Für den FC Bayern und seinen damaligen Coach Jürgen Klinsmann war es das i-Tüpfelchen auf einer Demontage, für den VfL Wolfsburg die Initialzündung auf dem Weg zum Titel in der Bundesliga. Für die neutralen Beobachter schlichtweg das Tor der Saison, das Tor des Jahres.

Wie der brasilianische Torjäger Grafite am 4. April 2009 die gesamte Deckung des Rekordmeisters austanzte und dann per Hacke vollendete, wird noch in Jahrzehnten fester Bestandteil jeder Highlight-Zusammenstellung der Liga-Geschichte sein.

Köstner: "Keine Angst haben"

Zehn Monate danach haben sich insbesondere bei den Niedersachsen die Vorzeichen dramatisch verändert. Aus dem selbstbewussten Torschützenkönig Grafite ist ein verunsicherter Zauderer geworden, die "Wölfe" sind ins Liga-Mittelmaß abgerutscht.

Und der neue Trainer Lorenz-Günther Köstner beschwört sein Team vor dem Bayern-Gastspiel am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio): "Wir dürfen keine Angst haben."

Schließlich ist die aktuelle Erfolgsserie der Gäste mit sieben Liga-Siegen in Folge durchaus furchteinflößend und Coach Louis van Gaal erwägt, das 1:5 aus dem Vorjahr zusätzlich als Motivationshilfe einzusetzen: "Eigentlich glaube ich nicht daran, dass das noch in den Köpfen ist, aber vielleicht kann ich es trotzdem nutzen."

Van Gaal sieht FCB im Vorteil

Wurden seinerzeit scheinbar sportliche Hierarchien auf den Kopf gestellt, herrschen mittlerweile wieder die üblichen Kräfteverhältnisse - besonders international. Während die Bayern in der Champions League überwintert haben, mussten die Norddeutschen froh sein, wenigstens einen Platz in der Zwischenrunde der neuen Europa League zu ergattern. Zu wenig für die gestiegenen Ansprüche in der Autostadt, in der vergangenen Woche musste Armin Veh seinen Trainerstuhl beim VfL vorzeitig räumen.

Dass der neue Leitwolf Köstner neue Kräfte freisetzen könnte, will sein Kollege van Gaal nicht ausschließen: "Das Bayern-Spiel ist für Wolfsburg das wichtigste Spiel, um etwas zu ändern." Grundsätzlich sieht der Niederländer sein Team aber im Vorteil, "denn wir sind in einer besseren Verfassung als im Hinspiel". Und das haben die Bayern ja immerhin 3:0 gewonnen.

Profitiert Grafite von Taktikumstellung?

Für den im April 2009 so gefeierten Torschützen Grafite gilt hingegen das Gegenteil. Abgesehen von einem fulminanten "Dreierpack" beim Wolfsburger Debüt in der "Königsklasse" gegen ZSKA Moskau (3:1) musste er sich in der Liga mit fünf "Törchen" begnügen und war phasenweise derart von der Rolle, dass ihn Veh sogar für eine Woche in sein Heimatland schickte, um den Kopf freizubekommen.

"Ich versuche, den nicht mehr so positiven Weg umzukehren", sagte der 30-Jährige dem "kicker". Grafites Hoffnung: Er könnte am meisten von der Rückbesinnung auf eine Taktik mit langen Pässen nach vorn profitieren, die einst Meistertrainer Felix Magath in Wolfsburg salonfähig machte und mit der sich auch dessen Nach-Nachfolger Köstner anzufreunden scheint.

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