft und das muss man so schnell wie möglich abschalten. Wenn man 13 Tore kassiert hat - das sagt alles. Und wenn man nur sechs Tore geschossen hat, sieht man, dass die Borussia sich im Spiel nach vorne im Moment schwer tut.

bundesliga.de: Wie beurteilen sie die Veränderungen im Spielsystem von 4-4-2 in der Vorsaison zum 4-5-1? Ein Oliver Neuville sitzt zum Beispiel zurzeit nur auf der Bank.

van Lent: Da muss man sehen, dass Oliver Neuville zum Saisonstart verletzt war und gar nicht spielen konnte. Auch Roberto Colautti war verletzt und Jos Luhukay wollte etwas mehr Absicherung vor der Abwehr. Der Gedanke an sich ist schon in Ordnung. Luhukay sieht ja jeden Tag im Training, welche Leute er hat und auch in der Vorbereitung hat er es ausprobiert und wenn das am besten geklappt hat, geht das schon. Wenn Neuville dann irgendwann mal wieder zu 100 Prozent fit ist, dann kann man sich vielleicht wieder etwas anderes überlegen.

bundesliga.de: Jetzt kommt Köln in den Borussia Park. Wie wichtig ist das Spiel für die Borussia?

van Lent: Für Mönchengladbach ist das eine gute Gelegenheit, endlich mal wieder einen Sieg einzufahren und sich vom Tabellenende etwas abzusetzen, sich wieder etwas näher ans Mittelfeld heran arbeiten zu können. Aber dafür müssen sie unbedingt am Wochenende gegen Köln gewinnen. Egal wie. Das wäre auch wichtig, damit, wie gesagt, mal wieder etwas mehr Ruhe um den Verein herum entsteht.

bundesliga.de: Was muss Borussia konkret verbessern, um gegen Köln als Sieger vom Platz zugehen?

van Lent: Dafür bin ich nicht nah genug am Verein dran, um da ins Detail gehen zu können. Aber ich denke, dass sie auf jeden Fall versuchen müssen, die individuellen Fehler, wie sie bisher halt relativ oft passiert sind, abzustellen. In der Offensive sollten sie vielleicht etwas entschlossener und zwingender agieren, als das bisher der Fall war. Aber dazu kann ich wirklich nichts Genaueres sagen, da ich die Spiele nicht so genau verfolgen kann, da wir dann immer selber in der Regionalliga spielen.

bundesliga.de: Sie selbst haben ja auch das ein oder andere Spiel zwischen Mönchengladbach und Köln miterlebt. Was ist das Besondere an diesem Derby?

van Lent: Das fängt schon eine Woche vorher an. Es arbeiten ja viele Menschen aus Mönchengladbach in Köln und umgekehrt. Und dadurch ist dann im Umfeld schon eine gewisse Spannung. Und die Medien pushen das natürlich noch zusätzlich und das bekommen die Spieler dann auch mit.

bundesliga.de: Und wie ist das dann für die Spieler? Inwieweit bekommen die das mit?

van Lent: Die wissen dann auch, dass da Brisanz mit im Spiel ist und wie es sonst so auf dem Platz zuging bei den Derbys, dass auch die Zuschauer sich beim Spiel extra ins Zeug legen. Das kribbelt dann unheimlich bevor es losgeht. Und wenn man als Spieler dann endlich auf dem Platz ist, dann geht es nur darum, dieses Derby einfach zu gewinnen. Und wenn man das schafft, dann hat man bei den Zuschauern auch einige Bonuspunkte gesammelt.

bundesliga.de: In der Saison 1996/97 ist Ihnen mit Werder Bremen gegen Köln etwas Einmaliges in der Bundesliga gelungen. Können Sie mal erzählen, was da los war?

van Lent: Wir haben mit Werder Bremen gegen den 1. FC Köln gespielt. Vor dem Spiel haben wir gesagt, dass wir keine Tore nach Standards bekommen wollen, weil das damals unsere Schwäche war. Und dann hab ich zum 0:1 leider ins eigene Tor geköpft. Da ist damals für mich eine Welt zusammen gebrochen. Ich hatte ja auch noch nicht so viele Bundesligaspiele und das war schon schlimm für mich. Dann hab ich aber vor der Halbzeit noch zwei Tore gemacht und nach 45 Minuten stand es 2:1 für uns; das war schon sehr erstaunlich.

bundesliga.de: Aber das war ja immer noch nicht alles.

van Lent: Nein. Dann hab ich kurz vor Schluss noch das Tor zum 3:2-Endstand geschossen. Da musste ich schon schmunzeln. Manche Spiele kann man sich einfach nicht erklären und man wundert sich, was eigentlich alles im Fußball möglich ist. So ein Spiel hat man wirklich nur ein Mal im Leben. Da kommt dann auch alles zusammen. Die Umstände, die Stimmung im Stadion. Und wenn man später drüber nachdenkt, denkst du: 'Ja Wahnsinn! Wo gibt's so was schon?'.

bundesliga.de: Jetzt sind Sie Trainer beim Regionalligisten 1. FC Kleve. Wie gefällt Ihnen der neue Job als Trainer?

van Lent: Sehr gut. Das war ja das, was ich mir gewünscht hatte, direkt nach meiner Zeit als Spieler als Trainer arbeiten zu können und Kleve hat mir die Möglichkeit gegeben. Das hat auch auf Anhieb gut geklappt. Wir sind in der ersten Saison aus der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen. Da ist das natürlich jetzt etwas anderes, aber wir versuchen auch das gut zu meistern.

bundesliga.de: Was sind denn Ihre Zielsetzungen mit dem 1. FC Kleve?

van Lent: Mit Klaus Hilpert, der jahrelang in Bochum war, versuchen wir, das alles ein bisschen professioneller zu machen und da sind wir auf einem guten Weg, um Kleve in der 4. Liga zu etablieren und sie in ein paar Jahren vielleicht mal anders denken können. Und für mich persönlich ist es einfach eine Riesen-Erfahrung, weil ich ja als Trainer auch noch viel dazu lernen muss.

Das Interview führte Gregor Nentwig