München - Die vergangenen Tage waren intensiv für die Spieler des FC Bayern München. Erst der Heimsieg am letzten Spieltag gegen den 1. FSV Mainz 05 (2:0), dann die Bierdusche auf dem Rasen der Allianz-Arena und zuallerletzt die Meisterfeier auf dem Rathausbalkon am Marienplatz. Insbesondere für Medhi Benatia, der vor einem Jahr vom AS Rom an die Isar wechselte, waren diese Feierlichkeiten etwas völlig neues, nachdem er seinen ersten Titel in seiner Karriere feiern konnte.

Im Interview mit bundesliga.de zieht der marokkanische Nationalspieler Bilanz seiner ersten Saison in München und spricht darüber, wie er die Arbeit unter Guardiola genießt.

bundesliga.de: Herr Benatia, freuen Sie sich auf Ihren Sommer-Urlaub?

Medhi Benatia: Wir haben in den vergangenen Wochen alle drei Tage ein Spiel gehabt und nun freuen wir uns einfach auf die gemeinsame Zeit mit der Familie. Erst einmal werde ich aber noch ein Spiel mit der marokkanischen Nationalmannschaft bestreiten, bevor es dann in den Urlaub geht.

"Das kann keine Mannschaft der Welt kompensieren"

bundesliga.de: Wie fällt Ihr Fazit Ihrer ersten Saison beim FC Bayern aus?

Benatia: Wir haben das Maximum versucht, um all unsere Ziele zu erreichen. Am Ende springt die Meisterschaft herraus, sowie das Halbfinale in der Champions League und im DFB-Pokal. Aber wir haben unheimlich viel Pech mit Verletzungen gehabt, und Weltklasse-Spieler standen monatelang nicht zur Verfügung. Das kann keine Mannschaft der Welt kompensieren. Sie sind einfach nicht zu ersetzen. Nichtsdestotrotz handelt es sich in meinen Augen um eine gute Saison. Ich bin zufrieden.

bundesliga: Und für Sie persönlich?

Benatia: Ich hatte auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Das war vor allem nicht leicht, um meinen Rhythmus zu finden. Das war sicherlich enttäuschend. Außerdem hatte ich im Sommer keine Vorbereitung, dadurch, dass ich kurz vor Transferschluss Ende August nach München kam und die Saison bereits begonnen hatte. Und im Winter hatte ich muskuläre Probleme und konnte bei der Vorbereitung nicht voll mitmachen. Als ich fit war, habe ich mein Bestes gegeben und die Erwartungen erfüllt.

bundesliga.de: Sie haben ja den allerersten Titel Ihrer Laufbahn gewonnen. Wie fühlt sich diese Meisterschaft an?

Benatia: Als wir offiziell Meister geworden sind, waren wir zu Hause, insofern hat sich es ein bisschen komisch angefühlt, aber mit ein wenig Abstand, war es eine großartige Bundesliga-Saison, denn wir sind früh Meister geworden und wir haben nie richtig geschwächelt. Und dann die Meisterfeier, sowohl im Stadion als auch danach am Marienplatz, waren großartige Momente.

"Bin stolz unter solch einem Trainer spielen zu dürfen"

bundesliga: Ist das Aus in der Champions League gegen den FC Barcelona die größte Enttäuschung in dieser Saison?

Benatia: Ich bin vor knapp einem Jahr nach München gewechselt, um auch die Champions League zu gewinnen. Das ist uns in dieser Spielzeit leider nicht gelungen. Bei diesen Begegnungen gegen Barca konnten wir mit erhobenem Hauptes ausscheiden. Wir haben alles gegeben, aber wenn vier hochkarätige Spieler fehlen, ist es sehr schwer gegen ein solches Top-Team zu gewinnen, auch wenn es nicht als Ausrede gelten soll. Stellen Sie sich vor, Barca spielt ohne Neymar, Messi und Suarez oder Real Madrid ohne Cristiano Ronaldo, dann sieht diese Mannschaft völlig anders aus. Das ist aber normal und es gehört dazu.

bundesliga.de: Wie würden Sie also diese Saison beschreiben: Durchwachsen, gut oder sehr gut?

Benatia: Es ist eine gute Saison, und mit weniger Pech wegen Verletzungen wäre sie sehr, sehr gut gewesen, denke ich.

bundesliga.de: Sie konnten auch mit dem Vertrauen von Pep Guardiola jederzeit rechnen. Wie beurteilen Sie die Arbeit unter ihm nach einem Jahr?

Benatia: Ich habe viel gelernt und ich habe mich weiterentwickelt. Pep Guardiola ist ein Trainer, der detailbesessen ist, der sehr akribisch arbeitet und der immer bei 100% dabei ist. Ich bin froh und stolz unter solch einem Trainer spielen zu dürfen.

Das Interview führte Alexis Menuge